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Schulsport: Sind Kinder heute nicht mehr so sportlich wie früher?

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Sportunterricht  

Sind die Kinder heute nicht mehr so sportlich wie früher?

29.09.2016, 14:33 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Schulsport: Sind Kinder heute nicht mehr so sportlich wie früher?. Alle zehn bis 15 Jahre wird der Lehrplan im Sport angepasst. (Quelle: dpa)

Alle zehn bis 15 Jahre wird der Lehrplan im Sport angepasst. (Quelle: dpa)

Sport ist fester Bestandteil in allen Schulformen. Doch wie sieht der Schulsport heute aus? Hat er sich in den letzten Jahrzehnten verändert? Und sind die Kinder heute wirklich weniger sportlich?

Eins vorweg: Kinder sind heute nicht unsportlicher als früher. "Aber", so Günter Stibbe von der Deutschen Sporthochschule in Köln, "die Schere zwischen den sehr sportlichen und denen, die massive Bewegungsprobleme haben, geht weiter auseinander."

Sportunterricht steht vor Herausforderungen

Gerade für letztere ist der Schulsport umso wichtiger. Der Lehrplan - oder besser gesagt, die 16 Lehrpläne der 16 Bundesländer - sieht vor, dass ein breites Spektrum angeboten wird. "Der Sportunterricht soll Anreize schaffen, auch mal neugierig machen auf eine Sportart. Indem viele Sportarten abgedeckt werden, können die Kinder und Jugendlichen herausfinden, was ihnen liegt."

Als eine der Hauptherausforderungen sieht Stibbe den inklusiven Unterricht. Aber auch die Anzahl der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund und die damit zusammenhängenden Besonderheiten im Sportunterricht. "Genau diese Heterogenität ist aber auch wieder das Spannende, auf das man konzeptionell reagieren muss."

Überschaubare Risiken eingehen

Der Sportunterricht umfasst aber nicht nur verschiedene Sportarten, das Ausleben der motorischen Fähigkeiten und Anforderungen im sozialen, motivationalen und emotionalen Bereich. Sondern auch das Erfahren von Begrenzungen und das Vermitteln von Gefahren.

Ein guter Sportlehrer achtet darauf, dass die Schüler lernen, ihre Grenzen zu erkennen, aber auch einmal über ihren Schatten springen und ein überschaubares Risiko eingehen. "In der Ausbildung der Sportlehrer hat sich viel verändert. Aber eines bleibt immer gleich: Als Sportlehrer muss man eben Pädagoge sein, nicht nur Sportler."

Schüler nicht bloßstellen

Einige Sportlehrer  sind inzwischen dazu übergegangen, jedem Schüler einen Bereich freizustellen, in dem er keine Note machen muss. Aber das allein ist nicht die Lösung, meint Stibbe. "Man muss erspüren, ob es mit Angst zu tun hat, wenn ein Kind eine Übung nicht machen möchte. Denn auf Angst muss man ganz anders reagieren, alleine mit dem Kind reden, es unterstützen." Er ergänzt: "Im Sport läuft viel über den Körper. Hier muss man besonders sensibel sein. Schließlich hat man die wichtige Aufgabe, den Schüler nicht bloßzustellen."

Sportunterricht steht nicht im Fokus der Bildungspolitik

Alle zehn bis 15 Jahre wird der Lehrplan im Durchschnitt angepasst. "Wobei man natürlich ganz klar sagen muss: Der Sportunterricht steht dabei nicht im Fokus der Bildungspolitik", sagt der Gymnasialsportlehrer Michael Runkel. Er hat dafür Verständnis, weiß aber auch die Freiheiten, die der Lehrplan ihm lässt, zu schätzen.

"Natürlich ist auch das abhängig vom Bundesland und vor allem davon, wie es in der Fachschaft gehandhabt wird. Aber jedes Schulfach hat einen gewissen Spielraum. Im Lehrplan steht nicht, was man in jeder Stunde machen muss, sondern nur, dass bestimmte Bereiche abgedeckt sein sollen."

Eltern haben Angst vor Verletzungen

Rollbewegungen ist so ein typischer Bereich, der Eltern immer wieder auf die Barrikaden bringt - und zwar aus Sorge. Nicht ganz ohne Grund, denn werden diese unsachgemäß ausgeführt, kann es durchaus zu einigen Verletzungen kommen.

