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37 Grad: Deshalb scheitern viele begabte Jungs in der Schule

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ZDF-Doku "37 Grad"  

Vom Überflieger zum Versager: Deshalb scheitern viele begabte Jungs in der Schule

26.08.2014, 21:34 Uhr | tze

37 Grad: Deshalb scheitern viele begabte Jungs in der Schule. 37 Grad: "Schlaue Jungs in Not" (Quelle: ZDF/Katrin Wegner)

"Ich hab ziemlich oft Sachen vergeigt", sagt der 17-jährige Philipp. Der einstige Musterschüler rutschte vom Gymnasium auf die Hauptschule ab. (Quelle: ZDF/Katrin Wegner)

Jungen gelten als Bildungsverlierer der Gesellschaft. Diese These hinterfragte die TV-Doku "Schlaue Jungs in Not" aus der ZDF-Reihe "37 Grad". Die TV-Autorin Katrin Wegner hat drei Jungen ein halbes Jahr lang begleitet. Liegt ihr Scheitern in der Schule am Leistungsdruck, an falscher Erziehung, an fehlenden männlichen Vorbildern, an exzessivem Medienkonsum? Eine Lehrerin liefert eine überraschende Erklärung.

Philipp wird vom Überflieger zum Leistungsverweigerer

Die Schullaufbahn des 17-jährigen Philipp ist eine steile Abwärtskarriere vom Überflieger zum Leistungsverweigerer. In der Grundschule gehörte er zu den Besten und wechselte mit einem Einserzeugnis aufs Gymnasium. Dort verpuffte seine Motivation. Philipp arbeitete nicht mit, schwänzte, flog vom Gymnasium und landete auf der Hauptschule, wo sein Abschluss auf der Kippe steht. "Ich habe ziemlich oft Sachen vergeigt." So viel ist ihm klar. Woran es mangelt ist die Einsicht, dass ein fehlender Schulabschluss den weiteren Lebensweg erschwert. Ein Dach über dem Kopf und Essen, mehr braucht man nicht, meint er.

Jannes letzte Chance ist die "Optimiererklasse"

Der 15-Jährige Jannes ist ebenfalls vom Gymnasium verwiesen worden weil er nicht mehr mitarbeitete, den Unterricht störte und immer häufiger schwänzte. Um die damalige Situation in der Schule und Zuhause aus seiner Perspektive zu beschreiben, fallen ihm nur derbe Kraftausdrücke ein. Das Jugendamt schickt den Jugendlichen auf ein Internat. Jannes verfügt über ein außergewöhnliches mathematisches Denkvermögen, aber er hat dicht gemacht. Im Internat besucht er eine "Optimiererklasse", die Schülern wie ihm - es sind überwiegend Jungen - auf die Sprünge helfen soll.

Jakob ist hochbegabt und verhaltensauffällig

Jakob hat sich schon als Grundschüler mehr für höhere Physik als für die Arbeitsblätter seiner Jahrgangsstufe interessiert. Der Zwölfjährige gilt als verhaltensauffällig und ungeeignet für die Regelschule. "Ich werde sehr oft sauer. Ich schaffe es gerade noch, niemandem weh zu tun", sagt er über sich selbst. Auch er hat eine neue Chance in einer Schule bekommen, die sich auf Kinder eingestellt hat, die hochintelligent sind, aber sich jeglichem Leistungsdruck verweigern. "Ganz schön schlau, aber..." heißt das Projekt, das vom Christlichen Jugenddorfwerk Deutschland initiiert wurde.

Lähmt steigender Leistungsdruck die Schüler?

Schon jeder dritte Grundschüler leide unter Schulstress, heißt es in dem TV-Beitrag. Zudem verweisen Experten darauf, dass sich die Zahl der ADHS-Diagnosen gegen Ende der Grundschulzeit häuft, wenn es darum geht, ob das Kind den Sprung aufs Gymnasium schafft. Leistungsdruck scheint bei Jakob nicht das Hauptproblem zu sein. Seine Eltern haben den Druck herausgenommen, das Thema Schule wird ausgeblendet. Dennoch kommt Jakob auch in der Projektklasse nicht viel besser voran.

Sind alleinerziehende Mütter überfordert?

