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Inklusion: Fall Henri löst Debatte über Inklusion aus

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Fall Henri - so denken unsere Leser  

"Ein nicht inkludierbares Kind bremst eine komplette Klasse aus"

20.05.2014, 17:37 Uhr | t-online.de

Inklusion: Fall Henri löst Debatte über Inklusion aus. Down-Syndrom-Kind Henri will mit seinen Freunden aufs Gymnasium wechseln. (Quelle: dpa)

Gute Nachrichten für Henri: Der Junge mit Down-Syndrom darf nach den Sommerferien auf eine Realschule gehen. (Quelle: dpa)

Ganz Deutschland diskutiert über Henri. Die Eltern des elfjährigen Jungen mit Down-Syndrom kämpften monatelang um seine Aufnahme an einem Gymnasium. Die Schule in Walldorf hat dies abgelehnt und ist in ihrer Entscheidung von Baden-Württembergs Kultusminister Andreas Stoch (SPD) bestätigt worden. Was kann Inklusion leisten und wo sind die Grenzen? Wir haben eine Auswahl von Kommentaren unserer Leser zusammengestellt. Darin spiegelt sich die Bandbreite der Meinungen und Erfahrungen mit gemeinsamem Unterricht für Kinder mit und ohne Behinderung.

Ein gemeinsamer Nenner ist, dass für jedes Kind mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung eine individuelle Entscheidung getroffen werden sollte. Aus Erfahrungsberichten lässt sich herauslesen, dass das Gelingen von Inklusion stark davon abhängt, wie gut eine Schule darauf personell und organisatorisch eingestellt ist. Einige Eltern behinderter Kinder äußern sich skeptisch zum Unterricht an Regelschulen und machen sich für Förderschulen stark, andere berichten von positiven Auswirkungen auf das Sozialverhalten aller Schüler. Bei Kritikern überwiegt die Befürchtung, der Lernfortschritt der Klasse könne "behindert" werden.

Erfahrungen von Eltern behinderter Kinder

wp2010: Ich bin Mutter eines vierjährigen körperbehinderten Kindes. Meines Erachtens sollte immer von Fall zu Fall entschieden werden. Natürlich würde ich mir wünschen, dass mein Kind die Regelschule besucht, denn geistig ist es total fit. Aber nicht für jedes Kind ist das der richtige Weg, zumal die Schulen für Inklusion noch gar nicht vernünftig ausgestattet sind. Und die Lehrer schon gar nicht! Also, bitte nicht übers Knie brechen. Und die Förderschulen nicht vergessen.

UMFRAGE
Wird in Deutschland genug für die Inklusion von Behinderten unternommen?

Connie R.: Im Fall meiner Tochter hatten wir Glück: 22 Schüler, davon acht Förderschüler, mit einer Hauptschullehrerin, einer pädagogischen Mitarbeiterin und einem Einzelfallhelfer für einen Rolli-Fahrer. Alle gemeinsam im Unterricht in einer Klasse. Für die Förderschüler gibt es zusätzliche Förderungen je nach Bedarf. Die Klasse ist ein Kollektiv. Keiner wir ausgegrenzt und es gibt große Hilfsbereitschaft der Hauptschüler gegenüber den Förderschülern.

Brigitte: Ich kann diese Mutter nicht verstehen. Ich habe selbst einen behinderten Sohn und kann sehr gut nachvollziehen was es heißt, ein Kind zu überfordern. Ich nehme mein Kind mit all seinen Fähigkeiten an, indem ich es in der Geschwindigkeit gedeihen lasse, wie es für das Kind als Mensch und Seele möglich ist. Unser Sohn ist für uns ein Kraftpaket, weil wir ihn so sein lassen, wie es seine Natur vorgibt. Ich könnte nicht mit dem Gedanken leben, das über 20 Schüler in der Schule immer wieder wegen ihm im Lernen "behindert" werden, und der Stoff ist schwer und viel, das kennen wir von unserem anderen Sohn.

Schnucky: Unsere elfjährige Tochter ist geistig behindert und besucht eine Förderschule mit Schwerpunkt "geistige Entwicklung". Wir sind jeden Tag dankbar und glücklich, dass es diese Schule gibt. Unsere Tochter liebt ihre Schule und freut sich seit fünf Jahren täglich aufs Neue. Ich denke, es ist das Wichtigste, dass das Kind glücklich ist. Ich denke, dass man seine Kinder nicht mit aller Gewalt in ein Schulsystem zwingen muss, nur damit man später sagen kann, das Kind habe ein Gymnasium besucht.

bianca78: Wichtig ist, das Eltern genau darüber nachdenken ob sie es für sich oder für ihr Kind tun. Ich bin auch Mutter zweier Kinder mit Behinderung und ich finde, es gibt genug andere Möglichkeiten, Kinder mit Behinderung mit anderen Kindern zu integrieren, zum Beispiel Sport. Aber ich muss mein Kind nicht in eine Schule geben, wo ihm jeden Tag aufs Neue gezeigt wird, das es anders ist, beziehungsweise nicht so gut ist wie die anderen. Denn das schadet dem Kind gewaltig.

Siobhan K.: Man hört immer wieder von Downies wie Carina Kühne. Und was diese Menschen leisten, ist einfach nur toll. Aber: Man kann doch nicht von Einzelfällen auf die Gesamtheit schließen. Ich habe eine geistig behinderte Pflegetochter, die die ersten vier Schuljahre entgegen meiner Überzeugung auf einer Regelschule verbringen musste, in einer Integrationsklasse mit über 25 Kindern! Was diesem Kind dort angetan wurde, ist unbeschreiblich. [...] Nach vier Jahren der andauernden Erniedrigung durfte sie endlich auf eine Schule für geistige Entwicklung wechseln. Nach sechs Wochen hielt mir ihre Klassenlehrerin eine Standpauke, wieso ich dieses Kind nicht schon viel eher dorthin gebracht hatte. Sie wüsste nicht, ob dieses Mädchen jemals wieder Vertrauen in Lehrkräfte aber vor allen Dingen in sich selbst aufbauen könne. Es sei überhaupt kein Selbstbewusstsein vorhanden.

