Startseite
Sie sind hier: Home > Eltern > Schulkind >

Schule: CDU-Politiker fordern 35-Stunden-Woche für Schüler

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Zum Schutz vor Burnout  

CDU-Politiker fordern 35-Stunden-Woche für Schüler

16.06.2014, 12:08 Uhr | tze, t-online.de, dpa-AFX

Schule: CDU-Politiker fordern 35-Stunden-Woche für Schüler . Schüler: Mehr Lernstoff in kürzerer Zeit einpauken - G8 setzt Schüler unter Leistungsdruck.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Mehr Lernstoff in kürzerer Zeit einpauken - G8 erhöht den Zeit- und Leistungsdruck. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Erst galten Deutschlands Schüler als zu leistungsschwach im internationalen Vergleich, jetzt gelten sie als überlastet. Wenige Jahre nach der Einführung des Turbo-Abis nach acht Jahren Gymnasium kehrt das alte G9-System als Wahlmöglichkeit zurück, und Abgeordnete der CDU fordern eine 35-Stunden-Woche für Schüler, um sie vom Leistungsdruck zu entlasten. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, hält diese Forderung für übertrieben.

Laut einer Meldung der "Bild"-Zeitung befürwortete der familienpolitische Sprecher der CDU-/CSU-Bundestagsfraktion, Marcus Weinberg, die Einführung der 35-Stunden-Woche als Obergrenze. "Schüler lernen bis zu 45 Stunden in der Woche, mehr als viele Erwachsene arbeiten. Ich trete für eine maximale 35-Stunden-Woche ein", sagte Weinberg. Damit sollten die Jugendlichen vor Burnout und Stress geschützt werden.

"Schüler dürfen nicht mehr arbeiten als Erwachsene"

Auch der CDU-Familienpolitiker Martin Patzelt sprach sich für diese Begrenzung von Unterrichtsstunden und Lernzeiten aus. "Schüler dürften nicht mehr arbeiten als Erwachsene, weil ihre Leistungsfähigkeit auch an die Möglichkeit zu freiem Spiel und zu sozialen Kontakten gebunden ist", sagte der Abgeordnete.

UMFRAGE
Sollte für Schüler eine 35-Stunden-Woche gelten?

Schularbeit ist nicht nur Unterricht

Wie viele reine Unterrichtsstunden Schüler pro Woche haben, hängt von Klassenstufe, Schulform und Bundesland ab. Diese Stundentafeln werden von den Kultusministerien festgelegt. Zur Arbeitszeit von Schülern zählen aber neben dem Unterricht natürlich auch noch Hausaufgaben, beziehungsweise selbst organisierte Lernzeiten in der Schule, Erstellen von Präsentationen, Vokabeln pauken, Prüfungsvorbereitungen und gegebenenfalls Nachhilfestunden.

Richtwerte für Unterrichtsstunden pro Woche

Mit der Föderalismusreform von 2006 und der Einführung eines Kooperationsverbotes von Bund und Ländern in der Bildung hat der Bund jedwede Gestaltungsmöglichkeit in der Schulpolitik aufgeben. In mehreren Bundesländern im Westen kämpfen derzeit Elterninitiativen für eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium, damit den Schülern mehr Freiraum für außerschulische Aktivitäten bleibt.

Nach einer Vereinbarung der Kultusministerkonferenz müssen von der fünften Klasse an bis zum Abitur 265 Unterrichts-Wochenstunden erteilt werden. Bei einem achtjährigen Bildungsgang (G8) entspricht dies im Schnitt 33,1 Unterrichtsstunden - von je 45 Minuten - pro Woche, bei einem neunjährigen Bildungsgang (G9) 29,4. Zwischen den neunten und elften Jahrgangsklassen werden diese Werte jedoch häufig überschritten.

Lehrerpräsident: 45 Stunden sind übertrieben

"Davon halte ich überhaupt nichts", kommentiert der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, auf Anfrage von t-online.de die 35-Stunden-Forderung der CDU-Politiker. Dass Schüler tatsächlich 45 Stunden pro Woche für die Schule aufbringen müssen, hält der Lehrer für "zu hoch gegriffen".

Er rechnet vor, dass Zehntklässler im Durchschnitt 35 Schulstunden pro Woche haben, was rund 26 Zeitstunden zu 60 Minuten entspricht. Davon ausgehend, dass von montags bis donnerstags noch zwei Stunden Hausaufgaben oder Lernzeit hinzukämen - "am Wochenende passiert erfahrungsgemäß sowieso nicht viel" - ergebe das rund 34 Stunden pro Woche.

Schüler nicht zu sehr verwöhnen

Es sei individuell unterschiedlich, wie viel Zeit ein Schüler benötigt, sich den Lernstoff anzueignen. Es gebe "Überflieger", die gut und schnell zurechtkämen, während andere länger brauchten, um mitzukommen. Wenn ein Schüler 45 Stunden pro Woche allein für die Schule beschäftigt sei, müsse man überlegen, ob er auf der passenden Schullaufbahn sei, gibt Kraus zu bedenken.

"Wir müssen in der deutschen Schulpolitik aufpassen, dass wir nicht zu sehr auf Erleichterung, Gefälligkeit und Verwöhnung setzen", mahnt der Lehrerpräsident.

Weinberg: Für Leistung, gegen Stress

Schulstunden oder Zeitstunden - die Unterscheidung ist wichtig, wenn von einer 35-Stunden-Woche die Rede ist. Da es im Kern um Schulstunden in 45-Minuten-Einheiten geht, liegen die Positionen von Weinberg und Kraus gar nicht so weit auseinander.

Auf Nachfrage von t-online.de erläuterte Weinberg: "Ich fordere auch ganz klar von den Schülern Leistung. Auch deswegen sehe ich keinen Widerspruch zwischen meiner Forderung nach einer Begrenzung der maximalen Stundenzahl pro Woche für Schüler auf 35 Stunden und einem Beibehalten des G8-Systems. Für mich gilt: Leistung - ja. Stress - nein."

"Bei einer Obergrenze von 35 (Schul-)Stunden pro Woche bleibt Schülern, neben ausreichend Zeit zur Erholung, auch Zeit für weitere Aktivitäten, wie Musik, Sport und Ehrenamt, die ebenfalls eine Form der Bildung darstellen."

Weinberg verweist auf Studien, denen zufolge sich mehr als 40 Prozent der Jugendlichen mehrmals die Woche erschöpft fühlten und fast jedes fünfte Kind zwischen sieben und 13 Jahren unter emotionalen Problemen litten.

"Vorsichtige Entzerrung der Lehrpläne"

Der Politiker regt an, die Arbeitslast gleichmäßiger über die Schulwoche und über das Schuljahr zu verteilen, um Belastungsspitzen zu vermeiden. Dies könne durch "vorsichtige Planung und Entzerrung der Lehrpläne gelingen". Dadurch könne auch die Umstellung von G9 auf G8 erleichtert werden.

Sie finden uns auch auf Facebook - jetzt Fan unserer "Eltern-Welt" werden und mitdiskutieren!

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Wir bitten um Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Straßenlaterne rettet Leben 
Junge Frau hat das Glück ihres Lebens

An einer Kreuzung stoßen zwei Autos zusammen. Ein Peugeot verliert die Kontrolle, rast auf den Bürgersteig zu. Eine Straßenlaterne rettet einer jungen Passantin das Leben. Video

Anzeige

Shopping
Shopping
Jetzt EntertainTV Plus bestellen und 1 Jahr sparen!

EntertainTV Plus 1 Jahr statt 14,95 € für 4,95 €* mtl. sichern. www.telekom.de Shopping

tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal