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Freiheitsberaubung: Lehrer wegen Nachsitzen in Neuss verurteilt

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Fortbildung statt Strafe  

Richter verurteilt Lehrer wegen Freiheitsberaubung

24.08.2016, 19:06 Uhr | dpa

Freiheitsberaubung: Lehrer wegen Nachsitzen in Neuss verurteilt. Angeklagter Musiklehrer im Amtsgericht in Neuss. (Quelle: dpa/Archiv)

Angeklagter Musiklehrer im Amtsgericht in Neuss. (Quelle: Archiv/dpa)

Im Prozess um einen Musiklehrer, der Schüler am Verlassen des Klassenzimmers gehindert haben soll und deshalb wegen Freiheitsberaubung vor Gericht stand, kam es nun zu einem Urteil.

Strafarbeiten, Nachsitzen und ähnliche Erziehungsmethoden in der Schule hat ein Gericht in Nordrhein-Westfalen infrage gestellt. Der Amtsrichter Heiner Cöllen verurteilte einen Realschullehrer in Neuss wegen Freiheitsberaubung, weil er Schüler am Verlassen des Klassenraums gehindert hatte. Cöllen sprach den Pädagogen schuldig, beließ es aber bei einer "Verwarnung mit Strafvorbehalt".

Lehrer muss sich jetzt fortbilden

Als Auflage muss sich der Musiklehrer im Umgang mit undisziplinierten Schülern fortbilden. Andernfalls drohen ihm 1000 Euro Geldstrafe. Vom Vorwurf der Körperverletzung wurde der Pädagoge freigesprochen.

Schüler rief die Polizei

Der Lehrer hatte einer lauten Schulklasse im Unterricht eine schriftliche Arbeit aufgebrummt: Sie mussten einen Wikipedia-Eintrag über einen Musiker abschreiben. Nach dem Unterricht mussten die Sechstklässler ihre Arbeiten einzeln abgeben. Dabei hatte der Lehrer mehrere Schüler daran gehindert, den Raum zu verlassen. Einer von ihnen hatte schließlich per Handy die Polizei gerufen.

Mit der Faust in den Bauch getroffen

Zudem hatte der 50-Jährige einen Schüler bei der Rückgabe einer Arbeit mit der Faust in den Bauch getroffen. Der Schüler selbst wollte dem Pädagogen im Zeugenstand aber keine Absicht unterstellen: Es habe auch nicht lange wehgetan, versicherte der 13-Jährige. Die letzte Stunde sei zu Ende gewesen und alle hätten schnell nach Hause gewollt.

Abschreiben unzulässige Kollektivmaßnahme

Zwar versicherte der Richter dem Angeklagten "volles Verständnis für ihren schweren Job": "Was macht ein Lehrer, dem die Schüler auf der Nase herumtanzen?", fragte er. Dass sich der Lehrer nach Unterrichtsende mit seinem Stuhl und einer Gitarre auf den Knien vor die Klassentür gesetzt und Schüler nicht herausgelassen habe, erfülle dennoch den Tatbestand der Freiheitsberaubung.

Das Abschreibenlassen eines Wikipedia-Eintrags sei zudem wohl eine unzulässige Kollektivmaßnahme gewesen. Aber darauf komme es nicht an.

"Ich bin offen für Tipps"

Nach seiner Verurteilung zeigte sich der Lehrer dennoch erleichtert: Der Vorwurf der Körperverletzung sei vom Tisch und die Fortbildung sehe er als "produktives Angebot": "Ich bin offen für Tipps."

Ob er das Urteil akzeptieren wird, ließ er aber offen. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hatte 1500 Euro Geldstrafe beantragt, der Verteidiger Freispruch gefordert: Sein Mandant habe seine Aufsichtspflicht erfüllt, in dem er nicht alle Schüler gleichzeitig aus dem Raum habe stürmen lassen.

"Das passiert vermutlich jeden Tag"

"Bedenklich" nennt die NRW-Vorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, Dorothea Schäfer, die Entscheidung: "Das passiert vermutlich jeden Tag in irgendeiner Schule in NRW. Es sollte möglich sein, dass Schüler auch mal fünf Minuten länger in einer Klasse bleiben."

"Damit geht er einen Schritt zu weit"

"Das Ende des Unterrichts bestimmt der Lehrer - sonst niemand", sagt auch Udo Beckmann vom Lehrerverband VBE, zeigt aber Verständnis für das Urteil: "In der Regel hat der Lehrer den Schüler nicht anzufassen. Damit geht er einen Schritt zu weit." Schüler dürften nicht körperlich am Verlassen des Klassenraums gehindert werden.

Er habe lediglich einen Vordrängler zurück geschoben, sagte der Musiklehrer. Sich in einer Reihe anzustellen müsse schließlich möglich sein und notfalls auch beigebracht werden.

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