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Studienplatzklage – Tipps und Hinweise zu den Kosten

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Studienplatzklage  

Zehntausende Euro für den Studienplatz? Wann sich eine Klage lohnt

22.10.2015, 10:46 Uhr | Silke Asmußen, t-online.de

Studienplatzklage – Tipps und Hinweise zu den Kosten. Die Klage um einen Studienplatz kann sich lohnen. Dabei sind die Kosten vorher genau abzuschätzen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Klage um einen Studienplatz kann sich lohnen. Dabei sind die Kosten vorher genau abzuschätzen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Das Abitur in der Tasche, aber im Ansturm auf einen Studienplatz leer ausgegangen – was nun?  Wer nicht jahrelang auf der Warteliste seines Wunschfachs schmoren will, kann sich einklagen. Spezialisierte Anwälte bieten dabei ihre Hilfe an – doch das kann teuer werden. Und selbst bei erfolgreicher Klage ist der Studienplatz nicht sicher.

An den Universitäten wird es immer enger. Starteten laut dem Statistik-Portal "Statista" im Wintersemester 1998/99 noch circa 230.000 Erstsemester, waren es im Wintersemester 2014/2015 bereits über 432.000. Bis zum Jahr 2019 rechnet die Kultusministerkonferenz (KMK) laut ihrer jüngsten Prognose mit fast 500.000 neuen Studenten jährlich.

Ansturm auf Universitäten wird größer

Die deutschen Hochschulen gelangen an ihre Grenzen. 43002 Bewerber, aber nur 8999 Studienplätze – so war  im Wintersemester 2014/2015 nach Angaben der Stiftung für Hochschulzulassung die Relation für das Fach Humanmedizin.

Um dem Boom gegenzusteuern, organisieren viele Universitäten die Vergabe der Studienplätze über das "dialogorientierte Serviceverfahren", einer Datenbank, in der die Angebote der teilnehmenden Hochschulen zusammenlaufen und abgeglichen werden.

Abiturnote und Wartezeit entscheiden

In diesem System sind der Notendurchschnitt des Abiturs und die bisherige Wartezeit, ausschlaggebend, ob ein Bewerber sofort ins Studium einsteigen kann. Es wird jedoch immer schwieriger, die Anforderungen der Unis für einen direkten Studienbeginn zu erfüllen. Etwa die Hälfte aller Bachelor-Studiengänge in Deutschland ist zulassungsbeschränkt. Das ermittelte das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) im vergangenen Jahr.

Wer also keine Abi-Traumnoten vorzuweisen hat, abgelehnt wurde und nicht warten will, kann die Hoschule, die ihm eine Absage erteilt hat, verklagen. Generell besteht diese Möglichkeit bei allen staatlichen Hochschulen und Studiengängen. Erforderlich ist eine Hochschulberechtigung – also das Abitur beziehungsweise die Fachhochschulreife –, zum Teil auch die deutsche Staatsbürgerschaft.

Hochschulen berechnen Kapazitäten oft falsch

Bei einer Klage geht es darum festzustellen, ob an der jeweiligen Hochschule noch "verschwiegene" Studienplätze im gewünschten Fach vorhanden sind. Viele Juristen haben sich darauf spezialisiert nachzuweisen, dass Universitäten ihre Kapazitäten falsch berechnet haben. Die Hochschulen müssten die Anzahl ihrer Studienplätze anhand gesetzlich festgelegter Kriterien ermitteln. Dabei unterliefen ihnen aber häufig Fehler, behauptet der Jurist Christian Birnbaum aus Köln auf der Homepage der Kanzlei Birnbaum & Partner.

Der Anwalt beziffert dort die Kosten im günstigsten Fall auf 600 Euro pro Verfahren. Andere Quellen setzen sie deutlich höher an – bei 1500 bis 2500 Euro. Wie teuer es tatsächlich werde, hänge davon ab, ob der Klient nur eine oder gleich mehrere Hochschulen verklage, räumt Birnbaum ein. Bei Zahn- und Humanmedizin könnten das 14 bis 20 Unis sein.

Zahl der Studienplatzklagen nimmt zu

Wie viele Abiturienten sich den Weg in die akademische Ausbildung mit einem Rechtsstreit erkämpfen und wie viele von ihnen dabei erfolgreich sind, liegt im Dunkeln. Eine bundesweite Statistik gibt es nicht. Zahlen lägen ihnen nicht vor, da sich die Klagen im Wesentlichen gegen die jeweiligen Hochschulen richteten, erklärt etwa Patrick Holtermann  von der Stiftung für Hochschulzulassung und verweist auf die Hochschulrektorenkonferenz. Doch die gibt auf Nachfrage von t-online.de ebenfalls an, keine Zahlen parat zu haben. "Generell kann man davon ausgehen, dass Klagen populärer geworden ist, weil sich mehr danach erkundigen", sagte Jana Küchler, Hochschulpolitische Co-Referentin des AStA der TU Berlin, der "Welt.