Von Fall zu Fall entscheiden

Prowler: Ich kann mir nicht vorstellen, dass jedem behinderten Kind auf jeder pisa-gehetzten Regelschule die notwendige Förderung widerfahren wird. Das ist schon bei "gesunden" Kindern selten der Fall. Inklusion sollte immer am Einzelfall entschieden werden. Das System, so gut es gemeint sein mag, ist überfordert mit den Anspruchshaltungen.

Sheeni: So lange an vielen Schulen Legasthenie und Dyskalkulie nicht mal berücksichtigt werden, halte ich es für ein Abenteuer, Kinder mit Down-Syndrom einem Inklusionswahnsinn auszusetzen. Das ist tatsächlich Profilierungssucht.

Kritik an "egoistischen Eltern"

juergen_roehling: Mir tut der kleine Henri leid. Seine Mutter führt auf seinem Rücken eine Kampagne durch, die stark egoistische Züge trägt. Ich glaube nicht, dass sie immer noch das Beste für ihren Sohn will. Ich glaube sie will jetzt einfach nur noch Recht bekommen. Die Begründung, "mein Sohn soll weiterhin mit seinen Freunden zusammen sein", ist doch Blödsinn. Wie lange würde denn diese Freundschaft tatsächlich noch halten?

silverwings: Wenn ein Kind die gymnasialen Anforderungen nicht erfüllt, unabhängig davon, ob es normal begabt ist oder nur eingeschränkt begabt ist, ist es dort fehl am Platz. Alles andere hat nur etwas mit dem Ehrgeiz der Eltern zu tun, die die eingeschränkten Fähigkeiten nicht wahr haben wollen.

Ichweissalles: Inklusion ja, aber nicht mit Gewalt, sondern mit Plan und Bedacht - und vor allem zum Wohl des Kindes und nicht zur Befriedigung der Vorstellung der Eltern!

Kontra Inklusion

peter-quercher: Nicht inkludieren bedeutet ja nicht automatisch ausgrenzen. Im Gegenteil: Nicht inkludieren bedeutet, den besonderen Umständen Rechnung tragen, anstatt Zwänge auszuüben. Das ist doch auch bei den sogenannten Hochbegabtenzügen auf den Gymnasien zu sehen. Also weg vom - völlig unnötigerweise - negativ besetzten Begriff der Sonderschule, hin zur "Schule für besondere Kinder". Das sind sie nämlich: besondere kleine, liebenswerte Menschen, denen man mit der Inklusion weder als Eltern noch als Lehrer oder Politiker einen Gefallen tut.

Presi: Unser Schulsystem ist auf die Fähigkeiten und Begabungen der Kinder ausgerichtet und sollte es auch sein. Es gibt insofern kein Recht auf das Gymnasium für Jedermann, sondern ein Recht auf spezifische Förderung. Was soll das dem Kind bringen, wenn es völlig überfordert, aber bestens inkludiert im Gymnasium sitzt? Nichts! Ein überfordertes oder nicht inkludierbares Kind bremst eine komplette Klasse aus, überfordert die ohnehin überforderten Lehrer. Es ist das Diktat der Minderheiten.

GeLuth: Ich möchte sogar soweit gehen und behaupten, dass die Inklusion den Wirtschafts- und Bildungsstandort Deutschland massiv im Grundsatz gefährdet. Ich war grundsätzlich positiv zum Thema eingestellt, musste aber erkennen, dass die gesunden Kinder darunter leiden. Mittlerweile halte ich es für einen Bildungswahnsinn. Ich will als Elternteil gesunder Kinder nicht für die Probleme kranker Kinder einstehen.

Pro Inklusion

Astralfire: Kinder mit Behinderung sind nicht krank, sie brauchen keine Therapie. Sie brauchen Akzeptanz. Wenn ein behindertes Kind - wobei ich den Begriff "behindert" gar nicht mag - die geforderte Eignung für eine weiterführende Schule erbringt, sollte dem Kind auch die Möglichkeit gegeben werden, genauso frei zu wählen wie jedes so genannte nichtbehinderte Kind.

BobI: Wer das Wort "Inklusionswahnsinn" in den Mund nimmt, sollte sich schämen! Behinderte sind Menschen und haben das Recht, wie solche behandelt zu werden. Somit gelten für behinderte Menschen alle Bürgerrechte (Grundgesetz). Hiermit verbunden ist selbstverständlich auch der Besuch einer Regelschule.

Singinstubenfliege: Als Mutter eines behinderten Kindes bin ich entsetzt über einige Äußerungen. Ich empfehle ein freiwilliges Jahr als Assistent in Kindergärten und Schulen, sowohl mit, als auch ohne Inklusion. Ich bin froh, das die heutigen Kinder endlich miteinander aufwachsen und nicht wie früher, als Behinderte aus Scham versteckt wurden und keine Chance hatten, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

AlexisM: Einer der wichtigsten Punkte für die Inklusion: Manch gesundes Kind wird reflektieren, in welch glücklicher und privilegierter Situation es eigentlich ist. Dass Gesundheit nichts Selbstverständliches ist. Dass Rücksichtnahme gegenüber Schwächeren wichtig für die Erlangung persönlicher Reife ist. Und vielleicht auch, dass es Schlimmeres als den Liebeskummer mit 13 gibt.

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