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Aktion: Schüler sollen ihre Zeugnisse rauchen

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Schulprotest  

Kontrovers diskutiert: "Deutschland und Schule? Ein Albtraum!"

24.01.2014, 12:49 Uhr | Daniel Reviol, t-online.de

Aktion: Schüler sollen ihre Zeugnisse rauchen. Protestaktion gegen das deutsche Schulsystem (Quelle: www.unschulbar.net)

Protestaktion gegen das deutsche Schulsystem (Quelle: www.unschulbar.net)

"Wir werden aus Protest gegen das Schulsystem in ganz Deutschland öffentlich Schulzeugnisse rauchen." Mit diesem Aufruf sorgt die Anti-Schul-Kampagne einer Berliner Stiftung zurzeit für Aufsehen. Wir erklären den ernst gemeinten Hintergrund dieser verrückten Aktion, die inzwischen auch unsere Leser zur Diskussion anregte.

Zweimal im Jahr fürchten sich viele Schüler vor dem Tag der Zeugnisvergabe. Schlechte Noten deprimieren und sorgen nicht selten für Streit mit den Eltern. Die Stiftung "LeonidasNet" schlägt nun eine ganz eigene Lösung für dieses Problem vor und empfiehlt, die Schulzeugnisse einfach zusammenzurollen und zu rauchen. Anschließend sollten die Schüler Eltern und Lehrer davon berichten und ihnen ein selbst verfasstes Eltern- und Lehrerzeugnis in die Hand drücken.

Scharfe Kritik am deutschen Schulsystem

Unter dem Motto "Du bist nicht deine Schulnoten" setzt sich George Papa auf der Internetseite www.unschulbar.net vehement gegen das Schulsystem und das schlechte Image der Schüler ein.

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Halbjahreszeugnis ein Alptraum - was tun?

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"Die Jugend heute ist faul, unmotiviert, orientierungslos, unentschieden, verwöhnt." Solche Vorurteile hält Papa für Heuchelei, wie er auf seiner Seite ausführt. Er möchte Partei ergreifen für die heutige Jugendgeneration, die Opfer eines Schulsystems sei, das er für veraltet hält.

Schule vermittelt Kindern, sie seien dumm

Hinter George Papa steckt ein Berliner Unternehmer und Vater, dessen Sorge um das Wohl seiner eigenen vier Kinder Auslöser der Aktion ist. Im Gespräch mit t-online.de erzählt Papa, wie sein zweiter Sohn Jonathan mit acht Jahren von der Schule nach Hause kam und plötzlich überzeugt war, dass er dumm sei, weil er schwache Noten hatte und Nachhilfe brauchte.

Durch diese eigene Erfahrung und Gespräche mit jugendlichen Schulabbrechern, denen genauso vermittelt werde, sie seien "faul und dumm", staute sich der Frust über das Schulsystem bei ihm an. George Papa, der sich auf Ergebnisse von Hirnforschern beruft, weiß, dass Kinder auf ganz unterschiedlichen Gebieten begabt sein können. Diese Begabungen entsprechen jedoch nicht immer dem vorgegebenen Schulstoff - dumm seien die Kinder deshalb mitnichten.

George Papa: Das Schulsystem steht seit 150 Jahren still

Obwohl die "Unschulbar"-Seite schnell diesen Eindruck vermittelt, lehnt Papa Schule nicht pauschal ab. Doch er ist gegen ein Schulsystem, das sich "seit 150 Jahren nicht verändert hat", in dem manche Lehrer erst jetzt das Kommunikationsmittel E-Mail entdecken, in dem kleinste Änderungen am Unterrichtsstandard durch lehrplanfixierte Rektoren untersagt werden und in dem Kindern ein Stempel aufgesetzt wird.

Als positive Gegenbeispiele nennt Papa das projektbasierte Lernen, das in Ländern wie Finnland, Schweden und Österreich bereits praktiziert wird.

Vor allem Jugendliche sollen angesprochen werden

Mit der kuriosen und provokanten Aktion, die Schulzeugnisse zu rauchen, möchte Papa in Dialog treten - mit der Öffentlichkeit, mit Schulfunktionären, aber ganz speziell auch mit Jugendlichen mit Schulproblemen. Ihnen bietet Papa ein Mentoring innerhalb der "Leonidas"-Stiftung an.

Das öffentliche Interesse hat Papa bereits geweckt. "Täglich erreichen mich 50, 60 Mails von Leuten, die sich über Schule austauschen wollen", sagt er. Auch zwei Landtagsabgeordnete hätten sich bei ihm gemeldet, um die Thematik mit ihm zu diskutieren. Aber sie bleiben Ausnahmen. Der Großteil der Politiker beschäftige sich nicht näher mit den Hintergründen der Aktion.

"Deutschland und Schule? Für die meisten ein Albtraum"

Anders die Leser von t-online.de: Von vielen wird die Aktion selbst zwar als kindisch abgetan, trotzdem hat sie eine angeregte und kontroverse Diskussion über die heutige Schülerschaft und das deutsche Schulsystem ausgelöst. Dabei stehen sich zwei Lager gegenüber. Während viele sich auf die Seite von George Papa stellen und den Zustand der Schulen kritisieren, sehen andere die Ursache der Fehlentwicklungen vor allem bei den Eltern.

