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Fluglärm-Studie Norah: Fluglärm belastet Schulkinder

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Fluglärm belastet Schulkinder  

Lesenlernen mit der Lärmkeule

04.11.2014, 17:04 Uhr | dpa

Fluglärm-Studie Norah: Fluglärm belastet Schulkinder. Fluglärm: Zum Greifen nah überfliegen Flugzeuge Wohngebiete und Schulen in flughafennahen Orten. (Quelle: dpa)

Zum Greifen nah überfliegen Flugzeuge Wohngebiete und Schulen in flughafennahen Orten. (Quelle: dpa)

Wenn Kinder ständigem Fluglärm ausgesetzt sind, lernen sie langsamer Lesen. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die Auswirkungen von Lärm rund um den Frankfurter Flughafen untersucht hat. Die sogenannte Norah-Lärmstudie (Noise-Related Annoyance, Cognition, and Health) ist nun in Frankfurt vorgestellt worden.

Für die Lärmwirkungsstudie haben sich Forschungsinstitutionen aus den Bereichen Medizin, Psychologie, Sozialwissenschaft, Akustik und Physik zu einem Forschungskonsortium zusammengeschlossen. Die Autoren fanden heraus: Je stärker die Lärmbelastung, desto langsamer lernen Kinder Lesen. Mindestens einen Monat länger als andere brauchen Zweitklässler dafür in Grundschulen rund um den Frankfurter Flughafen.

Wächst der Dauerschallpegel um zehn Dezibel, sind die Kinder in den lärmbelasteten Schulen im Vergleich zu anderen einen Monat im Rückstand beim Lesenlernen: Bei 20 Dezibel mehr sind es zwei Monate. "Der Statistische Effekt ist klein", räumt Studienleiterin Maria Klatte ein. "Wir wissen aber nicht, wie sich der relativ kleine Effekt auf die weitere Entwicklung der Kinder auswirkt."

Unterschied zwischen deutschen Schülern und Migranten

Die Lernverzögerung zeigte sich bei Kindern von Eltern aus Deutschland deutlicher. Bei Kindern mit Migrationshintergrund war der Effekt kaum messbar. Das könne daran liegen, dass Kinder aus zugewanderten Familien eine ganze Reihe ungünstiger Bedingungen hätten, wie schlechtere Deutschkenntnisse oder weniger Unterstützung in der Familie, erklärt Klatte.

Unterricht bei 60 Dezibel Fluglärm

Für die Studie gab es im Frühling 2012 Tests, Befragungen und Messungen in 85 Schulklassen an 29 Schulen im Rhein-Main-Gebiet. Die Schulen liegen in vier unterschiedlich betroffenen Gebieten - der Dauerschallpegel reicht dort tagsüber von 39 Dezibel bis 59 Dezibel. Die Wissenschaftler sprachen mit 1243 Zweitklässlern, 1185 Eltern und 85 Lehrern, die unter anderem nach ihrer eigenen Einschätzung der Lärmbelastung gefragt wurden. Ihr Befinden schilderten die Schüler selbst wie auch ihre Eltern als überwiegend sehr gut, bei zunehmendem Fluglärm ein wenig schlechter.

Lesedefizite durch Vorlesen verbessern?

Für den Vorsitzenden der Frankfurter Fluglärmkommission, den Raunheimer Bürgermeister Thomas Jühe (SPD), ist das Ergebnis der Studie in der Debatte um Lärmbelastung ein "Riesenfortschritt". Die hessische Landesregierung kündigte "wirksame Maßnahmen" an. Mit der Reduzierung des Fluglärms müsse "das Übel an der Wurzel" gepackt werden, sagte Regierungssprecher Michael Bußer (CDU). Außerdem müsse darüber nachgedacht werden, wie die Lesedefizite der betroffenen Kinder kompensiert werden könnten. Dies könne an den Schulen geschehen oder auch über verstärktes Vorlesen der Eltern.

Flughafenbetreiber sieht andere Gründe für Rückstand beim Lesen

Der Flughafenbetreiber Fraport sieht den Einfluss von Fluglärm als weniger gravierend als andere Einflüsse oder Rahmenbedingungen des Unterrichts. Kinder aus Haushalten mit wenigen Kinderbüchern hätten einen Leserückstand von 3,5 Monaten, teilte Fraport in einer Reaktion mit. Die Luftfahrtwirtschaft empfindet die Studie als hilfreich für die Debatte: "Die Ergebnisse haben die Basis für eine sachlich fundierte Diskussion zu den Auswirkungen von Lärm auf Zweitklässler geschaffen", sagte Klaus-Peter Siegloch, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft laut Mitteilung. Es habe sich auch gezeigt, dass die Luftfahrt mit ihren bisherigen Lärmschutz-Maßnahmen auf dem richtigen Weg sei.

 (Quelle: dpa)

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