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Lehrerpräsident kritisiert länderübergreifendes Abitur

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Start des Bundesabiturs  

Lehrerpräsident kritisiert länderübergreifendes Abitur

09.05.2014, 19:00 Uhr | Christina Sticht, dpa

Lehrerpräsident kritisiert länderübergreifendes Abitur. Schüler sitzen am 9. Mai 2014 in der Abiturprüfung für das Fach Englisch an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Roderbruch in Hannover. (Quelle: dpa)

Schüler bei der ersten Prüfung für das länderübergreifende Abitur (Quelle: dpa)

Abiturienten in sechs Bundesländern haben am Freitag erstmals über identische Prüfungsaufgaben gebrütet. Schüler in Niedersachsen, Bayern, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen mussten auf Grundlage der gleichen Texte einen eigenen Beitrag auf Englisch formulieren – doch Kritiker befürchten einen Niveauverlust und Eltern berichten von Problemen.

Auf dem Weg zum bundesweiten Zentralabitur ab dem Jahr 2017 sind sechs Länder vorgeprescht. Ihr Ziel: Mehr Vergleichbarkeit und damit mehr Chancengerechtigkeit.

"Ruhezone Abitur" steht auf einer Tafel im Flur der Integrierten Gesamtschule Roderbruch in Hannover. Die Schüler, die auf den Einlass in den Prüfungsraum warten, geben sich gelassen. "Die gemeinsame Aufgabe macht das Ganze eher leichter. Sie soll sehr vereinfacht sein, denn die Fragestellung muss auf alle Lehrpläne passen", meint die 18-jährige Laura. Schon die Deutschklausur am Dienstag sei nicht schwer gewesen, berichtet Mitschülerin Angie. "Auf das Thema waren wir gut vorbereitet."

ABITUR VEREINHEITLICHT
Braucht Deutschland ein Zentralabitur?

Mathe-Probeklausur im Dezember

Für das erste länderübergreifende Abitur gab es im Dezember 2013 bereits einen Testlauf. In Bayern hatte dabei die Mathe-Probeklausur für Ärger gesorgt. Nachdem die bayerischen Schüler schlechte Ergebnisse erzielt hatten, stellte es das Kultusministerium den Jugendlichen frei, ob sie die Klausuren werten lassen wollten oder nicht. In Niedersachsen dagegen waren die Mathelehrer mit den Ergebnissen der Testklausur zufrieden.

Die gemeinsamen Aufgaben fließen nur zu einem Bruchteil in die Gesamtnote des Abiturs ein. Das sollte auch so bleiben, meint der Tübinger Bildungsforscher Ulrich Trautwein. "Wenn die Abiturnote ausschließlich auf der Basis von länderübergreifenden Aufgaben gebildet würde, würden diejenigen Abiturienten benachteiligt, die das Pech hatten, weniger gute Schulen zu besuchen."

Lehrerpräsident befürchtet Niveauverlust beim Abitur

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, hält die bisherigen Ansprüche an Abiturienten besonders in Hamburg, Bremen und Berlin für viel zu gering. "Ich befürchte, dass sich die anspruchsvolleren Länder da etwas anpassen", sagt der Leiter eines Gymnasiums im bayerischen Vilsbiburg. Insgesamt solle man das länderübergreifende Abitur nicht überbewerten. "Da ist viel Schaufenster-Politik dabei."

Auch an der Gesamtschule in Hannover gibt es in der Lehrerschaft Vorbehalte. "Als Schreckensgespenst sehen wir ein Zentralabitur wie in Frankreich, bei dem alle an einem Tag schreiben", sagt der Leiter der Sekundarstufe II, Lutz Gecks. "Im Zuge der Zentralisierung wird der Wissensbereich verstärkt. Die Schüler müssen mehr wissen, aber können weniger."

Probleme bei unterschiedlichen Schulsystemen

Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) hatte die Initiative zum gemeinsamen Abitur als Gebot der Fairness gegenüber den Schülern und die passende Antwort auf die zunehmende Mobilität in Deutschland bezeichnet. Tatsächlich beklagen Eltern, dass etwa ein Umzug von Hamburg nach Bayern aufgrund der unterschiedlichen Schulsysteme ihre Kinder vor große Probleme stellen kann.

Die Abschlusszensur ist immens wichtig, da immer mehr Studiengänge nur Abiturienten mit einem sehr guten Notendurchschnitt offen stehen. "Die Vergleichbarkeit ist ein hohes Gut", betont der Vorsitzende des niedersächsischen Philologenverbandes, Horst Audritz. Schüler fragten sich zurecht, ob die eigene Note mehr oder weniger wert sei als in einem anderen Bundesland.

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