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"37 Grad"-Reportage: "Unser ziemlich bestes Leben"

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"37 Grad"-Reportage  

Leben mit Behinderung: "Entweder man akzeptiert es oder man stirbt daran"

07.10.2014, 16:47 Uhr | rev, t-online.de

"37 Grad"-Reportage: "Unser ziemlich bestes Leben". Mit Unterstützung von Freundinnen und ihrer Familie kann Victoria (rechts) am Leben teilhaben. (Quelle: ZDF / Michael Petsch)

Mit Unterstützung von Freundinnen und ihrer Familie kann Victoria (rechts) am Leben teilhaben. (Quelle: ZDF / Michael Petsch)

Bis vor 50 Jahren wurden behinderte Kinder in Deutschland hingenommen, aber nicht angenommen. Der Gedanke, diese Kinder zu fördern, entstand erst nach dem Contergan-Skandal Anfang der 60er Jahre und mit der Gründung der Initiative "Aktion Mensch" 1964. Seitdem sind zahlreiche Einrichtungen entstanden, die es Behinderten ermöglichen sollen, ein eigenständiges Leben zu führen. Die "37 Grad"-Reportage "Unser ziemlich bestes Leben" zeigt, mit welchen Problemen Betroffene und ihre Familien jedoch bis heute kämpfen.

"Mama, Mama, es ist alles ganz dunkel!" Mit diesen Worten weckte Victoria vor drei Jahren ihre Mutter. "Ich sehe gar nichts mehr, es ist nichts mehr da." Vicky, wie sie genannt wird, kam mit einem angeborenen Grauen Star zur Welt. Kurz nach einem Sportunfall erblindete sie von einem auf den anderen Tag komplett. ZDF-Reporter haben die heute 15-Jährige in ihrem Alltag begleitet.

Akzeptieren oder aufgeben

Beobachtet man Vicky, wie sie sich in der Wohnung ihrer Familie bewegt, vermutet man kaum, dass das Mädchen blind ist. In diesen Szenen des Films bewegt sie sich routiniert durch die Räume, kommuniziert mit ihren vier Geschwistern, findet sich perfekt zurecht. Hier ist sie voll ins alltägliche Leben integriert. Resignation gibt es in der Familie, in der kürzlich der Vater verstarb und eine Adoptivschwester von Vicky das Down-Syndrom hat, nicht: "Mama hat gesagt, entweder man akzeptiert es so oder man stirbt daran", berichtet Vicky.

Auch außerhalb der eigenen vier Wände meistert sie ihre schwierige Lage beachtlich. Doch eigenständig ist sie nicht. Vicky ist auf die Unterstützung ihrer Geschwister, Freundinnen und natürlich ihrer jetzt alleinerziehenden Mutter Astrid angewiesen. Sie besucht eine Regelschule, wo ihr eine Lehrerin für blinde Menschen sowie eine Integrationshelferin zur Seite gestellt werden.

Yves hat Down-Syndrom und lebt in einer WG

Die zweite Geschichte, die das ZDF erzählt, ist die des 20-jährigen Yves. Er hat das Down-Syndrom und leidet an einer Sprachbehinderung. Obwohl er dadurch stark eingeschränkt ist, verlässt er seine Eltern und zieht in eine WG in Bad Kreuznach. Dort lebt er - tagsüber betreut - zusammen mit fünf anderen geistig behinderten jungen Menschen. Sie lernen in der WG, was es bedeutet sich um einen Haushalt zu kümmern, Einkäufe zu machen, zur Arbeit zu gehen, die eigene Freizeit zu planen.

Yves Eltern wissen, dass ihr Sohn niemals völlig selbstständig leben wird. Doch ihnen ist auch klar, dass er es nur dann überhaupt in einem gewissen Maße lernen kann, wenn er sich ein Stück weit von ihnen abnabelt.

Eigenständig leben statt nur zu überleben

Darum geht es in der Reportage: um den Wunsch nach einem eigenständigen Leben trotz Behinderung. Alte Aufnahmen und Erfahrungsberichte dokumentieren, dass behinderte Kinder in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gepflegt wurden. Es wurde in den meisten Fällen dafür gesorgt, dass sie am Leben bleiben. Die Chance an der Gesellschaft teilzuhaben und sich eine Zukunft aufzubauen, haben Kinder und Jugendliche mit einem solchen Schicksal aber nicht immer erhalten.

UMFRAGE
Werden behinderte Menschen in Deutschland genug unterstützt?

Doch "37 Grad" zeigt auch eindrücklich, welche Hürden die Kinder und Familien auf dem Weg zu mehr Selbstständigkeit nehmen müssen: Um für Vicky einen Platz in einem Internat für Sehbehinderte zu bekommen und all die andere Unterstützung zu erreichen, bedurfte es gewaltiger Kämpfe mit Behörden, mit Genehmigungen und Gutachten. Finanzielle Fragen, Personalmangel in den Pflegeberufen, die Abschaffung des Zivildienstes werden als weitere Probleme für Behinderte und ihre Angehörige von den Filmautoren angerissen.

Wenn Eltern sich für ihre Kinder opfern

Die größte Last tragen in Fällen wie denen von Vicky und Yves jedoch die Eltern, zeitlich wie auch emotional. Besonders Vickys Mutter Astrid steht immer wieder an der Grenze ihrer Belastbarkeit. Nach dem Tod ihres Mannes muss sie die ganze Verantwortung allein tragen: "Es gibt Momente, in denen ich denke, am liebsten würde ich jetzt aufgeben." Aber sie hat gelernt damit umzugehen. Sie verdränge viel und nehme sich ihre Auszeiten. "Ich will die Zukunftsziele und Wünsche der Kinder ermöglichen."

Seit den 60er Jahren wird medial verstärkt über das Thema berichtet. Behinderung wird auch dadurch heute als gesellschaftliche Aufgabe gesehen - nicht mehr nur als Schicksal eines Einzelnen.

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