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Unterrichtsausfall an Schulen: Wie groß ist das Problem?

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Lehrerverbände fordern "glasklare Zahlen"  

Wird der Unterrichtsausfall an Schulen schöngerechnet?

19.04.2016, 07:17 Uhr | Susanne Reininger, dpa

Unterrichtsausfall an Schulen: Wie groß ist das Problem?. Unterrichtsausfall: Wie viele Stunden fallen an deutschen Schulen wirklich aus? Die Statistik hat viele Tücken. (Quelle: dpa)

Wie viele Stunden fallen an deutschen Schulen wirklich aus? Die Statistik hat viele Tücken. (Quelle: dpa)

Ausfall von Unterricht ist ein Dauerärgernis an deutschen Schulen. Elternvertreter und Bildungsverbände verlangen von den Kultusbehörden, nicht nur komplett ausgefallene Stunden, sondern auch Vertretungsunterricht in ihre Statistiken aufzunehmen. Doch wie lässt sich das Kernproblem lösen?

Der Deutsche Philologenverband, der die Gymnasiallehrer vertritt, ist der Ansicht, dass die Bundesländer massiven Stundenausfall wegen Lehrermangels statistisch verschleiern. Das kritisierte der Verband auch schon vor einem Jahr. Das Thema sei "nach wie vor heiß an den Schulen", sagt der Vorsitzende Heinz-Peter Meidinger. Sein Eindruck sei, dass viele Länder "gar nicht so genau wissen" wollen, wie viel Unterricht tatsächlich komplett ausfällt oder nur vertreten wird.

Wie viel Unterricht fällt wirklich aus?

Wegen der aktuellen Debatten in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein fordert Meidinger "glasklare Zahlen" aus den Kultus- und Bildungsministerien. Denn es gebe weiterhin erhebliche Differenzen zwischen dem Eindruck von Elternvertretern und den offiziellen Statistiken zum Unterrichtsausfall. Meidinger geht davon aus, dass tatsächlich sechs bis sieben Prozent der Schulstunden nicht erteilt werden. Dies stehe im krassen Gegensatz zu offiziell 1,7 Prozent Unterrichtsausfall wie zuletzt in Nordrhein-Westfalen.

"Verschleierung" oder unterschiedliche Erhebungen?

Die jeweiligen Landesrechnungshöfe - die als unabhängige Organe den Haushalt ihrer Bundesländer prüfen - kommen stets zu deutlich höheren Ausfallquoten als die Statistiken der Ministerien. Die Rechnungshöfe betreiben in aller Regel mit eigenem Personal intensive Datenerhebungen, in dem sie Klassenbücher, Vertretungspläne und ähnliche Dokumente auswerten. So erhalten sie genauere Daten.

Allerdings ziehen die Länder keine Konsequenzen aus den abweichenden Ergebnissen. "Die Ministerien wollen nur wissen: Wie oft wurden die Kinder heimgeschickt, wann war gar kein Lehrer in der Klasse?", kritisiert Meidinger.

Auch Vertretungsstunden müssen einfließen

Eine andere große Bildungsgewerkschaft, der Verband Bildung und Erziehung (VBE), wirft den Ministerien ebenfalls "Verschleierungstaktik" vor. "Unterrichtsausfall muss auch so benannt werden", betont der VBE-Bundesvorsitzende Udo Beckmann. Er ergänzt: "Es muss auch deutlich gemacht werden, wie viele Stunden von Lehrern über ihre reguläre Unterrichtsverpflichtung hinaus vertreten werden. Das schafft die Basis für eine ehrliche Berechnung zusätzlicher Kapazitäten."  

Aus Sicht des VBE ist eine Stellenreserve von acht Prozent für jede Schule ein Minimum, um Unterrichtsausfall zu begegnen. Der Philologenverband verlangt ebenfalls "integrierte Reserven" sowie "mobile Lehrer", um Stundenausfall abfedern zu können. Doch "mobile Reservisten" eignen sich eher für Vertretungsstunden an Grundschulen, jedoch nicht an Gymnasien.  

Daten der Bundesländer nicht vergleichbar

Deutschlandweit erheben die für Bildung zuständigen Ministerien der Bundesländer zwar regelmäßig Daten über den Unterrichtsausfall. Diese sind aber nicht vergleichbar, denn Bildung ist Sache der Länder. So definiert jedes Bundesland für sich, was als "kompletter Unterrichtsausfall" gilt und was als "Vertretungsunterricht". "Als Vertretung kann ja auch gelten, dass ein Lehrer in der Aula für 150 Schüler die Hausaufgaben beaufsichtigt“, erläutert Meidinger.

Schon 2013 kam die AG Schulforschung der Ruhr-Universität Bochum und der FH Nordwestschweiz in einem Gutachten zu dem Schluss: "Die Erhebungen aller Bundesländer weisen offensichtlich methodische Mängel auf." Die Ursache sei "zu wenig transparente und klare Definition von Unterrichtsausfall" .

Einheitliche Statistik nötig

Beckmann vom Verband Bildung und Erziehung fordert deshalb einen einheitlichen Maßstab: "Aus Sicht des VBE ist Unterrichtsausfall jede Unterrichtsstunde, die nicht gemäß des Stundenplans gehalten wird. Findet eine Vertretung in einem anderen, beliebigen Fach statt oder werden Klassen zusammengelegt und damit das Lernniveau nicht beibehalten, ist dies Unterrichtsausfall."  Ob die Fachstunde nachgeholt wird, bleibt bei dieser Definition jedoch außen vor.

Fakt ist, dass es für einen bundesweiten Vergleich einheitliche Definitionen, genauere Daten und eine Systematisierung der Gründe für einen Unterrichtsausfall geben muss - also eine verpflichtende Unterrichtsausfallstatistik für alle Schulen.

Unterrichtsausfall geht zu Lasten leistungsschwacher Schüler

Doch welche Auswirkungen hat der Unterrichtsausfall? Die Ruhr-Universität verweist auf wissenschaftliche Belege, "dass sich Unterrichtsausfall insbesondere an Schulen in sozialen Brennpunkten negativ auswirkt." 

Leistungsschwache Schüler und solche aus sozial schwächeren Familien scheinen durch die Abwesenheit von Lehrern negativ beeinflusst zu werden, so die Forscher. Umgekehrt bedeute dies, "dass gerade für Schulen in schwierigen sozialen Lagen Vertretungskonzepte, die den Unterrichtsausfall sinnvoll begrenzen und minimieren" sehr wirkungsvoll seien. Die Gutachter plädieren daher dafür, "Ressourcen nicht in die Erfassung, sondern die Vermeidung von Unterrichtsausfall zu stecken".  

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