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OECD: Mädchen halten sich für größere Mathe-Muffel als Jungen

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OECD-Bildungsbericht  

Deutschlands Mädchen sind die größten Mathe-Muffel

06.03.2015, 09:16 Uhr | dpa

OECD: Mädchen halten sich für größere Mathe-Muffel als Jungen. Der OECD-Bildungsbericht zeigt, dass Deutschlands Mädchen Mathe-Muffel sind. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

"Äh?" - warum verstehen Mädchen Mathe einfach nicht? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Bei Mathe und Naturwissenschaften steigen Mädchen aus. Deutschlands Mädchen sind mit die größten Mathe-Muffel der Welt. Bei der Annäherung an naturwissenschaftlich-technische Berufe gibt es in Deutschland enorme Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen. Das stellt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrem ersten Bildungsbericht zur Chancengleichheit der Geschlechter fest..

Deutschland gehöre zu den Ländern mit dem größten Geschlechtergefälle in der OECD, was die Einstellung von 15-jährigen Mädchen und Jungen zur Mathematik betrifft. Dies sei problematisch, weil es Berufe im mathematisch-technisch-naturwissenschaftlichen Bereich sind, "die zu den bestbezahlten Karrieren führen". Am geringsten sind die Differenzen in einigen asiatischen OECD-Ländern.

Gefragt, ob sie mathematische Aufgaben schnell begreifen, antworteten Jungen in Deutschland viel häufiger mit Ja als Mädchen. Diese stimmten eher der Aussage zu, "einfach nicht gut in Mathe" zu sein - selbst wenn sie im PISA-Test nicht schlechter abgeschnitten hatten.

Mädchen müssen ganzes Potenzial ausschöpfen

Im OECD-Schnitt konnte sich weniger als eines von 20 Mädchen im Alter von 15 Jahren vorstellen, später in einem sogenannten MINT-Fach (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) zu arbeiten - bei den Jungen sind es immerhin vier von 20. "Wir dürfen nicht aufhören, unsere Kinder dazu zu motivieren, ihr ganzes Potenzial auszuschöpfen", sagte OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher.

Im Pisa-Test zeigen aber beide Geschlechter in Naturwissenschaften ähnliche Leistungen. In den Pisa-Tests schneiden laut OECD Jungen in vielen Ländern bei den mathematischen Aufgaben besser ab, während die Mädchen beim Lesen sogar überall vorne liegen. Allerdings sind demnach Mädchen in insgesamt besonders leistungsstarken Ländern in Mathematik mit den Jungen gleichauf und erzielen weit bessere Ergebnisse als die Jungen der meisten anderen Länder. Das Leseverständnis von Jungen wiederum ist in diesen, meist asiatischen Staaten höher als das von Mädchen in schwächeren Teilnehmerländern.

Die Geschlechterdifferenzen begründeten sich also nicht durch angeborenes Unvermögen oder Vermögen, sondern "vielmehr durch eine erworbene Haltung gegenüber der Materie, der Schule beziehungsweise dem Lernen ganz allgemein", folgerte die OECD aus den Ergebnissen der Studie.

Kritik von Seiten der Lehrer

Der Deutsche Philologenverband hat den neuen OECD-Bildungsbericht zur Chancengleichheit von Jungen und Mädchen als "wenig zielführend" kritisiert. Der Vorsitzende des Verbandes für Gymnasiallehrer, Heinz-Peter Meidinger, attestierte der Studie "eine auf ökonomische Kriterien und den naturwissenschaftlichen Bereich verengte Perspektive". So spielten im Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) "die Defizite vieler Jungen im sprachlichen Bereich lediglich eine Randrolle".

Meidinger machte die eher auf Männer ausgerichteten Arbeitsplätze im technologisch-naturwissenschaftlichen Berufssektor dafür verantwortlich, dass zu wenige Mädchen solche Berufe anstrebten. "Bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat die Industrie trotz gewisser Fortschritte noch eine große Bringschuld in Deutschland." Zudem seien "im schulischen Bereich sowohl bei der Förderung von Mädchen in den Naturwissenschaften als auch bei der Leseförderung von Jungen verstärkte Anstrengungen der Länder notwendig".

Laut OECD sind Mädchen auch und gerade in Deutschland noch oft Mathe-Muffel und berauben sich damit besserer Karrierechancen. Die Bundesrepublik gehöre in der OECD zu den Ländern mit dem größten Geschlechtergefälle bei der Einstellung 15-Jähriger zur Mathematik, hieß es. Dies sei problematisch, da Berufe im mathematisch-technischen und naturwissenschaftlichen Bereich oft zu den bestbezahlten zählten.

Diskussion um Unterrichtskonzepte

Immer wieder entsteht rund um das Thema MINT-Fächer die Diskussion, ob Mädchen anders lernen und somit andere Unterrichtskonzepte brauchen. An manchen Schulen wurde mit getrennten Mathe-Klassen experimentiert, Girls' Days sollen Mädchen an technische Berufe heranführen. Bisher bleiben die Ansätze und die Erfahrungen daraus noch rudimentär - auch aus Personalgründen lässt sich dies nicht überall und dauerhaft umsetzen.

Mädchen sehen Mathe eher als Schulfach - nicht als nützliches Wissen

Im vorigen Herbst war auch eine Allensbach-Befragung im Auftrag der Vodafone-Stiftung für Deutschland zu dem Ergebnis gekommen, dass fast 40 Prozent der Mädchen im medizinischen oder sozialen Bereich arbeiten wollen. Fast der Hälfte der Mädchen ist es wichtig, anderen Menschen zu helfen - von den Jungs sahen das nur 21 Prozent so. Gut 40 Prozent der Jungen strebten in technische und handwerkliche Berufe.

Laut einer Studie der Universität Tübingen sehen Mädchen den Nutzen von Mathematik vor allem kurzfristig für die Schule. "Während beide Geschlechter den schulischen Leistungen in diesem Fach die gleiche Bedeutung zumessen, nehmen Mädchen Mathematik als ein eher unattraktives Fach wahr, (...) das sie außerdem für ihre Zukunft als weniger nützlich empfinden", teilte die Hochschule zu einer Untersuchung mit Daten von 2000 Neuntklässlern an Gymnasien mit.

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