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Studie: Lehrer müssen Zusammenarbeit lernen

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Zu viele Einzelkämpfer  

Deutschlands Lehrer müssen enger zusammenarbeiten

25.02.2016, 13:35 Uhr | dpa

Studie: Lehrer müssen Zusammenarbeit lernen. Lehrer haben in Deutschland wenig Austausch untereinander. (Quelle: imago)

Lehrer haben in Deutschland wenig Austausch untereinander. (Quelle: imago)

Der Lehrer als Einzelkämpfer im Klassenzimmer? Das stimmt so an vielen Schulen in Deutschland längst nicht mehr. Dennoch könnten Zusammenarbeit und intensiver Austausch in den Lehrerkollegien noch besser werden. Das zeigt eine aktuelle Studie mehrerer großer Stiftungen.

Deutschlands Lehrer arbeiten zwar immer stärker im Team. Allerdings blicken sie in ihrem Schulalltag noch zu wenig über den Tellerrand, um sich bei Kollegen etwas abzuschauen. Das geht aus einer repräsentativen Studie zur Lehrerkooperation hervor. Von den rund 1000 befragten Lehrern in weiterführenden Schulen hielt nur jeder Vierte gelegentlich gemeinschaftlichen Unterricht. Nur knapp jeder Zehnte (neun Prozent) hospitierte in Kollegen-Klassen.

Zur Zusammenarbeit in fachbezogenen Pädagogenteams ringt sich immerhin jeder Zweite durch. Über den Austausch zu Unterrichtsmaterialien (82 Prozent) geht die Kooperationsbereitschaft aber oft nicht hinaus.

Lehrer an Gymnasien sind Einzelkämpfer

An Gymnasien sei die Zusammenarbeit teilweise deutlich schwächer entwickelt als in anderen Schulformen, lautet einer der Befunde des Reports. Recht gut sieht es hingegen in Schulen mit Inklusion sowie in verpflichtenden Ganztagsschulen aus. Inklusion ist gemeinsamer Unterricht von Schülern mit und ohne Behinderung.

Von ihren durchschnittlich 42,8 Wochenarbeitsstunden verwenden Lehrer fünf Stunden auf Kooperationen - mit Kollegen, anderen Pädagogen, Eltern oder Institutionen. Gleichwohl finden fast alle befragten Lehrer (97 Prozent) Austausch und Zusammenarbeit wichtig, für neun von zehn (87 Prozent) lohnt sich der Zusatzaufwand.

Doch ein Großteil der Lehrkräfte in Deutschland "erhält keine oder nur sehr wenige Einblicke in den Unterricht anderer Kollegen", heißt es in der Studie der Stiftungen Mercator, Bertelsmann, Robert Bosch und Deutsche Telekom.

Kritisch-konstruktive Rückmeldungen und Feedback innerhalb der Kollegien seien hierzulande noch unterentwickelt, schreiben die die Bildungsforscher Dirk Richter (Bergische Universität Wuppertal) und Hans Anand Pant (Humboldt-Universität Berlin).

"Teamspieler oder Einzelkämpfer - das ist keine Frage der Lehrerausbildung", betont Richter. "Die Schulstrukturen sind oft noch so, dass Kooperation nur auf einem eher oberflächlichen Niveau stattfindet."

Lehrer haben Angst, Schwächen zu zeigen

Hinzu kommt, dass viele Lehrer nicht selbstbewusst genug sind, um ihre Karten auf den Tisch zu legen. "Die größte Errungenschaft für Studienräte war das Sicherheitsschloss in der Klassentür. Damit ist das letzte Loch dicht, durch das sich Lehrer noch beobachtet fühlen", spotten erfahrene Pädagogen über Abschottungstendenzen mancher Kollegen. Auch Richter hat festgestellt: "Die Angst, im eigenen Unterricht etwas falsch zu machen und dafür kritisiert zu werden, ist immer noch sehr groß."

Nur jeder zweite befragte Lehrer gab an, zusammen mit Kollegen komplexe Unterrichtskonzepte oder -strategien zu entwickeln. Im internationalen Vergleich unterstützen sich in Deutschland zwar sehr viele Lehrer mit Materialien. Allerdings wird hierzulande zu wenig über die Lernentwicklung von Schülern oder über gemeinsame Bewertungsstandards diskutiert.

Zusammenarbeit macht zufrieden und kompetent

Die Studie weist nach, dass kooperationswillige Lehrer oft kompetenter und in ihrem Job zufriedener sind - und sich insgesamt wohler fühlen. "Wir wissen nicht genau, ob die Zusammenarbeit mit Kollegen dafür Ursache oder Wirkung ist", sagt Richter. "Aber negative Zusammenhänge können wir ausschließen: Zu mehr Stress oder Unzufriedenheit führt solche Teamarbeit nicht."

Es sei also im Interesse von Schulleitungen, beispielsweise feste Teamzeiten oder Strukturen für jahrgangsübergreifende Projekte zu ermöglichen. Teamarbeit sei angesichts immer vielfältigerer Klassen mit Inklusion oder mit vielen Migranten- und Flüchtlingskindern ein Schlüssel zum Erfolg. Auch Schulsozialarbeiter und Psychologen seien hier einzubeziehen.

Bildungsforscher Richter sagt, der Wille zur Zusammenarbeit sei bei den Lehrern da. Vor allem jüngere Kollegen unterrichteten lieber im Team und planten gemeinsam größere Projekte. Aber es könne noch viel geschehen. "Es muss klar werden, dass Kooperationsmodelle für Lehrer per se keine Zusatzbelastung sind, sondern vor allem Freude machen."

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