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Berliner Wedding: Eine Privatschule für Jugendliche aus sozial schwachen Familien

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Privatschule im Problemkiez  

Eine Privatschule für Jugendliche aus sozial schwachen Familien

08.04.2014, 13:51 Uhr | dpa, t-online.de

Berliner Wedding: Eine Privatschule für Jugendliche aus sozial schwachen Familien. Eine mutige Idee: Brunk und Döring gründen in dem sozialen Brennpunkt eine Privatschule, die auch Kinder von Migranten und sozial Schwächeren aufnimmt. (Quelle: dpa)

Eine mutige Idee: Brunk und Döring gründen in dem sozialen Brennpunkt eine Privatschule, die auch Kinder von Migranten und sozial Schwächeren aufnimmt. (Quelle: dpa)

Nobel ist der Berliner Wedding nicht. Eher auf eine etwas schäbige Art und Weise bunt. Neben hohen Häusern mit 70er-Jahre-Flair stehen Ein-Euro-Shops und Pommesbuden. In einigen Kiezen lebt jede zweite Familie von Hartz IV. Es ist ein sozialer Brennpunkt - also keine ideale Umgebung, um dort eine Privatschule zu eröffnen.

Doch für Fiona Brunk und Stefan Döring noch lange kein Hindernis, die diese mutige Idee hatten und eine Privatschule gründeten, die auch Migranten und sozial Schwache aufnimmt. Unabhängig davon, ob sie Schulgeld zahlen können. Herkunft soll nämlich nicht mehr über Erfolg entscheiden.

Auf dem Stundenplan: Türkisch, Arabisch und "Zukunft"

"Wir haben festgestellt, dass die Schüler hier eigentlich wahnsinnig viel drauf haben, aber der Bildungsweg oft nicht so erfolgreich ist", erzählen sie. Zukunft könne man lernen, meinen Döring und Brunk - und haben deshalb ein ganzes Schulfach so genannt. In ihrem pädagogischen Konzept bereiten sich die Kinder von der siebten Klasse an mit Praktika auf das Berufsleben vor. Jede Woche gibt es Zielgespräche zwischen Lehrer und Schüler. Chemie, Physik und Biologie werden zusammen benotet. Man kann türkisch lernen, später arabisch. Hausaufgaben gibt es nicht.

"Das Schulklima muss wirklich ein besonderes sein. Das schafft den Raum, sich auf die Fächer zu konzentrieren", sagt Döring. Ziel ist, dass jeder Schüler nach der zehnten Klasse einen Ausbildungsvertrag in der Tasche hat oder auf das Gymnasium wechselt. Bisher schaffen im Einzugsgebiet 14 von 50 Schülern keinen Abschluss. Fast jeder zweite Erstklässler spricht bei der Einschulung nicht richtig deutsch.

Die öffentlichen Schulen in Berlin genießen eher einen schlechten Ruf

Nach den Sommerferien soll die erste Klasse starten. Drei Lehrer sind schon gefunden, ein Dutzend Schüler angemeldet. Die offizielle Genehmigung aber fehlt, da Döring und Brunk mit ihrer Stiftung Quinoa noch kein Schulgebäude aufgetrieben haben. Manche Eltern zögern deshalb. "Ich hätte gern die Räume gesehen", sagt Milevie Mitrovic. Ihr Sohn hat auf der öffentlichen Schule schlechte Erfahrungen gemacht, wurde bedroht, schwänzte, schaffte die Prüfung nicht. Für Tochter Jovanna wünscht sie sich bessere Bedingungen.

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Auch Christiane Longo ist von den öffentlichen Schulen nicht überzeugt. Die Lehrer könnten hier keine Rücksicht auf schwächere Kinder nehmen. "Dann scheitert es daran, dass wir die Nachhilfe nicht bezahlen können." Sie ist sicher: Mit ein bisschen Spaß im Unterricht kann Tochter Vanessa auch das Abitur schaffen. Skepsis gegenüber den öffentlichen Schulen ist in Berlin weit verbreitet. Jedes zehnte Schulkind besucht eine der 117 Privatschulen - die meisten allerdings in den schickeren Gegenden in Zehlendorf, Wilmersdorf und am Stadtrand, wo sich Eltern Klavierunterricht und Klassenfahrten leisten können. Und Schulgeld.

Bessere Bildungschancen für Kinder aus Hartz-IV-Familien

Das wird im Wedding anders sein. Hier leben laut statistischem Landesamt 15.622 Kinder unter 15 Jahren in Hartz-IV-Familien, das sind 64 Prozent. Sie alle müssen für die neue Privatschule nicht zahlen. Haben die Eltern einen Job, kostet der Schulbesuch nicht mehr als vorher die Kita. Trotzdem müssen für das erste Schuljahr irgendwie 300.000 Euro zusammenkommen. "Etwa die Hälfte zahlt der Staat", erläutert Döring. Fünf Prozent, so rechnen sie, könnten von den Eltern kommen. Für den Rest springen Stiftungen und engagierte Privatleute ein.

Den künftigen Schülern ist das Geld noch egal. Bessere Lehrer und keine älteren Mitschüler seien die Vorteile der neuen Schule, sagt die zwölfjährige Gamze. "Und keine Hausaufgaben." Auf die faule Haut wird sie sich trotzdem nicht legen können. Denn in ihren bisherigen Schulen haben Döring und Brunk erlebt, dass die Lehrer gar keine gute Leistung mehr erwarteten - jetzt wird sie gefordert.

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