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Schreibschrift: Schüler in Deutschland schreiben immer schlechter

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Handschrift immer schlechter  

Manche Schüler können kaum noch 30 Minuten lang einen Stift führen

01.04.2015, 14:29 Uhr | tze, dpa

Schreibschrift: Schüler in Deutschland schreiben immer schlechter. Schreibschrift: Wer sorgfältig schreibt, prägt sich den Inhalt besser ein. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Lehrer sind überzeugt: Wer sorgfältig schreibt, prägt sich den Inhalt besser ein. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Verlernen unsere Kinder das Schreiben? Der Deutsche Lehrerverband beklagt, dass immer mehr Schüler Probleme hätten, mit der Hand zu schreiben, und dass sich die Handschrift verschlechtert habe. Lehrerpräsident Josef Kraus kritisiert eine "Schulpolitik, die dem Schreiben und der sprachlichen Bildung immer weniger Bedeutung beimisst."

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Kraus hat die Kultusminister der Länder aufgefordert, das Handschreiben verstärkt in den Blick zu nehmen. Dort rennt er offene Türen ein, denn auch die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Brunhild Kurth (CDU) macht sich für die traditionelle Schreibschrift stark. "Die zunehmende Digitalisierung können wir nicht aufhalten. Umso wichtiger ist es, dass die Schule dafür sorgt, dass alle Schüler eine individuelle und lesbare Handschrift entwickeln", sagt sie. Schüler sollten im Unterricht so oft wie möglich mit der Hand schreiben, auch in den höheren Klassen.

Handgeschriebenes sei "Ausdruck der Persönlichkeit", so die Ministerin, die das Thema schon auf der jüngsten KMK-Sitzung im März angesprochen hatte. Es gehe nicht nur um den Erhalt motorischer Fähigkeiten: "Handschriftliches kann man nicht einfach löschen, man muss gut überlegen, bevor man schreibt. Damit wird das strukturierte Denken gefördert", sagte Kurth.

Umfrage unter Lehrern: Schüler schreiben immer schlechter

Der Deutsche Lehrerverband hatte gemeinsam mit dem Schreibmotorik-Institut zwischen Dezember 2014 und März 2015 eine Umfrage zur Handschrift von Schülern durchgeführt. 2000 Lehrer beteiligten sich. 79 Prozent der Lehrer an weiterführenden Schulen gaben an, dass sich die Handschrift ihrer Schüler in den vergangenen Jahren im Schnitt verschlechtert habe. Demnach hat jeder zweite Junge und knapp jedes dritte Mädchen Probleme, mit der Handschrift.

Während in der Grundschule noch 58 Prozent der Lehrer mit der Handschrift ihrer Schüler zufrieden sind, sind es an weiterführenden Schulen nur noch 22 Prozent. Ein Großteil der Schüler könne kaum länger als 30 Minuten beschwerdefrei einen Stift führen.

Warum wird die Schrift von Schülern immer miserabler? Aus Sicht der Lehrer gibt es drei Hauptgründe: Schlechte Feinmotorik, zu wenig Übung zu Hause und fortschreitende Digitalisierung der Kommunikation. Bei älteren Schülern komme mangelndes Interesse an handschriftlichem Schreiben hinzu.

Feinmotorik schon in der Kita besser trainieren

83 Prozent der Grundschullehrer finden, dass Kinder schon mit einer schlechten Ausgangsbasis in die Schule kommen. Die motorischen Fähigkeiten, die zur Entwicklung der Handschrift nötig sind, hätten sich verschlechtert. "Wir benötigen mehr Förderung der Grob- und Feinmotorik schon in den Kindertagesstätten und dann in den Grundschulen," folgert Lehrerpräsident Kraus.

"Schreibenlernen ist in erster Linie Bewegungslernen, und hier brauchen viele Kinder mehr Unterstützung", bestätigt der Schreibmotorikforscher Christian Marquardt, wissenschaftlicher Beirat des Schreibmotorik-Instituts. Er regt an, neue Methoden für den Schreibunterricht in Schulen zu entwickeln. Es sei erwiesen, dass Kinder durch Motoriktraining schneller und besser schreiben könnten.

Schreiben ist ein wichtiger Lernschritt

Kraus beklagt, dass Sprache und Schreibkompetenz heutzutage in der Schule zu kurz kämen. Als Beispiel nennt er den "reduzierten Grundwortschatz, Arbeit mit Lückentexten und Multiple-Choice-Tests sowie die Flut an Kopien, die sich tagtäglich über die Schüler ergießt." Er sieht einen Zusammenhang zwischen der Lernleistung von Schülern und der Güte ihrer Handschrift: "Wer gut und versiert schreibt, setzt sich intensiver mit dem Inhalt und dem Gehalt des Geschriebenen auseinander."

98 Prozent der Lehrer findet es wichtig oder sogar sehr wichtig, dass Schüler lernen, mit der Hand zu schreiben. Aber: Die Lehrer haben das schließlich selbst in der Hand.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar unserer Redakteurin Claudia Staub.

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