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Aggression im Klassenzimmer: Mädchen sind Meinungsführer

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Bitch-Fight im Klassenzimmer  

Mädchen verbreiten aggressive Stimmung

17.04.2015, 18:54 Uhr | t-online.de

Aggression im Klassenzimmer: Mädchen sind Meinungsführer. Mädchen können ganz schön zickig sein.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Mädchen beeinflussen die Atmosphäre im Klassenraum. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Mädchen sind lieb, Jungs müssen auch mal raufen und toben. Das gängige Klischee stimmt ganz und gar nicht. Das zumindest hat Forschern ein genauer Blick in Deutschlands Klassenzimmer eröffnet. Ihre Studie zeigt: Besonders die Mädchen in einer Klassengemeinschaft sind es, die den Rahmen für aggressives Verhalten vorgeben.

Über drei Jahre hinweg untersuchten die Psychologen Robert Busching und Barbara Krahé von der Universität Potsdam die Entwicklung aggressiven Verhaltens bei 1321 Jugendlichen aus verschiedenen weiterführenden Schulen Berlins. Die Ergebnisse veröffentlichten sie in der Fachzeitschrift "Personality and Social Psychology Bulletin".

"Um gegen aggressives Verhalten vorgehen zu können, muss man verstehen, wie es sich entwickelt und wovon es beeinflusst wird", sagt Sozialpsychologe Busching. "Wir haben uns gefragt, wie sich die Klassennorm, also die Einstellungen, die in einer Klassengemeinschaft vorherrschen, auf die individuelle Entwicklung aggressiven Verhaltens bei Jugendlichen auswirkt."

Das Klima im Klassenzimmer beeinflussen

Eine positive Botschaft haben die Forscher auch. Gelingt es den Lehrern, die aggressiven Meinungsführer umzupolen, beeinflusst das das komplette Klima im Klassenraum. Krahé betont: "Wenn es gelingt, in einer Klasse insgesamt, und vor allem bei den Mädchen, die Einstellung zu verankern, dass aggressives Verhalten nicht akzeptabel ist, dann werden sich mit der Zeit auch die aggressiveren Einzelnen dieser Klassennorm anpassen."

Die Wissenschaftler fragten die Einstellungen von Schülern gegenüber Aggression sowie ihr eigenes aggressives Verhalten ab. Sie wollten wissen, wie weit sich Schüler in die Lage eines fiktiven provozierten Jugendlichen hineinversetzen könnten. Die Jugendlichen sollten angeben, wie angemessen sie verschiedene vorgegebene aggressive Reaktionen in dieser Situation fänden, zum Beispiel die andere Person zu schubsen.

Je angemessener sie die aggressiven Reaktionen beurteilten, desto positiver ihre Einstellung gegenüber Aggression. Der Durchschnitt der individuellen Einstellungen bestimmt die jeweilige Klassennorm.

Außerdem sollten die Schüler angeben, wie oft sie selbst in den letzten sechs Monaten entweder körperlich aggressiv waren - durch Schubsen, Treten oder Beißen - oder andere Personen in ihren sozialen Beziehungen geschädigt hatten, indem sie beispielsweise hinter dem Rücken Gerüchte über jemanden verbreitet hatten.

Fazit: Wo Aggression toleriert wird, ist man aggressiv

Die Ergebnisse zum Einfluss der Klassennorm auf das Verhalten der Mitschüler zeigen: Wird in einer Klasse Aggression eher toleriert, zeigen die Schüler auch mehr aggressives Verhalten. In Klassengemeinschaften hingegen, die aggressive Handlungen nur gering tolerieren, verhalten sich die einzelnen Schüler dagegen weniger aggressiv, und zwar unabhängig von ihren eigenen Einstellungen.

Die Forscher untersuchten auch die Entwicklung aggressiven Verhaltens im Verlauf der drei Jahre. Ihre Analysen zeigen, dass Schüler, die Aggression zunächst ablehnten, sich aber in einer Klasse befanden, die Aggression toleriert, mit der Zeit die Einstellung ihrer Klasse übernahmen und sich vermehrt aggressiv verhielten.

Mädchen sind die Meinungsmacher

Insbesondere dann, wenn die Mädchen einer Klasse aggressives Verhalten stark akzeptierten, verhielt sich die Klasse insgesamt aggressiver. Die Autoren sehen einen möglichen Grund für dieses geschlechtsspezifische Ergebnis darin, dass die Mädchen untereinander in ihrer Einstellung gegenüber Aggression mehr übereinstimmten als die Jungen. Als einheitlichere Gruppe übten sie dementsprechend mehr Einfluss auf die gesamte Klasse aus.

Die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychologie, Andrea Abele-Brehm, ergänzt: "Die Studie ist ein wichtiger Beleg dafür, wie wichtig neben der Verhaltensbeeinflussung auf individueller Ebene auch die Verhältnisbeeinflussung auf der Ebene der sozialen Gegebenheiten für die Aggressionsprophylaxe ist."

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