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Frühchen: Und plötzlich war das Baby da

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Frühstart: Und plötzlich war das Baby da

04.03.2009, 10:14 Uhr | sca, dpa

Lara - Frühgeburt im 7. Monat  (Bild: ZDF und Manfred Karremann )Lara - Frühgeburt im 7. Monat (Bild: ZDF und Manfred Karremann )"Ich war traurig, dass es so auf die Welt kommen musste". Manche Frühgeburten kündigen sich Tage vorher an, andere sind plötzlich einfach da. In Deutschland werden jedes Jahr 700.000 Babys geboren, davon 50.000 zu früh. Die ZDF-Dokumentation 37 Grad setzte sich unter dem Titel "Frühstart" mit den Grenzbereichen des Lebens auseinander. In Spezialkliniken in Berlin Neukölln und Hamburg trafen sie Eltern und Ärzte und sprachen mit ihnen über Hoffnungen, Ängste und - bei besonders frühen Frühchen - der schweren Entscheidung, zu behandeln oder nicht. Und der oft wochenlangen Belastung, dass das Ende immer nah sein könnte.#

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Es beginnt wie ein Albtraum

Manche Frühchen kommen so plötzlich auf die Welt, dass für die Mütter keine Zeit bleibt, sich auf die Situation einzustellen. Ein Arzt auf der Frühchenstation vergleicht in der ZDF-Dokumenation "37 Grad" die Situation eines Notkaiserschnittes in einer so frühen Phase der Schwangerschaft mit einem Unfall. Eine Mutter, deren Baby in der 31. Schwangerschaftswoche geboren wurde, berichtet: "Als ich aufgewacht bin, war ich alleine, der Bauch war weg, das Baby war weg, alle waren weg, ich wusste nicht, was passiert war." Erst Stunden nach dem Kaiserschnitt kommt es zur ersten Begegnung zwischen Mutter und Kind.

Was ist zu früh für ein Frühchen?

Kleine Wesen von Maschinen abhängig, alle Funktionen vom Computer überwacht, Schläuche in der Nase ersetzen die Nahrung. Es ist ein ständiger Kampf um das Leben, aber auch eine ständige Auseinandersetzung mit dem Tod für Eltern und Ärzte. Ab der 24. Schwangerschaftswoche sind Ärzte in Deutschland verpflichtet, die zu früh geborenen Babys zu behandeln. Manche Frühgeborene kommen bereits in der 23. Schwangerschaftswoche zur Welt, ein Grenzbereich der Medizin. Bei noch jüngeren Babys ist die Lunge oft noch so unreif, dass eine künstliche Beatmung nicht gerechtfertigt ist. Manchmal wird aber auch ihnen eine Chance gegeben, denn die Reife der Lungen exakt zu bestimmen, sei nicht immer einfach berichtet ein Spezialist einer Klinik für Frühgeborene. "Jeder Tag im Bauch der Mutter ist Gold wert", so der Mediziner. "Darf man das aus ethischen Gründen oder nicht? Was ist zu früh für ein Frühchen?" Das seien die Fragen, die sich die Ärzte immer wieder stellen müssen.

Eltern entscheiden mit Ärzten gemeinsam

Die Entscheidung über die Behandlung der Frühchen im Grenzbereich zwischen Leben und Tod, wird gemeinsam mit den Eltern geschlossen. Eltern werden in Beratungsgesprächen darüber aufgeklärt, dass diese Risikokinder eine viel höhere Wahrscheinlichkeit haben, Behinderungen davonzutragen. Ob eine Therapie durchgeführt wird, wie intensiv sie durchgeführt wird, wie viel man hilft, für alle diese Entscheidung wird ein Konsens mit den Eltern gesucht. Besonders belastend ist für die Eltern immer damit konfrontiert zu sein, dass das Ende immer nahen könnte. "Machen Sie sich mit dem Gedanken vertraut, dass Sie entscheiden müssen, die Geräte abzustellen" ist der Satz, der den Eltern nie mehr aus dem Kopf gehen wird. Die Eltern von Victoria-Natascha, die in der 23. Woche mit 520 Gramm geboren wurde, haben sich dazu entschieden, alles zu versuchen und gegebenenfalls mit den Behinderungen zu leben. Als es zu Komplikationen kommt und ihr Neugeborenes operiert werden muß, spricht die Mutter stundenlang kein Wort. Ein Psychologin betreut die jungen Eltern.



1000 Gramm - eine magische Grenze

Ein kleiner Patient hat eine wichtige Hürde geschafft. Neben seinem Bettchen hängt ein rotes Herz, in dem "1000g" und das Datum, an dem er die magische Grenze erreicht hat, vermerkt sind. Dieses sei eine wichtige Etappe, die die Kinder auf ihrem langen Weg geschafft haben, erklärte eine Kinderkrankenschwester. Eine Überlebensgarantie sei das aber noch längst nicht. Die Entwicklung der Frühchen verläuft nicht unbedingt in einer geraden Linie, sondern es gibt häufig Aufs und Abs. Auch wenn ein Kind die ersten Tage gut überstanden hat, kann es noch zu schwerwiegenden Komplikationen wie Atempause, Hirnblutungen oder Infektionen kommen, die lebensbedrohlich sind. So verbringen die Eltern oft Tage und Nächte zwischen Angst und Hoffnung und fürchten immer einen Anruf aus der Klinik. Häufig bleiben dann Behinderungen zurück: oft sind die Kinder blind bzw. schwer sehbehindert oder schwerhörig.

Was wird aus den entlassenen Frühchen

In der Dokumentation werden bereits entlassene Frühchen besucht, zum Beispiel die Eltern der Zwillinge Konrad und Johannes, die die Station schon lange verlassen haben. Aber die Angst vor dem Anruf aus der Krankenhaus bleibt eine bittere, unauslöschbare Erinnerung. Johannes hat große Probleme mit der Lunge, ihm geht es mittlerweile aber gut. Konrad kann seine linke Körperhälfte nicht spüren und auch nicht kontrolliert bewegen. Er hatte eine Gehirnblutung 4. Grades, die eine Gehirnhälfte ist fast weg, erzählt seine Mutter. Mit Hilfe einer Physiotherapie lernt er jetzt, mit seiner Behinderung zu leben. Der kleine Jeremias ist jetzt acht Monate alt, er verließ die Klinik als er sechs Monate alt war. Als er in der 23. Woche geboren wurde, wog er nur wenig mehr als 500 Gramm. Da die Beatmung bei ihm aufgrund seiner unreifen Lunge sehr kompliziert war, wurde seine Netzhaut nicht ausreichend durchblutet. Auf dem einen Auge ist er blind, auf dem anderen Auge sieht er fast nichts. Ein Problem, das sehr viele Frühchen haben.

Wenige, aber spezialisierte Kliniken

Studien belegen, dass Kliniken, in denen viele Frühgeburten behandelt werden, deutlich höhere Erfolgsquoten haben. Die Überlebenschancen sind höher und weniger Kinder die Kliniken mit Behinderungen verlassen. Sie haben das nötige Equipment, das Personal und die Erfahrung. Deshalb plädieren die Ärzte dafür, wenige, aber hoch spezialisierte Frühgeburtskliniken einzurichten, damit sie die optimale Versorgung gewährleisten können, und zwar 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr.


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