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Mobbing in der Schule als ARD-Drama

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ARD-Drama um Mobbing  

"Wir reden hier von Gewalt, von Folter!"

02.04.2014, 14:42 Uhr | t-online.de, dpa

Mobbing in der Schule als ARD-Drama. Nick (Ludwig Skuras) wird von Mitschülern gemobbt (Filmszene). (Quelle: WDR/Conny Klein)

Nick (Ludwig Skuras) wird von Mitschülern gemobbt (Filmszene). (Quelle: WDR/Conny Klein)

Nur häppchenweise treten die Ereignisse ans Licht. Ein Junge wird von seinem Schülern drangsaliert, gedemütigt, geschlagen. Doch auch nachdem einer der Täter zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt wird, hört für Nick Neufeld (Ludwig Skuras) das Spießrutenlaufen nicht auf. Zum zweiten Mal wird der 13-Jährige Opfer. In dem Spielfilm "Neufeld, mitkommen!" zeichnete die ARD ein Drama über die Mobbing-Folgen nach, eine wahre Geschichte aus dem Alltag an Schulen in Deutschland.

Über Monate war der Junge in einer Kleinstadt von seinem Kameraden gequält worden: Schläge, Auslachen, Anpinkeln, sexuelle Gewalt, Bloßstellen - das war Alltag. Die Journalistin Jana Simon, die zusammen mit Kathi Liers das Drehbuch schrieb, sprach mit den Eltern des Opfers und denen der Täter, mit Lehrern und Mitschülern. "Was mich am meisten an diesem Fall beschäftigt und berührt hat, war, dass anscheinend niemand mit der Familie oder dem Opfer mitfühlen konnte", berichtete die Journalistin von ihren Recherchen für den "Tagesspiegel" über den authentischen Fall.

Mobbing-Drama in ländlicher Idylle

Das spüren auch die Neufelds in dem von Regisseur Tim Trageser mit stark pädagogischer Absicht erzählten Film. Die Mutter, Beate Neufeld, steht im Mittelpunkt, sie nimmt die Opferrolle ein, nicht ihr Sohn, das irritiert. Zumal sie nicht der Typ ist, mit dem man als Zuschauer gerne Mitleid haben möchte, sie ist verkrampft und verbiestert. Sie drängt den gemobbten Schüler Nick in den Hintergrund. Die Mutter braucht die Therapie genauso wie ihr Sohn.

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Kein Zurück in die Normalität

Ob auf dem Weg zur Schule oder im Supermarkt - beide Seiten begegnen sich in der ländlichen Idylle immer wieder, die Wunden heilen nicht, sondern werden ständig neu aufgerissen. Zwar versucht Nicks Vater Martin (Ole Puppe) nach dem Prozess so schnell wie möglich zur Normalität überzugehen, das Geschehene abzuhaken, doch das gelingt nicht. Nick soll sogar in die selbe Klasse zurückkehren, die ihn zuvor so gepeinigt hat.

Die Mutter Beate (Christina Große) lässt das Schicksal ihres Sohnes nicht in Ruhe. Sie spürt, wie sich Nick einkapselt. Der Junge schwänzt die Schule, er fürchtet sich vor seinen einstigen Peinigern. Nur die Freundschaft zur fast gleichaltrigen Lena (Greta Bohacek) ist ein Lichtblick.

Beate Neufeld hadert mich sich und ihrem Rechtsempfinden. Unversöhnlich will sie den Fall neu aufrollen und auch die Lehrer wegen Verletzung ihrer Dienstpflicht vor Gericht stellen. Sie führt einen Kampf um Anerkennung der Familie, rennt gegen die Scham an, glaubt eben nicht, dass die Zeit alle Wunden heilt. Sie schreit es dem Schulleiter ins Gesicht: "Das war kein Mobbing. Wir reden hier von Gewalt, von Folter."

Nicht nur "die Dicken und die Deppen"

Dabei kommt Nick nicht aus benachteiligten Verhältnissen. "Ich dachte, das passiert nur den Dicken und den Deppen", sagt Martin Neufelds Mutter Hilde (Ursula Karusseit). Als Beate Neufeld spürt, dass sie mit ihrer Suche nach endgültiger Gerechtigkeit nicht weiterkommt, sucht sie Rat. Ihre Ehe droht zu zerbrechen, Nick entgleitet den Eltern. Erst als es einer Psychologin (Tina Engel) gelingt, Nicks Sprachlosigkeit zu überwinden, tritt die Befreiung ein. Erst dann hört Nick auf, ein zweites Mal das Opfer zu sein. Wer nicht zum zweiten Mal Opfer werden will, muss den Kreislauf aus Schuldzuweisungen und Verdächtigungen aufbrechen.

Ein anderer wird das nächste Opfer

Doch eine Beunruhigung bleibt. Der Satz "Neufeld, mitkommen", mit der Nicks Peiniger einst ihre Schläge ankündigten, ist nicht vergangen. Nur tritt ein anderer Name und ein weiteres Opfer an die Stelle.

Das Phänomen Mobbing an Schulen tritt am stärksten in den Klassen sechs bis zehn auf. Die Mobber sind meist männlich und reagieren sich an Klassenkameraden ab. Hänseln, Nachäffen, Auslachen, Schlagen, Anschreien, als dumm Darstellen, Ignorieren, körperliche und sexuelle Gewalt - all das sind Gesichter von Mobbing. Eine neue Variante des Mobbings ist das Cybermobbing, das Bloßstellen im Internet oder per Handy-Video. Mobbing zieht sich oft über Monate, manchmal unentdeckt von Erwachsenen, manchmal bewusst geduldet. Die Zahlen schwanken, die Grauzone ist groß, doch Befragungen ergeben, dass jeder zehnte Schüler schon gemobbt wurde, in bezug auf Cybermobbing ist die Zahl der Fälle sogar noch höher.

So beginnt am Ende des Films der geheime Kampf vermeintlich Starker gegen Schwache wieder von vorne an. "Alltägliche Abgründe" hatte Jana Simon ihr Reportagebuch über diese und ähnliche Schicksale betitelt. Die Produktion für den ARD-"Filmmittwoch" sollte allerdings als Lehrstunde verstanden werden, ein spannend erzähltes Drama ist sie nicht.

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