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Immer mehr Vereine versorgen Schüler mit Frühstück

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Jedes dritte Schulkind frühstückt nicht  

Immer mehr Vereine versorgen Schüler mit Mahlzeiten und Zuwendung

03.11.2016, 11:11 Uhr | Nicola Wilbrand-Donzelli , t-online.de

Immer mehr Vereine versorgen Schüler mit Frühstück. Ein Pausenbrot ist für viele Schüler keine Selbstverständlichkeit. (Quelle: imago/blickwinkel)

Ein Pausenbrot ist für viele Schüler keine Selbstverständlichkeit. (Quelle: blickwinkel/imago)

Hungrig in die Schule gehen? Das ist für immer mehr Kinder in Deutschland Alltag. Viele Eltern haben nicht genug Geld oder investieren morgens nicht genug Zeit, um ihren Nachwuchs mit Frühstück zu versorgen. Zahlreiche Initiativen helfen, Schüler mit leckerer und gesunder Kost zu versorgen.

Mit knurrendem, leeren Magen morgens in die Schule gehen zu müssen, ist gerade für Kinder ein ungesunder Start in den Tag. Denn fehlt nach dem Aufstehen die Zufuhr von Energie, fällt das Denken deutlich schwerer und die Konzentration ist gedrosselt. Das haben zahlreiche Studien nachgewiesen.

Fast jedes dritte Kind geht ohne Frühstück zur Schule

Trotz solcher Erkenntnisse: In immer mehr Haushalten - oft betrifft es Kinder aus sozial schwachen und bildungsfernen Familien - wird auf die erste Mahlzeit des Tages nur wenig Wert gelegt. Hierzulande gehen bis zu dreißig Prozent der Schüler, so Zahlen des Robert-Koch-Instituts, regelmäßig ohne Frühstück aus dem Haus.

"Brotzeit" versorgt tausende Schüler mit Frühstück

Damit möglichst viele Schulkinder täglich ein gutes Frühstück bekommen, engagieren sich in Deutschland immer mehr regionale und überregionale Initiativen. Zu den bekanntesten zählt der Verein "Brotzeit", den die Schauspielerin Uschi Glas 2008 gemeinsam mit ihrem Mann Dieter Herrmann in München gründete.

Das Projekt, das durch Sponsoren-Finanzierung, Kooperationspartner aus dem Lebensmittelhandel und durch die Hilfe vieler ehrenamtlicher Mitarbeiter - meist sind es Rentner - ermöglicht wird, gibt es mittlerweile auch in Leipzig, Hamburg, Duisburg, Berlin und Heilbronn. Insgesamt werden so rund 5000 Kinder in 135 Grund- und Förderschulen mit einem Frühstück vor dem Unterricht versorgt.

Frühstücksservice für Kinder 

Auch das christliche Kinder- und Jugendwerk "Die Arche" hält an seinen 21 Standorten in deutschen Städten neben Mittagessen und Abendessen vielerorts kostenloses Schulfrühstück bereit. "Das gemeinsame Essen sehen wir als wesentlichen Moment, um mit unseren Kindern im Gespräch zu sein und Beziehungen zu pflegen", heißt es auf der Webseite der "Arche". "Sie erleben eine Atmosphäre, in der sie sich angenommen und zu Hause fühlen. Wir vermitteln ihnen: Essen und Gemeinschaft gehören zusammen."

Ebenfalls überregional setzt sich die "Deutsche Lebensbrücke e.V." mit ihren Frühstücksclubs, die zum Beispiel mit Schulen in München, Leipzig, Duisburg, Hannover und Frankfurt kooperieren, für bedürftige Kinder ein. Auch hier basiert die Finanzierung der Initiative auf Spenden.

Erst frühstücken, dann Eltern-Coaching

In Offenbach engagiert sich Diplomkaufrau Katja Werner seit Jahren für benachteiligte Kinder und ein besseres multikulturelles Miteinander. 2014 gründete sie die gemeinnützige GmbH "Von ich zu ich". Zum Projekt gehört neben ehrenamtlicher Förderung und Eltern-Coaching auch eine Frühstücksinitiative. Dreh und Angelpunkt ist die Goetheschule, die mit 650 Schülern - 90 Prozent davon haben einen Migrationshintergrund - die größte Grundschule der Stadt ist.