"Bei einem Purzelbaum kann nicht viel passieren, da man immer Kontakt zum Boden hat", erklärt der Nürnberger Physiotherapeut Stefan Schönmoser im Gespräch mit t-online.de. "Ganz anders sieht es da bei Rollbewegungen aus, bei denen man keinen Bodenkontakt mehr hat. Hier kann es durchaus zu ziemlichen Verletzungen kommen. Von Prellungen bis hin zum Schleudertrauma."

Verletzungen können nicht immer vermieden werden

In regelmäßigen Abständen kann man daher hören, dass die Rolle vorwärts oder rückwärts, die eigentlich für eine neue Position im Raum und damit für eine veränderte Wahrnehmung steht, inzwischen aus dem Programm genommen wurde, weil sie zu gefährlich sei.

Das stimmt so nicht. Doch niemand schreibt vor, welcher Art die Rollbewegung sein soll. Diese liegt im Ermessen des Lehrers. "Wobei die meisten Verletzungen sowieso nicht beim Turnen passieren, sondern beim Mannschaftssport", so Runkel. Das sind Verletzungen, die sich nicht vermeiden lassen.

Im Gegensatz zu solchen, die aufgrund von Ohrringen oder Ketten entstehen. Auch wenn Schüler, und manchmal auch Eltern, dafür nur wenig Verständnis aufbringen - Ohrringe müssen herausgenommen oder abgeklebt werden, Haare zusammengebunden werden, Brillen brauchen extra Bügel und Ketten gehören während der Sportstunden in den Spind und nicht an Hals, Arm oder Fuß.

Erfahrung und Bauchgefühl zählen

Schulsport ist für alle Schülerinnen und Schüler verbindlich. Gerade in der Unterstufe freuen sich die Kinder auf Unterricht, in dem sie sich bewegen dürfen. Motivationsprobleme kommen erst in den höheren Klassen. Da ist ungeliebter Schulsport schon mal ein Grund für Ausreden. Mal sind es Menstruationsbeschwerden, dann wieder Kopfweh - häufig Gründe, die man von außen nicht beurteilen kann. "Es ist tatsächlich schwer zu beurteilen, ob sich ein Kind wirklich schlecht fühlt oder simuliert. Hier hilft nur die Kombination Erfahrung und Bauchgefühl", weiß der Sportlehrer.

Ist Sportunterricht eine besondere Form des Mobbings?

Sieht man sich in entsprechenden Foren um, wird schnell klar: Viele halten Sportunterricht in der Schule für eine besonders fiese Art des Mobbings. Man denke nur an die Wahl der Mannschaften. "Mobbing passiert nicht von einer Sekunde auf die andere", sagt Runkel. "Man kann da ganz gut gegenarbeiten. Zum Beispiel genau die zum Mannschaftskapitän machen, die sonst eher auf der Bank bleiben, und sie wählen lassen."

Wobei er nicht bestreitet, dass sich soziale Unterschiede so manches Mal durchaus auch im Sozialverhalten zeigen. "Aber den Zahn kann man ihnen ziehen." Auch Stibbe hält von dem klassischen Wählen der Mannschaften nicht viel. "Es kann pädagogisch heikel sein. Es gibt ja zahlreiche andere Möglichkeiten. Meinen Studierenden sage ich immer: Stellen Sie sich vor, Sie würden zuletzt gewählt."

Trendsportarten halten Einzug in den Sportunterricht

In letzter Zeit wird der Ruf nach Trendsportarten immer lauter. Viele, gerade junge Sportlehrer, sind dem gegenüber auch offen. Sie brauchen aber spezielle Fortbildungen, bei denen Sicherheits- und Schutzaspekte im Vordergrund stehen, um Klettern, Inlineskaten oder Kampfsportarten anbieten zu dürfen. 

Aber häufig mangelt es schon daran, dass die Sportlehrer die dafür notwendigen Geräte nicht haben. Was Sportlehrer Stibbe gar nicht so schlimm findet: "Ist auch ganz gut, wenn man nicht jede Trendsportart übernimmt." Denn damit, so meint er, macht man immer auch ein Stück Jugendkultur kaputt.

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