Hier haben wir einige Argumente der Diskussion zusammengefasst:

Kontra Schulsystem

  • manjuju: Das Schulsystem der Briten ist um ein Vielfaches besser. Keine Zeugnisse - in unregelmäßigen Abständen gibt es Bewertungen, um die Eltern über den Wissensstand der Kinder zu informieren. Alles ohne Druck. Die Kinder können ohne Furcht in die Ferien gehen, weil ja keine Zeugnisausgabe bevorsteht. Sie werden automatisch gefördert, wenn Defizite bemerkt werden sollten.

  • Yazz: Als Schülerin eins G8-Gymnasiums finde ich, die Aktivisten sind völlig im Recht. Für diejenigen, die die Schule vielleicht vor 20 oder 30 Jahren erlebt haben, gilt man als Jugendlicher als respektlos, dumm und verweichlicht. Es wird sich nicht bemüht, auch einmal die Sicht der Gegenpartei zu verstehen: Ständig schwebt das Damoklesschwert des Versagens über einem. Der Druck der ausgeübt wird, ist enorm, und ganz nebenbei soll man auch noch soziale Kontakte pflegen, im Haushalt helfen und mit allen anderen Problemen klarkommen.

  • gipsybird: Bessere Unterrichtsmethoden als diesen "tollen" Frontalunterricht, bei dem die meisten Kinder gedanklich schon längst abgeschaltet haben, gibt es nicht erst seit gestern. Deutschland und Schule? Für die meisten wahrscheinlich ein Albtraum - sechs, setzen, Klassenziel verfehlt.

  • Rewog: Mag diese Aktion auch Unsinn sein, in einem haben die Initiatoren Recht. Das hiesige Schulsystem ist zum Teil mittelalterlich. Auch ist diese Kleinstaaterei im Bildungssystem idiotisch und sollte schnell beendet werden und ein bundeseinheitliches System geschaffen werden. Auch moderne Kommunikation und Praxisbezug sollten mehr gelehrt werden.

Kontra Elternhaus

  • FJ123: Jetzt kommt es wieder. Alle haben geniale Kinder, die durch die Schuld inkompetenter Lehrer an der Entfaltung ihres Genies gehindert werden. Geht mal in die Schulen und schaut euch den Alltag an! Die faulen, schlecht erzogenen und an allem anderen als an Schule interessierten Kinder gibt es leider wirklich, und das liegt sicher auch am Elternhaus.

  • aceramind: Erzieht eure Kinder endlich wieder anständig, vermittelt ihnen mal wieder Werte. Seit Jahren schrauben wir die Anforderungen runter und es reicht immer noch nicht. Und wenn die böse Schule versucht, eure Fehler auszubügeln und dem Kind nur einmal sagt, dass sein Verhalten so nicht in Ordnung ist, steht ihr direkt beim Direktor und beschwert euch über die ungerechtfertigten Maßnahmen.

  • Derdies: Es gibt immer wieder Eltern, die dumme Weisheiten propagieren und der Meinung sind, diese in die Öffentlichkeit tragen zu müssen, beziehungsweise sich mit irgendwelchen blödsinnigen Aktionen großtun zu müssen. Von ihren Kindern erfahren sie Unwahrheiten aus dem Unterricht und bauen damit eine Front gegen die ach so bösen Lehrer und das Schulsystem auf. Phrasenhaft wird behauptet, der Unterricht sei veraltet, obwohl sehr innovativ gearbeitet wird. Und viele Schüler sind tatsächlich faul, unmotiviert, interessenlos und ohne Anstand. Das müssen viele Eltern sich einfach sagen lassen.

  • Bombadil: Erziehung beginnt zu Hause und nirgendwo anders. In unserer Straße ist eine Schule - die Manieren der Kinder sind ein Spiegel der Erziehung von ihren Eltern. Nicht immer alles auf die Schule abwälzen.

Kultusminister will "Unsinn" verhindern

Auch bei einem Politiker hat George Papa inzwischen eine öffentliche Reaktion bewirkt: Vor der Übergabe der Halbjahreszeugnisse in Mecklenburg-Vorpommern hat Bildungsminister Mathias Brodkorb die geplante Protestveranstaltung gegen das Schulsystem in Deutschland kritisiert.

"Es ist bemerkenswert, mit welcher Verachtung und Geringschätzung die Initiatoren agieren. Sie beschimpfen auf ihrer Internetseite Lehrerinnen, Lehrer und Eltern gleichermaßen", schimpft Brodkorb. Der Kultusminister ruft Eltern im Raum Rostock auf, vor der Zeugnisausgabe vorsorglich mit den eigenen Kindern über die geplante Aktion zu sprechen - "um diesen Unsinn zu verhindern“.

Wahrscheinlich wird die Kampagne die deutsche Bildungslandschaft noch einige Zeit beschäftigen: Die "Leonidas"-Stiftung plant mit Kleinbussen eine Tour durch ganz Deutschland, um Flugzettel zu verteilen, Plakate aufzuhängen und Gespräche zu führen. "Du wirst uns vor Schulen, Supermärkten, Jugendclubs und im Stadtzentrum antreffen", kündigen die "Unschulbaren" an.

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