Bei Katja Werner laufen alle Fäden zusammen: Mit viel Herzblut arbeitet sie Hand in Hand mit der Schule, sammelt Spendengelder, sucht Partner aus der Wirtschaft, organisiert die Lebensmittel und koordiniert den Einsatz ihrer vier ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen, die sich gegen eine Aufwandsentschädigung fünfmal wöchentlich ab sechs Uhr morgens um das Frühstück kümmern.

Karotten und Vollkornbrot statt Chips und Riegel

Mittlerweile freuen sich jeden Tag rund hundert hungrige Mäuler auf die morgendliche Stärkung, die in einer orangefarbenen Box mit Goetheschule-Logo verpackt ist, um unnötige  Wegwerfverpackungen zu vermeiden. Die Idee dahinter: Die vitaminreiche und vollwertige Früh-Kost soll nicht nur für Schüler sein, die hungrig in die Schule kommen, sondern auch für diejenigen, die von zu Hause nur Schokoriegel, Chips oder zuckrige Drinks mit Zusatzstoffen mitbringen oder mitgebrachtes Geld eher für Süßes beim Bäcker ausgeben.

"Einige Kinder sind nicht daran gewöhnt in harte Karotten zu beißen oder festes Vollkornbrot zu kauen", erzählt Werner. "Mit unserer Frühstücksauswahl möchten wir den Schülern solche gesunden Lebensmittel schmackhaft machen. Jeder kann den Inhalt seiner Box frei zusammenstellen. Wir wollen niemand verbiegen - sonst würde wohl irgendwann keiner mehr kommen."

Süßer Happy-Tag für alle

Zur Wahl stehen in der Goetheschule immer zwei Wurst- und Käsesorten, sowie Obst und Rohkost nach Saison. Brot und Brötchen wechseln sich ab. Beim Kauf der Lebensmittel werden die unterschiedlichen kulturellen Bedürfnisse berücksichtigt, so dass muslimische Schüler nicht befürchten müssen, etwas Verbotenes zu essen. Die Produkte sind dann - wie etwa Putenaufschnitt - halal.

Dass Frühstück nicht nur gesunde Ernährung ist, sondern auch Spaß machen soll, zeigt die Regelung, die freitags an der Goetheschule zelebriert wird. Dann darf nämlich neben dem üblichen Sortiment ebenso Schokocreme, Honig und Marmelade aufs Brötchen geschmiert werden. "Das ist für viele der Happy-Tag. Die Kinder erkennen so, dass Süßes nicht grundsätzlich verteufelt wird und dass man es in Maßen genießen kann."

"Eine geringe Bezahlung schafft Wertigkeit"

75 Cent kostet ein Frühstück an der Offenbacher Goetheschule. Für eine Monatskarte mit 20 Mahlzeiten zahlen Eltern 15 Euro. Die Summe sei für die meisten Familien gut verkraftbar, betont Werner "Die Beliebtheit und Akzeptanz des Projektes leidet nicht unter dem Preis. Wir schaffen durch die Bezahlung auch eine gewisse Verbindlichkeit, geben den Lebensmitteln eine Wertigkeit, so dass das Essen dann bei Nichtgefallen nicht gleich weggeworfen wird.“

Der Erfolg der Frühstücksinitiative lässt sich nicht nur an satten und zufriedenen Kindern ablesen. Sie hat noch andere positive Effekte: So kommen die Schüler pünktlich zur Schule und den Müttern, die ihre Sprösslinge begleiten, wird vermittelt, wie wichtig regelmäßige Mahlzeiten und eine verlässliche Tagesstruktur sind. Das sei in vielen Familien nicht selbstverständlich, weiß Werner.

Schulfrühstück als wichtiger Teil der Integrationsarbeit

Bei der Ausgabe des Essens an die Schüler können Katja Werner und ihre Mitstreiterinnen schnell und unkompliziert Kontakt zu Eltern knüpfen.

"Meine muslimischen Mitarbeiterinnen sind dabei als vertrauensbildende Brücken unverzichtbar. Die Mütter wissen, dass während der Frühstücksausgabe und auch danach eine gute Möglichkeit ist, sich mit mir kurz auszutauschen, Sorgen anzusprechen oder organisatorische Fragen zu klären. Wir knüpfen Vertrauen zu den Eltern und können sie bei dieser Gelegenheit beispielsweise auf die Deutschkurse für Frauen, auf das Elterncafé, spezielle Sportangebote oder Coaching-Runden hinweisen. Das Schul-Frühstück wird so zu einem elementaren Teil der Integrationsarbeit."

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