Das Wissenschaftsministerium in Baden-Württemberg habe im Jahr 2013 ermittelt, wie viele Studienplatzklagen es gab und wie viele davon erfolgreich waren, heißt es in dem Bericht. Im Zeitraum von drei Semestern wurden demnach 2075 Klagen eingereicht. Neue Studienplätze seien aber nur für rund drei Prozent der Kläger entstanden, entweder durch die Klage oder eine außergerichtliche Einigung.

Anwälte profitieren in jedem Fall

Das Geschäft der Anwälte brummt auf jeden Fall: Nach doppelten Abiturjahrgängen und dem Aussetzen der Wehrpflicht sei bei ihm die Zahl der Klagewilligen für Bachelorstudiengänge um etwa 30 Prozent gestiegen, sagte ein Jurist dem "Spiegel".

Experten des Portals "studis-online" warnen von zu großer Euphorie. Damit eine Klage Erfolg habe, müsse der Bewerber zunächst seinen Antrag fristgemäß und vollständig abgeben. Formfehler bedeuteten das Aus für eine Klage. In dem Fall sollten Betroffene sich lieber noch einmal korrekt im nächsten Semester bewerben.

Kosten einer Studienplatzklage reichen bis zu fünfstelligen Summen

Das Prozessieren kann außerdem schnell zur Kostenfalle werden. Für Klagen gegen mehrere Hochschulen kann eine fünfstellige Summe zusammenkommen, warnen die Studienexperten. Davor schütze nicht jede Rechtschutzversicherung: Die meisten Assekuranzen schlössen Studienplatzklagen aus oder beinhalteten eine Selbstbeteiligung des Versicherten.

In jedem Fall sei es ratsam, zuvor Kontakt mit der Studierendenvertretung der Uni aufzunehmen, die verklagt werden soll. So könne man ortsspezifische Tipps oder die Adressen geeigneter Rechtsanwälte bekommen.

Kein Studienplatz trotz erfolgreicher Klage 

Doch selbst wer vor Gericht erfolgreich war, steht am Ende möglicherweise ohne Studienplatz da. Denn wenn eine Universität mehr Plätze anbieten muss, entscheidet bei der Verteilung in vielen Bundesländern das Los, wer sie erhält. In einigen, darunter Baden-Württemberg, kommen in dem Fall erneut die Noten ins Spiel.

Bei bundesweit zulassungsbeschränkten Fächern wie Zahnmedizin seien die Chancen geringer als bei örtlich zulassungsbeschränkten wie Betriebswirtschaftslehre (BWL). Der Grund sei die höhere Zahl an Klägern, schreibt die "Welt".

"In den zentralen Quoten der Medizin- beziehungsweise Pharmazie-Zulassung sind die Gerichtsverfahren der Bewerber in der Regel erfolglos", sagte Stefanie Busch, von der Hochschulrektorenkonferenz der Zeitung. Die Universitäten schauen derweil nicht untätig zu, viele lassen sich inzwischen selbst durch einen Anwalt vertreten.

Finanzspritze von den Eltern 

Unser Fazit: Stehen die Chancen gut, nach dem Studium in einem sehr gewinnbringenden Beruf zu arbeiten, ist das sicher ein gutes Argument für eine Klage und einen unverzögerten Start ins Studium. Unbesorgt vor Gericht ziehen kann zudem, wer über ausreichende finanzielle Mittel verfügt. Oft nähmen die Eltern das Geld in die Hand, um dem Nachwuchs auf die Sprünge zu helfen, sagen einige Anwälte, die in diesem Bereich tätig sind. Eher ungewöhnlich ist, dass Juristen eine Ratenzahlung anbieten. 

Zwar ist auch ein Antrag auf Prozesskostenhilfe möglich. Der Zuschuss decke jedoch nicht die Anwaltskosten der Gegenseite ab, schlimmstenfalls bleibe der Student in spe auf hohen Gebühren sitzen, warnt der Allgemeine Studierendenausschuss der Universität Hamburg.

Die Warteschleife sinnvoll nutzen

Vor einer Klage sollten Studienplatzbewerber überlegen: Lässt sich die Zeit bis zur Zulassung anders nutzen? Kommt ein anderes Studienfach oder ein anderer Studienort in Frage?

In der Praxis finden zahlreiche junge Leute in der Warteschleife auf einen Studienplatz eine individuelle Alternative – zum Beispiel einen Arbeitsaufenthalt im Ausland, um an ihren Sprachkenntnissen zu feilen. Bereichernd kann auch ein freiwilliges soziales Jahr sein.

Und manchmal kommt es ganz anders. Um die Wartezeit aufs Psychologiestudium zu überbrücken, hat die 26-jährige Elisa Hotelfachfrau gelernt und daran Gefallen gefunden. Jetzt studiert sie in Hamburg Hotelmanagement und profitiert dabei von ihrer abgeschlossenen Ausbildung. "Ich trauere meinen ursprünglichen Plänen kein bisschen hinterher", sagt sie. 


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