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Falsche Freunde? So erleben Eltern die Clique ihres Kindes

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Falsche Freunde?  

Was Eltern bei Sorgen um Kind und Clique hilft

16.10.2015, 11:45 Uhr | Eva Dignös, dpa-tmn

Falsche Freunde? So erleben Eltern die Clique ihres Kindes. Kontakt zu Gleichaltrigen ist für Jugendliche sehr wichtig. (Quelle: Westend61/Uwe Umstätter)

Kontakt zu Gleichaltrigen ist für Jugendliche sehr wichtig. (Quelle: Westend61/Uwe Umstätter)

Muss es ausgerechnet die stadtbekannte Party-Clique sein? Nicht immer sind die Eltern einverstanden mit den Freunden ihrer Kinder. Die Angst vor schlechtem Einfluss treibt sie um. Doch wann dürfen - oder müssen - sie sich einmischen?

Neuerdings raucht die Tochter, weil alle Freundinnen es auch tun. Und der Sohn zockt stundenlang beim Nachbarsjungen Ballerspiele. Eltern haben dann schnell Angst, dass ihr Kind die falschen Freunde hat.

"Vor allem für Jugendliche sind Gleichaltrige sehr wichtig", sagt Diplom-Psychologe Andreas Engel von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke). Das sei grundsätzlich positiv. "Es ist wichtig für die Entwicklung der Kinder, über den Horizont der Familie hinauszublicken. Der Kontakt zu Freunden hilft den Kindern, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden", sagt er.

Ab dem Schulalter entscheiden Kinder selbst

Je älter die Kinder werden, desto größer ist der Stellenwert der Freunde. "Im Kindergartenalter bedeutet Freundschaft vor allem physische Gemeinschaft: Freunde sind die Kinder, mit denen man viel Zeit verbringt", erklärt Marion Pothmann, Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche in Hamburg und Autorin des Buchs "Kinder brauchen Freunde". Das kann heute Max sein und morgen Anna.

Ab dem Grundschulalter rücken ähnliche Interessen mehr und mehr in den Vordergrund. Kinder schauen schon genauer hin, mit wem sie befreundet sein möchten.

Kinder im Grundschulalter pflegen ihre Freundschaften selbstständig. Nicht die Eltern machen die Spieltermine aus, sondern die Kinder nehmen das immer mehr selbst in die Hand. "Freundschaften zu schließen, heißt, Menschen genauer zu durchleuchten", sagt Maria von Salisch, Professorin für Entwicklungspsychologie an der Universität Lüneburg: "Man wird aufgrund von Äußerlichkeiten aufeinander aufmerksam, sucht dann nach Gemeinsamkeiten, sieht sich gleichzeitig nach Alternativen um." Das sei die erste soziale Leistung außerhalb des Schutzraums der Familie.

Eltern wissen oft wenig über die Aktivitäten der Kinder

Je älter die Kinder werden, umso weniger spielt sich ihre Freizeit mit Freunden im Elternhaus ab. Jugendliche treffen sich in der Stadt, im Sportverein, kommunizieren via Smartphone - die Freunde werden zur unbekannten Größe für die Eltern. Wer neugierig nachbohrt ("Was macht ihr eigentlich die ganze Zeit?"), bekommt selten eine zufriedenstellende Antwort. Das kann Ängste schüren.

"Umso wichtiger ist es, vom frühen Kindesalter an eine Gesprächskultur in der Familie zu entwickeln", rät Psychologin Pothmann. Wer es gewohnt ist, dass in der Familie erzählt und zugehört wird, der wird auch als Jugendlicher eher von Erlebnissen mit der Clique erzählen oder die Freunde mal mit nach Hause bringen. "Oft erweisen sich elterliche Sorgen als unbegründet, wenn man sich persönlich kennengelernt hat", sagt Erziehungsberater Andreas Engel.

Auch negative Erfahrungen gehören dazu

Der Einfluss der Eltern auf die Freundschaften ihrer älteren Kinder ist begrenzt, weiß die Entwicklungspsychologin von Salisch. Natürlich sei es schmerzhaft zu erleben, wenn eine Freundschaft missbraucht wird oder zerbricht. "Aber auch das ist eine wichtige Erfahrung."

Doch was, wenn Drogen im Spiel sind oder Gewalt? "Verbote sollten, wenn überhaupt, die letzte Notlösung sein", sagt Pothmann. Verbote rufen bei Jugendlichen Trotzreaktionen hervor: Wenn die Eltern die Freunde verbieten, werden sie erst so richtig interessant.

Stattdessen gilt auch hier: "Miteinander reden, fragen, warum das Kind so gern mit dem Freund zusammen ist, die eigenen Sorgen äußern." 

Bei schiefen Machtverhältnissen behutsam helfen

Schmerzhaft können einseitige Freundschaften sein, in denen einer den anderen dominiert und klein hält. "Das merkt man daran, dass das Kind sich unsicherer verhält, nicht mehr mit seinen anderen Freunden spielt", sagt Pothmann. Dann gehe es darum, dem Sohn oder der Tochter zu helfen, sich aus der Bindung zu lösen und neue Freundschaften zu schließen.

So einseitig sind die Machtverhältnisse jedoch selten. "Die These, dass die eigenen Kinder verführt wurden, entlastet zwar, ist aber in der Regel zu einfach", sagt Engel. Manchmal sind nämlich nicht nur die anderen die falschen Freunde - sondern auch die eigenen Kinder.

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