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Hochbegabung: Bund gibt 125 Millionen für leistungsstarke Schüler

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Viel Geld für Hochbegabte  

Bund und Länder investieren 125 Millionen Euro in Förderung

28.11.2016, 12:45 Uhr | dpa

Hochbegabung: Bund gibt 125 Millionen für leistungsstarke Schüler. Auch hochbegabte Kinder brauchen oftmals Unterstützung. (Quelle: dpa)

Auch hochbegabte Kinder brauchen oftmals Unterstützung. (Quelle: dpa)

Hochbegabte Schüler wurden in Deutschland bislang nicht ausreichend gefördert. Ein spezielles Programm soll das nun ändern.

Mit dem Einsatz von 125 Millionen Euro wollen Bund und Länder die besten Methoden finden, um leistungsstarke Schüler zu fördern. 300 Schulen sollen bundesweit über fünf Jahre hinweg Ansätze testen, die im Anschluss flächendeckend umgesetzt werden.

"Teil der Chancengleichheit"

In einigen Ländern gebe es deutlich mehr Schüler mit Spitzenleistung als in anderen, sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) bei der Vorstellung des Konzepts. "Auch aus diesem Grund ist klar: Hier müssen wir etwas tun." Angebote für Spitzenschüler seien Teil der Chancengleichheit. "Dazu gehört natürlich die Förderung der Schwachen, aber genauso gut die Förderung und Unterstützung derer, die leistungsstark sind."

Testphase in 300 Schulen

Bund und Länder teilen sich die Kosten. 300 Schulen starten im Schuljahr 2017/18. Ihre Förderungsansätze sollen vom Bund wissenschaftlich begleitet werden. Die Schulen vernetzen sich, um Erfahrungen auszutauschen. Denn immer noch fehlten Erkenntnisse darüber, welche Ansätze besonders wirksam sind, sagte Wanka.

"Alle Kinder haben Stärken"

Ab dem Schuljahr 2022/23 sollen die Erfolgsrezepten auf andere Schulen übertragen werden. "Tatsächlich geht es uns darum, Modelle zu entwickeln, die nicht nur Leuchtturm-Charakter haben", sagte die Bremer Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD), die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK). "Wichtig ist uns dabei die Erkenntnis: Alle Kinder haben Stärken." Lehrer müssten diese Stärken erkennen können.

Förderung schon in Grundschulen

Der Fokus liegt auf den Klassen eins bis zehn und auf den Hauptfächern, also Mathematik, Deutsch, Naturwissenschaften und Fremdsprachen, vor allem Englisch. Wie die Länder ihre Schulen aussuchen, steht ihnen frei. Die Hälfte der 300 Schulen sollten Grundschulen sein, sagte Wanka, der Rest weiterführende - von jeder Sorte.

Es gehe nicht um eine einmalige Förderung, sondern um eine andauernde Strategie, die fest im Unterricht verankert werden solle, sagte Bogedan. Die Schulen müssten ihre Kultur und Struktur so verändern, dass die Förderung von Leistungsstarken besser funktioniert.

Unterstützung für "Problemschüler" und Leistungsstarke

Bei der Umsetzung gibt es Spielraum: Die konkreten Ideen werden auf Länderebene entschieden. Die 16 für Schulpolitik zuständigen Bundesländer hatten sich im Juni 2015 in der KMK auf eine gemeinsame Strategie geeinigt. Bildungsstudien der vergangenen Jahre hatten gezeigt, dass Deutschland nicht nur seine "Problemschüler" stärker unterstützen sollte, sondern auch die Leistungsstarken.

"Leistungsstarke lange nicht im Fokus"

Der Deutsche Philologenverband verspricht sich von einem solchen Bund-Länder-Programm Fortschritte für das Bildungssystem. Es sei gut, "dass die Gruppe der leistungsstärksten Schüler jetzt auch mal in den Fokus gerät. Das war ja lange Zeit nicht der Fall", sagte der Chef der Gymnasiallehrergewerkschaft, Heinz-Peter Meidinger.

Kritik vom VBE

Udo Beckmann, der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), kritisierte: "Einmal mehr zeigt sich, dass Bund und Länder es versäumen, eine gemeinsame Richtung für die Bildungspolitik zu entwerfen. Anstatt Geld für die Entlastung und Unterstützung der Lehrer durch das Zusammenarbeiten in multiprofessionellen Teams auszugeben, werden Modellversuche finanziert. Wir brauchen ein Gesamtkonzept, das auf Nachhaltigkeit angelegt ist."

Hochbegabte Kinder erkennen

Für eine Hochbegabung des eigenen Kindes gibt es einige Hinweise. Ein Anzeichen kann sein, dass ein Kind sich etwa außergewöhnlich früh für Themen interessiert, die nicht altersgemäß sind, erklärt Martina Rosenboom von der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DGhK). "Viele Kinder fallen dadurch auf, dass sie bereits vor Schuleintritt lesen und rechnen können." Sie interessieren sich sehr für Buchstaben und Zahlen.

An die Bedürfnisse der Kinder anpassen

Oftmals spielen die Kinder auch vermehrt mit älteren Kindern, da das besser zur eigenen Sprachentwicklung passt. Sie erforschen Themen in einer Breite und Tiefe, die ungewöhnlich für ihr Alter ist. Die DGhK listet noch weitere Hinweise auf: So fühlen sich Kinder mitunter auch von ihrer Umwelt isoliert oder gelten in der Schule als Besserwisser oder Streber.

Hochbegabte Kinder können auch perfektionistisch und anderen gegenüber sehr kritisch sein. Rosenboom rät: "Eltern passen sich am besten den Bedürfnissen der Kinder an." Das Kind müsse sich in seiner Begabung akzeptiert fühlen

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