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Pisa-Studie 2016: Koordinator meckert wieder über Deutschland

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"Pisa-Papst" Andreas Schleicher  

Die Bildungsreform in Deutschland hat an Schwung verloren

23.11.2016, 12:50 Uhr | dpa

Pisa-Studie 2016: Koordinator meckert wieder über Deutschland. Anfang Dezember werden die Ergebnisse der Pisa-Studie 2015 präsentiert. (Quelle: dpa)

Anfang Dezember werden die Ergebnisse der Pisa-Studie 2015 präsentiert. (Quelle: dpa)

Bei "Pisa" denken die Deutschen schon lange nicht mehr an Italien, sondern an das schlechte Abschneiden deutscher Schüler im internationalen Vergleich. Am 6. Dezember stehen die nächsten Ergebnisse an. Im Vorfeld kritisiert der "Pisa-Papst", dass die Reformen in Deutschland Schwung verloren hätten.

Der Koordinator für die Pisa-Studien, Andreas Schleicher, hat die deutschen Bildungspolitiker davor gewarnt, bei ihrem Reformeifer für die Schulen nachzulassen. Es gebe gewisse Bremsspuren, sagte der Experte der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Das Interview im Wortlaut finden sie hier.

"Schwung ist abgeflaut"

"Insgesamt hat diese Dynamik das Land wirklich nach vorn gebracht. Man muss aber leider sagen, dass der Schwung in den vergangenen Jahren wieder abgeflaut ist - und das ist langfristig sehr schade."

Ergebnisse der aktuellen Pisa-Studie im Dezember

Am 6. Dezember werden die Ergebnisse der sechsten internationalen Pisa-Bildungsstudie präsentiert. In Deutschland haben etwa 10.000 Schüler im Alter von 15 Jahren teilgenommen. Das Pisa-Debakel vor 15 Jahren mit miserablen Testergebnissen in Mathematik, Naturwissenschaften, Lese- und Textverständnis hatte eine breite Reformdebatte ausgelöst. 

"Die verbesserten Leistungen Deutschlands bei den Pisa-Tests der Nuller-Jahre sollten Ansporn sein, so weiterzumachen", sagte Schleicher. "Es gibt keinen Grund, warum Deutschland sich nicht an den leistungsstärksten Bildungssystemen orientieren sollte. Aber dafür bleibt noch viel zu tun, gerade bei der Chancengerechtigkeit."

Bildungserfolg immer noch von Herkunft abhängig

So zeigten Pisa-Studien der vergangenen Jahre, dass "hierzulande weiterhin der Bildungserfolg zu stark vom sozialen Kontext abhängig" sei. Der Experte betonte: "Die Gruppe der leistungsschwachen Schüler ist für ein Land wie Deutschland immer noch zu groß." Es gehe dabei "nicht nur um die Frage, ob diese Jugendlichen später alle einen Beruf finden". Schleicher sagte: "Wie wir mit den schwierigsten Schülern, den Schülern mit den schlechtesten Ausgangsbedingungen umgehen - das sagt etwas über uns selbst aus."

Zudem würden wirklich alle Menschen in einer Gesellschaft gebraucht. "Es gibt auch immer weniger Raum für Menschen ohne gute Bildung, sich einzubringen. Daher ist der Ansatz der Inklusion aller kein Luxus, sondern pure Notwendigkeit geworden - und eine Kernaufgabe von Bildungspolitik."

"Unter Flüchtlingen genauso viele Hochbegabte"

Bei der Integration von Flüchtlingen ins Bildungssystem sei Deutschland "auf dem richtigen Weg, auch wenn man langfristig noch viel mehr machen muss". Dass sich eine Art negativer Flüchtlingseffekt auf künftige Pisa-Resultate auswirke, sei "statistisch gar nicht möglich. Da ist der Anteil von Geflüchteten viel zu klein, um für ein Land wie Deutschland signifikante Veränderungen im Gesamtergebnis zu bewirken."

Außerdem solle man nicht davon ausgehen, dass die zuletzt neu ins Land Gekommenen allesamt nichts können, sagte Schleicher. "Wenn man unter vergleichbarem sozialen Kontext nachschaut, finden wir unter Flüchtlingen genauso viele Hochbegabte wie bei Schülern ohne Migrationshintergrund."

Was ist Pisa?

Die vier Buchstaben PISA stehen für den weltweit größten Schulvergleichstest. Das "Programme for International Student Assessment" wird seit 2000 alle drei Jahre von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Paris organisiert. Die OECD tut dies im Auftrag der Regierungen - beziehungsweise in Deutschland für die Kultusministerkonferenz der 16 Bundesländer (KMK). Ergebnisse werden erst nach gründlicher Auswertung im Jahr danach veröffentlicht.

Getestet werden 15-Jährige mit wechselnden Schwerpunkten in Mathematik, Naturwissenschaften sowie Lesen und Textverständnis. Am Pisa-Test 2012 nahmen 510.000 Mädchen und Jungen aus 65 Nationen teil - darunter die 34 OECD-Staaten, Partnerländer und aufstrebende Wirtschaftsregionen. In Deutschland machten damals rund 5000 Schüler mit. Beim Pisa-Test im Mai 2015 waren es doppelt so viele. Ihre Ergebnisse werden am 6. Dezember präsentiert.

Was ist Timms?

Timms steht für die ebenfalls internationale Schulleistungsstudie "Trends in International Mathematics and Science Study". Es geht um mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen. Bei der jüngsten Erhebung im Jahr 2015 wurden Viertklässler getestet - in Deutschland eine repräsentative Stichprobe von etwa 4000 Kindern an 200 Grund- und Förderschulen, so das federführende Institut für Schulentwicklungsforschung an der Technischen Universität Dortmund.

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