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Analphabeten in Deutschland - wie kann das sein?

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Mit 19 das erste Buch gelesen  

Die Mühe lohnt sich: So lässt sich Analphabetismus überwinden

07.09.2015, 18:00 Uhr | dpa, t-online.de

Analphabeten in Deutschland - wie kann das sein?. Vor zehn Jahren belegte Solveig (29) erstmals einen speziellen Deutschkurs - bis dahin war sie Analphabetin. (Quelle: dpa)

Vor zehn Jahren belegte Solveig (29) erstmals einen speziellen Deutschkurs - bis dahin war sie Analphabetin. (Quelle: dpa)

7,5 Millionen Erwachsene gelten in Deutschland als funktionale Analphabeten. Sie können zwar einzelne Wörter oder auch Sätze entziffern, verstehen aber nicht den Sinn. So war es auch bei Solveig, die mit 19 Jahren ihr erstes Buch las. Diese Hilfsangebote gibt es für Analphabeten, und so können Angehörige sie unterstützen.

Monopoly spielte Solveig nie, und wenn der Bus ausfiel, war sie auf Hilfe angewiesen. Die 29-Jährige aus Hamburg hatte seit der ersten Klasse Probleme beim Lesen und Schreiben. Weil sie beim Lernen der Buchstaben nicht mitkam, musste sie auf eine Förderschule wechseln. Als Solveig vor zehn Jahren zum ersten Mal einen speziellen Deutschkurs besuchte, veränderte das ihr Leben.

Ihr Weg war mühsam, aber er hat sich gelohnt. Heute ist Solveig selbstbewusst, engagiert sich in einer Selbsthilfegruppe und besucht gerne Buchmessen. Sie arbeitet als Küchenhilfe und führt ein selbstständiges Leben. Lesen und Schreiben werden für sie wohl aber immer eine Herausforderung sein - dieser muss sie sich stellen.

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In der Grundschule werden die Weichen gestellt

Bei Kindern und Heranwachsenden spricht man noch nicht von Analphabetismus. Doch die Weichen zur Alphabetisierung werden auf jeden Fall bis zum Ende der Grundschule gestellt. Was bis dahin nicht an Grundfähigkeiten verankert ist, kann danach nur noch schwer aufgeholt werden.

Viele Jugendliche, die Probleme beim Lesen und Schreiben haben, verbergen sie aus Angst vor Diskriminierung. Sie entwickeln Kompensationsstrategien, haben eine hohe Organisationsfähigkeit und können gut auswendig lernen, weiß Jan-Peter Kalisch, Leiter des Projekts iChance vom Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung in Münster.

Wie wichtig bereits in früher Kindheit der Umgang mit Büchern gemeinsam mit den engsten Bezugspersonen ist, betont Lukas Heymann von der Stiftung Lesen: "Der entscheidende Zugang zum Lesen ist die Freude daran. Und die können Eltern schon bei den Kleinsten fördern, indem sie sich die Zeit nehmen, mit ihren Kindern in Bilderbüchern zu schmökern und zum Beispiel einfache Geschichten zu den Illustrationen zu erzählen." Auch später sollten Eltern nicht aufhören vorzulesen. "

So können Angehörige Analphabeten helfen

  • Motivatoren suchen: Den ersten Schritt schafft der Jugendliche meist nicht allein. Sie brauchen einen Motivator, der Mut macht. Das kann ein guter Freund, ein vertrauter Kollege oder ein Familienangehöriger sein. Das Problem spricht der Betroffene am besten in einer konkreten Situation an, etwa wegen Schwierigkeiten beim Bewerbungsschreiben.

  • Selbst aktiv werden: Auf keinen Fall sollte der Jugendliche das Problem verschweigen oder sich Lese- und Schreibaufgaben abnehmen lassen. Besser ist es, erst selbst das Lesen und Schreiben zu versuchen und dann Fehler korrigieren zu lassen.

  • Professionelle Hilfe holen: Betroffene können sich über das Alfa-Telefon des Bundesverbands Alphabetisierung und Grundbildung unter der kostenlosen Telefonnummer 0800-53334455 beraten lassen.

  • Alphabetisierungskurs belegen: Volkshochschulen bieten Grundbildungskurse an. In kleinen Gruppen lernen die Teilnehmer anhand von alltagsnahen Themen.

  • Lernportale und Chats nutzen: Anonym und zu Hause können Jugendliche über Lernportale wie ich-will-lernen.de oder ich-will-deutsch-lernen.de das Lesen und Schreiben üben.

  • Selbsthilfegruppe oder Lerncafé besuchen: In Lerncafés können Jugendliche am Computer lesen und schreiben lernen und werden dabei oft von Ehemaligen unterstützt.

  • Ehrenamtlichen Leselernhelfer suchen: Für Jugendliche bis 16 Jahre gibt es ehrenamtliche Leselernhelfer, die zum Beispiel der Verein Mentor vermittelt. Auch ein geduldiger Freund oder ein Schüler aus einer höheren Klasse kann ein Lesepartner werden.

  • Realistische Ziele setzen: Je früher sich ein betroffener Jugendlicher dem Problem stellt, desto schneller zeigen sich erste Fortschritte. Es sollten realistische Ziele gesetzt werden, etwa nach ein paar Monaten den Einkaufszettel oder eine Bewerbung fehlerfrei schreiben zu können.

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