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Sexuelle Gewalt: Schulen sollen sich stärker engagieren

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Schulen gegen sexuelle Gewalt  

In jeder Klasse sitzt mindestens ein Opfer sexueller Gewalt

13.09.2016, 16:08 Uhr | AFP, dpa

Sexuelle Gewalt: Schulen sollen sich stärker engagieren. "Sexuelle Gewalt an Schulen" - das Tabu soll gebrochen werden. (Quelle: dpa)

"Sexuelle Gewalt an Schulen" - das Tabu soll gebrochen werden. (Quelle: dpa)

Es ist immer noch ein Tabu an deutschen Schulen - mit einem enormen Ausmaß: In jeder Klasse gibt es Kinder, die sexuelle Gewalt erlebt haben. Auch die Schule selbst kann Tatort sein. Nun will die Initiative "Schule gegen sexuelle Gewalt" dagegen angehen.

"Wir müssen davon ausgehen, dass in jeder Schulklasse mindestens ein bis zwei Mädchen und Jungen von sexueller Gewalt betroffen sind." Diese alarmierenden Zahlen nennt der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, zum Start der bundesweiten Initiative, die bis 2018 alle 30.000 Schulen in Deutschland erreichen soll. 

Ziel ist es, dass Verdachtsfälle nicht verschwiegen werden und die Schulleitungen den Kinderschutz zur Chefsache machen. Keine Schule solle sagen können, sie sei vom Phänomen des sexuellen Missbrauchs überrascht worden, fordert Rörig.

Selbst deutliche Signale werden ignoriert

"Es gibt an Schulen eine große Unsicherheit im Umgang mit sexueller Gewalt", weiß der Missbrauchsbeauftragte. Viele Lehrer hätten Angst vor Falschbeschuldigungen oder wüssten nicht, was bei einem Verdacht zu tun sei. Für die betroffenen Kinder sei es aber wichtig, dass ihre Signale wahrgenommen werden.

Diese Gründe schützen die Täter

  • Angst vor Nestbeschmutzung und Imagschaden
  • Angst vor Falschbeschuldigung
  • Scheu nachzufragen
  • Unwissenheit bei Lehrern, was im Verdachtsfall zu tun ist
  • Mangelnde Konsequenz der Schulleitung in Aufklärung und Vorbeugung

Schule muss Kinder schützen

Schulen hätten auch einen Kinderschutzauftrag, betont Rörig. Mädchen und Jungen, die sexuelle Gewalt in der Familie, im Bekanntenkreis, in Sportvereinen oder durch Gleichaltrige erleiden, müssten in den Schulen Schutz und Hilfen finden. Dies gelte auch für sexuelle Übergriffe in digitalen Medien, zum Beispiel Sexting, also das Verschicken von Nacktfotos. "Nur in der Schule können wir alle Kinder und Jugendlichen erreichen", sagt Rörig.

Catharina Beuster vom Betroffenenrat beim Missbrauchsbeauftragten erklärt, Missbrauch habe "weniger Raum", wenn sich Fachkräfte sicher fühlten und "auch die vorsichtigen Signale von Kinder hören und Hilfe vermitteln können". 

Unglaublich dreist 
Dreiste Grabschattacke am Fahrstuhl

Hoffentlich helfen die Videoaufnahmen bei der Ermittlung des Täters. Video

"Das epidemische Ausmaß einer Volkskrankheit"

Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in Deutschland hat nach Einschätzung des Rostocker Pädagogikprofessors Jens Brachmann das "epidemische Ausmaß einer Volkskrankheit". In der Kriminalstatistik aktenkundig geworden sind 2015 rund 12.000 Fälle von Missbrauch von Kindern und mehr als 1000 Fälle von Missbrauch von Jugendlichen. Die Zahl der Fälle ist seit Jahren relativ konstant.

Brachmann, der auch Mitglied der Aufarbeitungskommission Kindesmissbrauch ist, vermutet jedoch eine "mindestens sechsstellige" Dunkelziffer. "Das bedeutet, dass aktuell in Deutschland mehr als eine Million Kinder und Jugendliche leben, die von sexueller Gewalt betroffen sind." Das seien etwa sieben Prozent der Jungen und 18 Prozent der Mädchen.

"Betroffene senden Signale"

Die Initiative "Schule gegen sexuelle Gewalt" soll Lehrer ermutigen, einem Verdacht nachzugehen. Alle Betroffenen würden Signale aussenden, sagt Catharina Beuster. Sie wurde selbst als Schülerin Opfer von sexueller Gewalt durch einen Lehrer. Bis heute sei sie erschüttert über die "stumme Hilflosigkeit" ihrer Umgebung. An der Uni hat die 32-Jährige später ihre Abschlussarbeit über das Thema geschrieben. Sie engagiert sich im Betroffenenrat beim Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig.

"Wenn eine Schülerin im Sommer mit Rollkragenpullover in die Schule kommt, macht sie das vielleicht auch, um Knutschflecke zu verdecken", erklärt Beuster. Wenn eine Schülerin im Unterricht wegen Konzentrationsmangel auffalle, könne das an den schlimmen Bildern von den Taten liegen, die immer wieder in ihr hochkämen.

Wenn ein Lehrer der Täter ist

Besonders heikel ist die Situation, wenn die Schule selbst zum Tatort und Lehrer zu Tätern werden. Andere Lehrer hätten dann oft Angst, Kollegen falsch zu beschuldigen, sagt Rörig. An vielen Schulen herrsche die Angst vor "Nestbeschmutzung" und einem Imageschaden, so die Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe. Oft stehe die Schulleitung nicht hinter konsequenter Aufklärung und Vorbeugung, meint Catharina Beuster. Sie sagt, schon kleine Schritte, schon etwas mehr Aufmerksamkeit ihrer Umgebung hätten ihr als Schülerin helfen können.

So funktioniert die bundesweite Aktion

Das soll sich nun ändern. nach und nach sollen alle Schulen in Deutschland bei der Entwicklung von Schutzkonzepten beraten werden. Dafür gibt es eine umfassende Infomappe und das Internetportal www.schule-gegen-sexuelle-gewalt.de. Doch die Verantwortung für den Erfolg bleibt bei den Schulen. 

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