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Schwangerschaft  

Unerwünschte Kinder haben mehr Angst

05.01.2009, 10:07 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online

. Unerwünschte Kinder haben mehr Angst.

Unerwünschte Kinder haben mehr Angst. (Bild: imago)

von Petra Thorbrietz

Auch der Vater hat Einfluss

Die Annahme oder Ablehnung des Fötus ist die erste, ganz zentrale Erfahrung von Beziehung. Denn nicht nur über die Nabelschnur, auch über seine Sinnesorgane ist der Fötus eng an die Gefühlswelt der Mutter angeschlossen: Wenn sie Angst hat, schlägt ihr Herz schneller, ihre Blutgefäße verengen sich, die Gebärmutter zieht sich zusammen. Der Lebensraum des Fötus wird enger, der Sauerstoff in seiner Blutzufuhr knapp. Gleichzeitig dringen über die Nabelschnur Botenstoffe in seinen Organismus, die ihn biochemisch auf das Gefühl von Angst und Furcht programmieren. Über diesen Umweg hat auch der Vater Einfluss auf das neue Leben.

Stress führt oft zu Schreikindern

Erregungsmuster werden vom Gehirn aus gesteuert, und die entsprechenden neuronalen Netze bilden sich vor allem im letzten Drittel der Schwangerschaft aus. Zu diesem Zeitpunkt reagieren Föten auf Geräusche und Stimmen. Sie verknüpfen Erfahrungen wie Schreie oder heftige Bewegungen der Mutter mit negativen Erlebnissen wie einer harten Bauchdecke. Frauen, die während ihrer Schwangerschaft intensivem emotionalem Stress ausgesetzt waren, bringen öfter Schreikinder zur Welt, die auf kleinste Verunsicherungen mit Panik reagieren. Selbst im Grundschulalter zeigen sie noch häufiger Aufmerksamkeitsstörungen und Hyperaktivität. Und auch als Erwachsene reagieren solche Menschen sensibler auf jede Belastung.

Traumatische Erlebnisse im Uterus haben Einfluss auf Generationen

Die Gefühlswelt des ungeborenen Kindes wird über biochemische Marker als Reaktionsmuster im Organismus tief verankert - mit gravierenden Folgen. Unerwünschte Kinder, deren Mutter keine Bindung zu ihnen aufbauen kann, produzieren deutlich weniger Oxytocin, das Bindungshormon, das für den Aufbau von Beziehungen, vor allem aber für die Liebe zwischen Mutter und Kind zuständig ist. Selbst wenn sie gleich nach der Geburt in die Obhut liebevoller Pflegeeltern kommen, bleibt ihr Oxytocinhaushalt ein Leben lang geschwächt, weil seine Basis bereits in der Schwangerschaft gelegt wird. "Die Fähigkeit oder Unfähigkeit zu lieben", so Pränatalexperte Ludwig Janus, "kann so über Generationen weitervererbt werden." Da jede Schwangerschaft immer auch eine Auseinandersetzung mit der eigenen Kindrolle mit sich bringt, können traumatische Erlebnisse im Uterus auch noch Enkel und Urenkel beeinflussen. "Die Psychoanalyse", sagt Janus, "beschäftigt sich mit dem Sein, das bereits Sprache kennt. Die große Herausforderung ist jedoch die Phase davor, die uns ganz entscheidend prägt, an die wir uns aber nicht bewusst erinnern können."

Depression beginnt im Babybauch

Unerwünschte Kinder haben mehr Angst im Leben. Depression, Panikattacken, zwanghaftes Verhalten, Mager- und andere Sucht, können bereits im Mutterbauch angelegt werden - dann nämlich, wenn Nervennetze sich ausbilden, der Hormonhaushalt eingestellt und das Immunsystem reguliert wird. Die drei Faktoren bilden eine Stressachse, die dazu dient, den Organismus an die Herausforderungen seiner Umwelt anzupassen. Von dieser vorgeburtlichen Programmierung hängt ab, wie anfällig der Mensch ein Leben lang für Krankheit ist.

Zu oft fehlen Bedingungen für eine glückliche Schwangerschaft

Psychoanalytiker Ludwig Janus sieht jedoch noch ganz andere Konsequenzen: "Die Fähigkeit zum sozialen Miteinander, eine Tendenz zu Kriminalität und Gewalt, aber auch Friedfertigkeit und Empathie werden ganz entscheidend bereits in der Phase vor der Geburt geprägt." In Deutschland würde die Bedeutung der vorgeburtlichen Entwicklungszeit immer noch viel zu wenig erkannt, und die Bedingungen für eine glückliche Schwangerschaft fehlten häufig. "Bei 30 Prozent der Frauen in Deutschland setzen die Wehen vorzeitig ein. Fünf bis acht Prozent haben Frühgeburten. Das sind psychosoziale Signale! Jede fünfte Schwangerschaft endet in einer Abtreibung", sagt Janus. "Da stimmt etwas ganz Fundamentales mit dieser Gesellschaft nicht."

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