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Lehrer steht wegen Freiheitsberaubung vor Gericht

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Konflikt im Klassenraum eskaliert  

Musiklehrer steht wegen Freiheitsberaubung vor Gericht

04.08.2016, 19:12 Uhr | Petra Albers, dpa

Lehrer steht wegen Freiheitsberaubung vor Gericht. Angeklagter Musiklehrer im Amtsgericht in Neuss. (Quelle: dpa/Archiv)

Angeklagter Musiklehrer im Amtsgericht in Neuss. (Quelle: Archiv/dpa)

Wer hat hier übertrieben? Schüler behaupten, dass der Lehrer sie nicht aus dem Klassenraum gelassen und einen von ihnen geboxt habe. Lehrer und Rektor wiederum sprechen von einer alltäglichen Schulsituation. Was wirklich geschah, muss jetzt ein Gericht klären.

Zunächst war es wohl eine ganz normale Unterrichtsstunde an der Realschule in Kaarst am Niederrhein: Der Musiklehrer will der Klasse 6b etwas erklären, aber die Schüler sind laut und hören nicht zu.

Laut Staatsanwaltschaft habe er den Schülern daraufhin eine Strafarbeit aufgebrummt, mit der Absicht, sie nicht rauszulassen, bis diese erledigt sei. Als ein Junge trotzdem gehen wollte, soll er ihm in den Bauch gestoßen haben - der 13-Jährige habe danach über Schmerzen geklagt. Jetzt sitzt der Lehrer wegen Freiheitsberaubung und Körperverletzung auf der Anklagebank. 

Musiklehrer: "Unterricht in schriftlicher Form fortgeführt"

Im Prozess vor dem Amtsgericht Neuss schildert der Pädagoge Phillip Parusel den Vorfall so: In der Musikstunde sollte es an jenem Tag im April 2015 um den Geigenvirtuosen Paganini gehen. Eigentlich habe er den Kindern ein kurzes Hörspiel vorspielen wollen, aber die Schüler seien zu unruhig gewesen. "Deshalb habe ich mich entschlossen, den Unterricht in schriftlicher Form fortzuführen", erklärt der 50-Jährige. "Das war keine Strafarbeit." Er trug den Schülern auf, einen Text über Paganini abzuschreiben.

Weggeschoben oder in den Magen geboxt?

Etwa zehn Minuten vor Unterrichtsschluss setzte sich der Lehrer demonstrativ mit seinem Stuhl in den Türrahmen. Die Schüler forderte er auf, sich in einer Reihe aufzustellen und ihm nacheinander ihre Arbeiten zu geben. "Das dauerte natürlich einige Minuten. Aber wer abgegeben hatte, durfte gehen." Ein Schüler habe sich vorgedrängt und gesagt, er müsse jetzt los. "Ich habe ihn weggeschoben, er sollte sich anstellen, wie die anderen", erzählt der Angeklagte und betont: "Ich habe ihm nicht in den Magen geboxt." Ein anderer Junge rief per Handy die Polizei - er musste nach Angaben des Lehrers länger dableiben, weil er Ordnungsdienst gehabt habe.

Schüler bewerten den Vorfall unterschiedlich

Dieser heute 14-jährige Junge stellt die Situation anders dar: "Die Schüler, deren Arbeiten unvollständig waren - so wie meine - durften nicht gehen", sagt er als Zeuge vor Gericht. Das Verhalten des Musiklehrers sei schon zuvor teilweise "furchterregend" gewesen - unter anderem habe er mit Schlagzeugstöcken laut auf den Tisch gehauen. Er habe gesehen, wie der Angeklagte seinen Freund "recht heftig" in den Bauch gestoßen habe, berichtet der Schüler. Ein anderer Junge relativiert das im Zeugenstand: Der Stoß sei von normaler Kraft gewesen - "nicht heftig und nicht leicht".

Rektor: Nach Anruf der Polizei das Schlimmste befürchtet

Nach dem Notruf hatte die Polizei den Schulleiter alarmiert, der kurz vor den Beamten zum Klassenraum geeilt kam. Er habe das Schlimmste befürchtet, sagte der Rektor als Zeuge aus. "Als die Leitstelle anrief, hieß es, dass im Musikraum ein Lehrer Schüler eingeschlossen hätte und sie schlagen würde." Doch dort angekommen habe er eine vollkommen unaufgeregte Situation vorgefunden. "Es sah aus wie ganz normaler Alltag", erinnert sich der 60-Jährige. Fast alle Schüler seien bereits weg gewesen.

Schüler bekunden Solidarität: "Free Parusel" 

Vor dem Gerichtsgebäude stehen ehemalige Schüler, die ihren früheren Lehrer unterstützen und T-Shirts mit Solidaritätsbekundungen tragen: "Free Parusel". Ein Mädchen sagt: "Wir können uns nicht vorstellen, dass die Vorwürfe gegen ihn stimmen. Das ist so ein herzlicher Mensch, bis der mal lauter wird, da muss wirklich schon viel passieren."

Der Prozess wird am 24. August fortgesetzt. Dann soll unter anderem der angeblich gestoßene Schüler als Zeuge gehört werden. Ob dem Lehrer neben einer Verurteilung auch berufliche Konsequenzen drohen, ist noch unklar. Die Bezirksregierung prüft nach eigenen Angaben, ob sie ein Disziplinarverfahren einleitet. Dies hänge maßgeblich vom weiteren Verlauf des Strafverfahrens ab.

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