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Down-Syndrom: Henri darf jetzt auf die Realschule

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Schulstreit um Jungen mit Down-Syndrom  

Henri darf jetzt doch eine Regelschule besuchen

07.04.2015, 17:41 Uhr | dpa

Down-Syndrom: Henri darf jetzt auf die Realschule. Down-Syndrom: Gute Nachrichten für Henri. Der Junge mit Down-Syndrom darf nach den Sommerferien auf eine Realschule gehen. (Quelle: dpa)

Gute Nachrichten für Henri: Der Junge mit Down-Syndrom darf nach den Sommerferien auf eine Realschule gehen. (Quelle: dpa)

Kann ein Kind mit Down-Syndrom aufs Gymnasium? Der Fall Henri bewegte vor einem Jahr die Gemüter und löste eine Debatte über Inklusion aus. Zwei Regelschulen hatten die Aufnahme des geistig behinderten Jungen abgelehnt. Jetzt gibt es eine Lösung im Streit um die schulische Zukunft von Henri.

Für Kirsten Ehrhardt muss es sich streckenweise angefühlt haben wie ein Kampf gegen Windmühlen. Monatelang verschickte sie Pressemitteilungen, telefonierte mit dem Schulamt, redete sich den Mund fusselig - ohne Erfolg, wie es zunächst schien. Sie und ihr Mann wollten das aus ihrer Sicht Beste für ihren Sohn Henri, der das Down-Syndrom hat. "Wir wollten den Weg gehen, den die anderen Kinder auch gehen dürfen", sagt die Mutter.

Schulen wollten Henri nicht aufnehmen

Der Fall des Jungen aus Walldorf in Baden-Württemberg hatte vor einem Jahr bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Nachdem der heute Zwölfjährige bereits seine Grundschulzeit an einer Regelschule verbracht hatte, sollte er auch mit seinen Freunden auf das örtliche Gymnasium oder die Realschule wechseln. Doch beide Schulen sperrten sich - und das zuständige Ministerium wollte ihnen den Jungen nicht gegen ihren Willen aufzwingen.

UMFRAGE
Wird in Deutschland genug für die Inklusion von Behinderten unternommen?

Kultusminister Andreas Stoch (SPD) empfahl Henris Eltern voriges Jahr die Werkrealschule sowie zwei Gemeinschaftsschulen in der Nähe, da diese Erfahrung mit der Einbindung behinderter Kinder hätten. Ehrhardt und ihr Mann lehnten das ab. Stattdessen ließen sie Henri die vierte Klasse wiederholen - und gewannen so Zeit.

Happy End für Henri

Ihr Plan ging nun doch auf, inzwischen ist einiges passiert: Nach den Sommerferien wird Henri auf die Realschule in Walldorf wechseln, die ihn vergangenes Jahr noch abgelehnt hatte. Dort soll er in eine neu eingerichtete Klasse gehen, die sowohl behinderte als auch nicht-behinderte Schüler besuchen. "Er kennt dort natürlich viele Kinder und sie kennen ihn", sagt Ehrhardt. "Er ist hier total verwurzelt." Sie und ihr Mann seien glücklich - und ihr Sohn auch. "Wir finden, dass es ein Happy End für Henri ist."

Inklusion - schöne Theorie und komplizierte Praxis

Der Fall war ein Beispiel dafür, wie viele offene Fragen die Eingliederung von Behinderten an Schulen in der Praxis aufwirft. Deutschland hat sich verpflichtet, die UN-Behindertenrechtskonvention umzusetzen. Aus dieser leitet sich auch ab, dass behinderte Menschen nicht vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen sein dürfen.

Das Thema haben alle Bundesländer auf der Agenda. Bei den Feinheiten hakt es jedoch oft. Der gemeinsame Unterricht mit körperlich behinderten Kindern ist an vielen Schulen längst Normalität. Doch im Walldorfer Beispiel geht es um einen geistig Behinderten, der wohl nie Abitur oder einen Realschulabschluss machen kann.

In Baden-Württemberg brachte die grün-rote Landesregierung kürzlich einen Gesetzentwurf auf den Weg, mit dem zum kommenden Schuljahr die Sonderschulpflicht abgeschafft wird. Die neue Regelung habe im Fall Henri sicher eine Rolle gespielt, sagt der Landesbehindertenbeauftragte Gerd Weimer. "Ich bin sehr froh über diese Entwicklung und diese Entscheidung und wünsche Henri wirklich alles Gute." Er freue sich, dass es offenbar im Lehrerkollegium der Realschule ein Umdenken gegeben habe.

Skepsis bleibt

Der Landeschef des Philologenverbands, Bernd Saur, ist hingegen skeptisch. "Ich möchte nicht, dass so getan wird, als sei das jetzt der allein seligmachende Königsweg", sagt er. "Denn dann hätten ja die zahlreichen Förderschulen im Land bislang keine gute Arbeit geleistet, und das kann ja keiner behaupten." Er sei nicht gegen Inklusion - solange ein Kind dem Unterricht folgen könne.

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