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Abitur-Aufgaben vorab? Schüler pocht auf Informationsrecht

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Abitur 2015  

Mein gutes Recht: Simon Schräder will die Abi-Aufgaben vorab sehen

09.04.2015, 11:08 Uhr | Florentine Dame, dpa

Abitur-Aufgaben vorab? Schüler pocht auf Informationsrecht. Abiturient Simon Schräder (17) will die Abitur-Aufgaben vorab sehen.

Abiturient Simon Schräder (17) pocht auf das Informationsfreiheitsgesetz.

Prüfungsvorbereitungen sind eine Extremphase, man setzt sich intensiv mit einem Thema auseinander, brütet oft alleine vor sich hin und beißt sich an einem Aspekt fest. Dann kommt man schon mal auf seltsame Ideen, wie der Abiturient Simon Schräder: Er will die Abi-Aufgaben vor der Prüfung sehen. Das sei sein gutes Recht, schließlich gebe es ja das Informationsfreiheitsgesetz (IFG). Doch das zuständige Schulministerium sieht das anders.

Wirklich gute Erfolgsaussichten hat der spitzfindige Schüler aus Münster wohl nicht. Er hatte sich am 20. März 2015 fristgerecht mit einem offiziellen Antrag an das Schulministerium in Düsseldorf gewandt. Unter Berufung auf das Informationsfreiheitsgesetz bat er um die Zusendung der Aufgaben für das zentral gestellte Abitur. Wenn der Staat auf meine Fragen antworten muss, sagt er mir dann, was im Abi drankommt? So sein Gedankengang. Nebenbei lenkt der 17-Jährige so Aufmerksamkeit auf ein noch recht unbekanntes Gesetz.

Publicity für das Informationsfreiheitsgesetz

Wie einfach könnte doch das Abiturientenleben sein, wüsste man nur, welche Fragen die Prüfer stellen! Diesen Gedanken wird Simon Schräder (17) nicht mehr los, während er sich auf die zentral gestellte Abiturprüfung vorbereitet. Er richtet eine offizielle Anfrage an das nordrhein-westfälische Schulministerium über die Internetplattform FragDenStaat.

UMFRAGE
Abitur-Aufgaben vorab: Was halten Sie von der Initiative des Abiturienten Simon Schräder?

Diese Seite, betrieben von der Transparenzinitiative Open Knowledge Foundation, will Bürgern dabei helfen, gegenüber Behörden ihr Recht auf Information und behördliche Dokumente durchzusetzen. Diesen Anspruch regelt seit 2006 das Gesetz zur Informationsfreiheit (IFG). Jeder Bürger darf danach unter Beachtung des Daten- und Geheimnisschutzes Zugang zu amtlichen Informationen bekommen. Auch die meisten Bundesländer, darunter Nordrhein-Westfalen, haben ähnliche Gesetze.

Im vergangenen Jahr wurden über "FragDenStaat" mehr als 2000 solcher Anträge gestellt: "Von der Anfrage zu Geheimdienstdokumenten bis hin zum Antrag auf Einsicht in das lokale Grundstückskataster", erläutert Arne Semsrott, Projektleiter bei der Plattform. FragDenStaat hilft nur bei den Formalien, jeder Bürger kann auch auf eigene Faust Anträge stellen. Knapp drei von vier aller Anfragen auf Bundesebene werde stattgegeben, berichtet Semsrott.

Simon Schräder engagiert sich für Datentransparenz

Das weiß auch Simon Schräder: Er arbeitet in einer lokalen Gruppe der Open Knowledge Foundation, die daran mitwirkt, den Stadtbewohnern relevante amtliche Daten zur Verfügung zu stellen, zum Beispiel zum Haushalt der Kommune oder zur Frage, wo es Parkplätze gibt in der Stadt.

Per IFG an die Abi-Aufgaben?

"Beim Lernen hatte ich spontan die Idee, zu versuchen, über das IFG an die Abituraufgaben zu kommen", erklärt er. Dass er damit Erfolg haben könnte, glaubt er kaum. "Aber es wäre ja interessant zu wissen, wie das Ministerium reagiert und wie es seine Antwort rechtlich begründen." FragDenStaat jedenfalls reichte seinen Antrag am 20. März weiter an das Ministerium.

Dass Schräder und mit ihm Abiturienten im ganzen Land tatsächlich ihre Aufgaben schon vor der Prüfung zu Gesicht bekommen, hält auch IFG-Experte Semsrott für unwahrscheinlich: Anfragen könnten abgelehnt werden, wenn sie den Erfolg einer bevorstehenden behördlichen Maßnahme erheblich beeinträchtigen würden. Eine Prüfung, deren Aufgaben man vorher gemeinsam oder mit Expertenhilfe lösen könnte, wäre sicherlich eine solche Beeinträchtigung.

Schulamt argumentiert mit Chancengleichheit

Ähnlich klingt die Antwort aus dem Schulministerium: Die Abituraufgaben vorab herauszugeben, könne den Ablauf der Prüfungen gefährden. Es müssten gleiche Chancen für alle gewährleistet sein. Der Antrag sei aber noch in Bearbeitung.

Für Schräder hat die Aktion in jedem Fall ein Gutes: Zwar habe er nicht mit der großen Resonanz gerechnet, aber ein gewisser Marketingeffekt für mehr Informationsfreiheit passt ihm gut: "Es wird jetzt vielen Bürgern nahegebracht, dass es dieses Gesetz gibt", sagt er. "Jeder interessierte Bürger kann darüber mehr Einblicke kriegen in den Staat, den er ja schließlich mitfinanziert."

Gute Noten wohl auch ohne Einblick

Auch wenn er die von ihm zur Zeit besonders erhofften Einblicke erst an den Prüfungstagen ab 14. April erhalten wird, ist Schräder optimistisch: "Meine Noten bislang geben auch keinen Grund zur Sorge - auch ohne Antrag", sagt er. "Aber ich lerne jetzt weiter".

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