Jannes Mutter ist alleinerziehend. Seinen Vater sieht er nur selten, und dann bricht schnell Streit aus. Die alleinige Verantwortung überfordert die Mutter. Sie hat Schwierigkeiten, den richtigen Weg zwischen Fürsorge und Autorität zu finden, und den Jungen zu Selbständigkeit zu erziehen. In der Grundschule trug sie ihm vergessene Hefte hinterher und half bei den Hausaufgaben mit. "Ich hätte vielleicht strenger sein müssen", räumt sie ein, "aber ich will ja nicht immer die Bestraferrolle spielen." Die Lage hat sich entspannt, als andere die Erziehung übernahmen. "Ich fand die Idee mit dem Internat eigentlich gut", sagt der 15-Jährige. Die Regeln und der klar strukturierte Ablauf geben ihm Halt.

Väter taugen nicht immer als Rollenvorbilder

Stimmt also die Behauptung, dass den Jungen die männliche Komponente in der Erziehung fehlt, weil Mütter, Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen den Bildungsweg prägen? Die drei Fälle aus der aus "37-Grad-Reportage" zeigen, dass es keine allgemeingültigen Erklärungsmuster gibt.

Auch Philipp ist ein alleinerzogenes Kind, er lebt beim Vater. Zwischen ihnen gibt es nicht viel Verbindendes. Als Philipp in die Pubertät kommt, verliert der Vater endgültig den Zugang. Dass der 17-Jährige die Schule schwänzt, schlechte Noten schreibt und viele Stunden mit der Spielkonsole verbringt, nimmt er resigniert zur Kenntnis. Er ist ein wortkarger Mann, der seine Gefühle nicht nach außen dringen lässt - nicht einmal, als er noch Grund hatte, stolz auf seinen Sohn zu sein. "Ich dachte, der weiß das schon."

Der Vater ist präsent, aber für den Jungen kein Vorbild. Ihm fehlt ein Mensch, der nicht nur Härte zeigt, sondern auch redet und zuhört. Den besseren Draht zu ihm findet schließlich ein Lehrer. "Entscheidend ist, eine Beziehung zum Schüler aufzubauen, und zwar nicht über die üblichen Sozialarbeitergespräche", erklärt er in dem TV-Beitrag.

Verhaltensauffällige Jungs, angepasste Mädchen

Jakob dagegen lebt in einer gut situierten Familie mit beiden Elternteilen, einem Bruder und zwei Schwestern. Auch Jakobs Bruder hat außergewöhnliche Begabungen, tanzt aber oft aus der Reihe und fügt sich nicht in Regeln. Die kurzen Szenen aus dem Familienalltag vermitteln allerdings den Eindruck, dass die Eltern es mit den Regeln nicht allzu eng sehen und dies ein Teil der Schulprobleme ist.

Jakobs Mutter beobachtet an ihren Söhnen und Töchtern bestimmter Rollenmuster: "Die Mädchen kämpfen nicht so. Sie sind pragmatischer und unauffälliger, während die Jungs mehr mit sich hadern."

Fakt ist, dass Verhaltensauffälligkeiten bei Jungen häufiger diagnostiziert werden als bei Mädchen. Skeptiker halten dagegen, dass lebhafte Jungen mit viel Bewegungsdrang vorschnell als unnormal abgestempelt werden, wenn sie den Unterricht stören. Das spricht dafür, dass Jungen zum Opfer der Rollenklischees werden, die die Gesellschaft ihnen zuschreibt.

Pädagogin: Jungen durchdenken nicht die Folgen ihres Handelns

Warum gelingt es Jungen schlechter als Mädchen, ihr Potenzial in der Schule zu entfalten? Die Pädagogin Ursula Hellert, Leiterin des Christlichen Jugenddorfwerks Deutschlands in Braunschweig (CJD), liefert in der Reportage eine Erklärung: "Jungen haben es schwerer, Kausalitäten herzustellen zwischen dem, was sie tun und dem, was passiert." Bei Mädchen seien Vorstellungskraft und Anpassungsfähigkeit stärker ausgeprägt. Schüler mit viel versprechenden Begabungen scheiterten nach der Grundschule oft an Anforderungen des Gymnasiums: Organisationsfähigkeit und systematisches Lernen.

Den Jungen fehle heute der Spielraum, um ihre Stärken zu entwickeln, aber auch ihre Grenzen zu erkennen. Ebenso wichtig seien verlässliche Bezugspersonen im Schulalltag, die ihnen dies ermöglichen.

Zum Unterricht an Jakobs Schule gibt es Verhaltenstraining, bei dem die Schüler lernen, Verantwortung zu übernehmen, ihre Aufgaben besser zu organisieren und selbstgesteckte Ziele zu erreichen. "Jakob muss akzeptieren, dass das Leben Bedingungen hat", sagt seine Lehrerin den Eltern. Die spürbare Konsequenz ist schließlich, dass Jakob nicht versetzt wird.

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