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Schulweg mit Notfallknopf: Warum Kinder zur Schule laufen sollten

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Schulweg mit Notfallknopf  

Warum Kinder zur Schule laufen sollten

22.09.2016, 17:26 Uhr | dpa

Schulweg mit Notfallknopf: Warum Kinder zur Schule laufen sollten. Aktionswochen sollen tausende Schüler animieren, zu Fuß zur Schule zu gehen. (Quelle: dpa)

Aktionswochen sollen tausende Schüler animieren, zu Fuß zur Schule zu gehen. (Quelle: dpa)

Immer weniger Kinder legen den Schulweg zu Fuß zurück, sondern werden mit dem Auto gefahren. Das hat Folgen: Gerade vor Schulen ist die Verkehrssicherheit oft nicht gewährleistet. Aktionen und Hilfsmittel sollen Abhilfe schaffen.

Der Feind ist die Uhr: Kurz vor Schulbeginn bricht das Chaos in der eigentlich ruhigen Seitenstraße aus. Familienkutschen brettern über den Zebrastreifen, kommen schließlich auf einem Gehweg zum Stehen. Von den Rückbänken purzeln müde Kinder mit Schulranzen und trotten Richtung Schultor.

Eltern müssen umdenken

Mami oder Papi drücken da schon wieder aufs Gaspedal, sofern ihnen die Autos anderer Eltern Platz dafür lassen. Solche Szenen sind ein Grund, warum sich Polizei, Lehrer und Verkehrsexperten an vielen Orten für ein Umdenken aussprechen.

Schüler zu mehr Bewegung animieren

Zum Zu-Fuß-zur-Schule-Tag am 22. September weisen unter anderem das Deutsche Kinderhilfswerk und der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD) auf die Probleme hin, die gerade in Städten mit Elterntaxis einhergehen. Aktionswochen bis Ende September sollen tausende Schüler zur mehr Bewegung animieren. Zwar mag für Eltern der Schutz ihrer Sprösslinge vor Regen, möglichen Verkehrsgefahren oder Belästigungen vorrangig erscheinen. Gegen das Elterntaxi aber spricht vieles.

Kinder verunglücken häufiger im Auto

Jörg Becker vom ADAC Berlin-Brandenburg ist nicht allein mit der Befürchtung, dass es chauffierten Kindern an Bewegung, sozialen Kontakten und später an Konzentrationsfähigkeit in der Schule mangele. "Und die Kinder verpassen es, vielleicht in Begleitung eines Erwachsenen ein sicheres Verhalten im Verkehr einzuüben", sagt Becker. Zumal der Sicherheitsgedanke trügerisch ist: Sechs- bis Neunjährige verunglückten am häufigsten als Mitfahrer im Auto und seltener als Fußgänger, betont Becker.

"Nicht mehr in der Lage, ein Fahrrad zu bewegen"

In Berlin sei die Zahl der Unfälle mit Kindern in den vergangenen Jahren eher rückläufig, betont Andreas Tschisch, der bei der dortigen Polizei den Fachstab Verkehr leitet. Allerdings würden etwa zwei Drittel davon von Kindern verursacht - sie gefährden sich selbst. Heutzutage beobachte die Polizei bei Kindern ein unselbstständigeres Verhalten im Verkehr und zunehmende motorische Probleme. "Viele Grundschulkinder sind gar nicht mehr in der Lage, ein Fahrrad zu bewegen", sagte Tschisch. Der Aktionstag sei eine "vernünftige Angelegenheit".

Kinder mit GPS "verfolgen"

Weil viele Eltern so verunsichert sind, gibt es inzwischen einen großen Markt an möglichen Hilfsmitteln. Die Rede ist nicht nur von orangefarbenen Mützchen oder Warnwesten, sondern von Apps oder Tracking-Uhren. Diverse Anbieter haben Produkte auf den Markt gebracht, mit denen auch Schulkinder zum Beispiel via GPS-Signal auf dem Bildschirm "verfolgt" werden können.

Bei Gefahr Notfallknopf drücken

"Kinder bekommen dadurch mehr Freiheiten und ihre Eltern können trotzdem beruhigt sein", erklärt Tim Hautkappe die von ihm mitbegründete App "KommGutHeim". 50 Prozent der mehr als 60.000 Nutzer seien Eltern und Kinder. Neuestes Element der App ist ein Notfallknopf, den man im Fall einer Gefahr drücken kann. Damit würden sekundenschnell zum Beispiel die Eltern alarmiert, so Hautkappe.

Gefährliche Stellen melden

Manche Initiativen, etwa in Baden-Württemberg, zielen darauf ab, dass Schüler auf Internetplattformen gefährliche Stellen auf ihrem Schulweg melden - und die Kommunen diese beheben.

Warnsignal, wenn sich ein Schulkind nähert

Andere Apps gehen noch weiter und führen Daten von Schulkindern und Autofahrern zusammen: Das Programm "Schutzranzen" lässt im Auto zum Beispiel ein Warnsignal ertönen, wenn sich ein Kind nähert, das die App ebenfalls nutzt. Auch Grundschulen sind eingespeichert, so dass Fahrer gewarnt werden, wenn sie in die Nähe kommen.

"Kinder nicht mit Technik überfordern" 

Verkehrsexperte Becker ist skeptisch. "Technik kann nicht die Eigeninitiative ersetzen", betont er. Manche Produkte könnten im Einzelfall eine Hilfe sein: "Aber man darf Kinder auch nicht mit Technik überfordern, so dass sie zusätzlich abgelenkt sind."

Elternhaltestellen in der Nähe von Schulen

Viele Experten sprechen sich für Elternhaltestellen in der Nähe von Schulen aus, eingebettet in Programme zur Verkehrserziehung. Bislang gibt es solche Haltezonen vereinzelt, mit eigenen Verkehrsschildern - mehrere etwa in Brandenburg, eine in Berlin-Kreuzberg.

Nicht von Tür zu Tür fahren

Auch Tschisch von der Polizei will Eltern das Fahren nicht gänzlich madig machen: Oft reiche es schon, wenn sie in 300 bis 400 Meter Entfernung zur Schule hielten. Das Begleitung bis zur Tür führe aber dazu, dass Kinder "ein Stück weit unmündig" gemacht würden für den Straßenverkehr, warnt er.

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