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Elternabend an Schulen  

Ungeliebt und unterschätzt: der Elternabend

16.09.2014, 16:38 Uhr | Maria M. Held, t-online.de

Elternabend an Schulen. Elternabend in der Schule: Hier müssen Mama und Papa nachsitzen.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Elternabend in der Schule: Hier müssen Mama und Papa nachsitzen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Sitzkreise im Mehrzweckraum, Erwachsene auf Kinderstühlen, Eltern hinter Schulpulten: Es ist wieder Saison für Elternabende in den Klassenzimmern der Republik. Zwei Stunden voller Information und Diskussion, quer durch deutsche Klassenzimmer, quer durch alle Eltern- und Lehrertypen, bis der Hausmeister mit dem großen Schlüsselbund rasselt und selbst das tiefschürfendste pädagogische Gespräch beendet.

Mindestens eine Mutter, deren Handy mit einem albernen Klingelton losgeht und endlos klingelt, weil sie es in der riesigen Handtasche nicht findet, das frisch getrennte Elternpaar, das sich demonstrativ weit auseinandersetzt und den Wettstreit "ich bin der bessere Elternteil" austrägt, die Mutter mit dem erwachsenen Sohn, der ihr dolmetscht, der Vater, der als pensionierter Lehrer auch mal was dazu sagen muss, die Mutter, die betont, dass ihr Kind hochbegabt ist - diese Typen gehören in jede Klasse. Schüchterne Eltern, abwartende, engagierte, sorgenvolle und gut informierte, Motzer, Selbstdarsteller und Schüchterne. Man könnte ein Quiz veranstalten: Welches Kind gehört zu welchen Eltern? Zu spielen, wenn nach der Begrüßung durch den Klassenlehrer und den Ausführungen der Elternvertreter, Diskussion und Gedanken abschweifen.

Ablauf und Zusammensetzung ändern sich bis zur Oberstufe nur unwesentlich. Meist plätschert das Treffen dahin und zieht sich in die Länge, mal prallen Fronten unversöhnlich aufeinander und manchmal steigert es sich zum handfesten Krisengipfel.

UMFRAGE: ELTERNABEND
Wie finden Sie Elternabende an Schulen?

180 Stunden in 72 Elternabenden

Wir sind durch, die Kinder sind fast aus der Schule. Dann werde ich wohl etwa 180 Stunden auf diese Weise zugebracht haben, an 72 Elternabenden, geht man bei zwölf Schuljahren von je drei Terminen pro Kind aus, von denen ich natürlich keinen geschwänzt habe.

Wir müssen uns nicht mehr damit plagen, welche Wachsmalkreiden eingesetzt werden, welches Schreiblern-Konzept gerade unter Pädagogen angesagt ist, ob außer Vollkornkeksen auch anderes am Kindergeburtstag verteilt werden darf und ob Handys in Kinderhänden auf dem Schulgelände absolutes No-go oder doch inzwischen zeitgemäß sind.

Quälender Vergleich: ich bin eine Rabenmutter

Keine quälenden Vergleiche mehr mit andern Müttern, gegen die man sich wie eine schlechtinformierte, unengagierte Rabenmutter fühlt. keine Diskussionen mehr, ob der Klassenausflug in den Freizeitpark oder ins Museum führen soll. Ob im Unterricht getrunken werden darf oder nur in den Pausen und wenn ja, nur Wasser oder auch gezuckerte Getränke? Wird im Klassenraum genügend gelüftet? Was tun bei Läusealarm? Sind die Toiletten sauber? Welche Bücher gelesen werden und wie weit Aufklärungsunterricht gehen darf?

Keine Diskussionen über die Schulkantine und deren Wucherpreise für schlechte Kost, über Projektwochen für die noch "freiwillige" Eltern mit tollen Angeboten gesucht werden, Schulsanierungen und Mobbing, über zu viele ausfallenden Stunden, Klassenfeiern, Hochbegabung und Hyperaktivität, darüber, wer den Schulgarten pflegt, der inzwischen wieder in seinen Dornröschenschlaf versinkt, wie man selbst bei manchem dieser endlosen Abende. Irgendwann ist es den Kindern peinlich, dass ihre Eltern sich mit den Lehrern treffen, um über die Kinder zu lästern.

Beim letzten Elternabend verabschiedete sich der Lehrer in die Elternzeit und rief uns zu: "Wir sehen uns bei der Abiturfeier ihrer Kinder!" Ein mulmiges Gefühl schleicht sich ein. Der letzte Elternabend bedeutet auch, dass die Kinder flügge werden.

Der Elternabend ist nur noch eine Erinnerung, die sich jedoch tief in das Mutterherz eingegraben hat. Allem voran die grausamen Minuten, bis sich endlich einer erbarmt, als Elternsprecher zu kandidieren - die Bereitschaft sinkt, je älter die Kinder werden. Ausnahmen sind manche Privatschulen, an denen es einen regelrechten Wahlkampf um das Prestige-Amt gibt.

Eltern werden solidarisch

Trotzdem war es wichtig, sich gemeinsam aufzuregen, Kuchen für Feste zu backen, Laternen zu basteln, Unkraut zu jäten, Ausflüge zu begleiten, Schulwände zu streichen, eben solidarisch für die Kinder da zu sein.

Dass keiner der Eltern mit seinem Aktionismus etwas ändert, ist im Rückblick frustrierend, wird von manchen Lehrern schon beim ersten Treffen angedeutet und von keinem geglaubt. Jede neue Generation von Eltern versucht es wieder. Elternabende sind ein wichtiges Instrument der Mitbestimmung und der Informationsweitergabe - oft unterschätzt und belächelt und doch gehören sie als Bindeglied zur Welt der Kinder unbedingt dazu

Junge Referendare greifen begeistert Anregungen der Eltern auf, ihre älteren Kollegen wissen, dass das Engagement bald verpufft, sie bleiben cool, warten die erste Welle ab - und machen ihr eigenes Ding.

Buchtipp: "Schlachtfeld Elternabend"

In dem Buch "Schlachtfeld Elternabend" charakterisieren die Autorinnen Bettina Schuler und Anja Koeseling das Ereignis und seine Protagonisten aus Eltern- und Lehrersicht, es geht um "Helden und Schurken". In ihrer Lehrer-Typologie gibt es Frau Nett, Herrn Hawking, den Feldwebel, Frau Öko, den altgedienten Herrn Oberstudienrat und den enthusiastischen Referendar Herrn Tschakka. Ihnen gegenüber sitzen Vorstadteltern, Helikopter-Eltern, Althippies, Alleinerziehende, Chantal-Eltern und Lehrer-Eltern.

Das Buch fasst charmant Klischees und Erfahrungen aus dem Schulalltag zusammen. Die Autorinnen haben Erfahrung, denn "15 Tage und Nächte meines Lebens verbringe ich also anstatt mit meinen Freundinnen, im Bett oder auf den Malediven in miefigen Klassenzimmern auf wackeligen Stühlen" schreibt eine der Verfasserinnen, die selbst vier Kinder hat.

Buchtipp: "Schlachtfeld Elternabend" von Bettina Schuler/Anja Koeseling.

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