Startseite
Sie sind hier: Home > Eltern > Schwangerschaft >

Schwangerschaft: Werdende Väter im Gefühlschaos

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Werdende Väter  

Werdende Väter im Gefühlschaos

12.11.2009, 11:33 Uhr | Simone Blaß

Nicht nur Frauen werden durch eine bevorstehende Geburt verunsichert - auch Männer. Nicht nur Frauen werden durch eine bevorstehende Geburt verunsichert - auch Männer. (Bild: Archiv)Wenn der Schwangerschaftstest ein positives Ergebnis zeigt, dann schwanken die Gefühle meist zwischen Freude und Angst. Und zwar nicht nur bei den Frauen, sondern auch bei den Männern. Denn egal, wie groß der Wunsch, Vater zu werden, vorher war - von jetzt ab wird alles anders sein. Und das kann ziemlich verunsichern.

Buchtipp Hilfe, wir sind schwanger!
Vätertest Wie ist das Verhältnis zu ihrem Kind?
Test Sind Sie reif für das erste Kind?
Forum Diskutieren Sie mit
Newsletter Immer top-informiert mit dem Eltern-Newsletter

t-online.de Shop Produkte für Ihr Baby

Das Schutzbedürfnis der Frau steigt jetzt

Ein bisschen Stolz ist bei den meisten Männern schon dabei, wenn sie erfahren, dass sie Vater werden. Doch zunächst ist von außen betrachtet alles für sie sehr irreal. Die Frau sieht aus wie immer. Die Veränderungen allerdings, die ein Kind mit sich bringt, zeigen sich nicht erst ab seiner Geburt, sondern bereits jetzt. Der weibliche Körper ist mit all den hormonellen Umstellungen beschäftigt, die Gedanken kreisen erst mal nur noch um das werdende Leben. Und die Hormone spielen durchaus immer mal wieder verrückt. Für den zukünftigen Vater keine leichte Situation. „Geduldig bleiben“, rät da Hebamme Sarah Horras. „Ein Mann kann seine Frau optimal in der Schwangerschaft begleiten, indem er viel Verständnis aufbringt für die ungewöhnliche Situation und eingeht auf die veränderten Bedürfnisse.“ Das bedeutet aber nicht nur, dass er ihr die eventuell gewünschten sauren Gurken mit Sahne besorgt, sondern dass er sich vor allem in bestimmten Situationen tolerant zeigt. "Aufgrund der Hormonsituation macht die Frau oft sehr schnell wechselnd verschiedene Stimmungen durch. Der Mann sollte also nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen und Geduld zeigen mit generellen Gefühlsausbrüchen. Es macht keinen Sinn, zwanghaft den wahren Grund herausfinden zu wollen. Meistens gibt es keinen. Die Frau braucht einfach Trost.“ Und eine starke Schulter zum Anlehnen.

Der Geburtsvorbereitungskurs gibt Antworten

Nicht alle Männer sehen diese Entwicklung mit Begeisterung. Sie sind an eine "starke" Frau gewöhnt und stehen jetzt vor verschiedenen Problemen. Nicht nur, dass sie das Gefühl haben, von nun an die gesamte Verantwortung für diese kleine Familie zu tragen, auch die Tatsache, dass die eigenen Bedürfnisse für eine Weile in den Hintergrund rücken, kann dem einen oder anderen ziemlich zu schaffen machen. Hinzu kommen einige brennende Fragen, zum Beispiel die eigene Freiheit oder die Sexualität betreffend. Hier kann ein Geburtsvorbereitungskurs hilfreich sein. Die meisten Hebammen bieten in ihren Kursen ein oder zwei Partnerabende an, an denen nicht nur der Geburtsverlauf besprochen wird, sondern auch solche Themen ganz offen zur Sprache kommen.

Ängste abbauen

„Aber auch die Schwangerschaft an sich macht vielen Männern Angst“, verrät Sarah Horras. Ihre Kollegin Eva Weber ergänzt: „Sie haben vor allem Angst davor, etwas falsch zu machen und der Situation nicht gerecht zu werden. In einem Geburtsvorbereitungskurs werden diese Ängste abgebaut und alle Fragen beantwortet. Gemeinsam ist es leichter, sich auf die neue Situation einzustimmen.“ Die typischen "Hechelkurse", vor denen sich viele Männer fürchten, gibt es laut Aussage der Hebammengemeinschaft gar nicht. „Natürlich ist die Atmung ein wichtiges Thema, aber vor allem in der Hinsicht, dass die Männer auch wissen, wie sie ihre Frauen bei der Geburt unterstützen können. Und es ist eben nur eines von vielen Themen, die an den Partnerabenden zur Sprache kommen.“

Schwangerschaft "greifbar" machen

Auch, wenn der Körper der Partnerin nach einigen Wochen ganz deutliche Anzeichen für eine Schwangerschaft zeigt und der Bauch wächst, ist es für viele Männer immer noch schwer zu verstehen, dass sich das eigene Kind darin befindet. Stephan Urban, selbst Vater von drei Kindern, fasst die Gefühle vieler Väter zusammen: „Eine wirkliche Bindung zu meinen Kindern konnte ich immer erst dann aufbauen, wenn sie auf der Welt waren. Vorher habe ich zwar den Bauch wachsen sehen und auch mal den einen oder anderen Tritt gespürt, aber irgendwie konnte ich nie wirklich ‚begreifen‘, was da vor sich geht.“ Einfacher wird es für die Männer meist, wenn sie gemeinsam mit ihren Frauen zur Ultraschalluntersuchung gehen und dort ihr Kind "schwarz auf weiß" sehen. „Aber auch das Begleiten zur Hebammensprechstunde kann sehr sinnvoll sein“, so Eva Weber. „Hier werden oft noch einmal ganz andere Themen angesprochen und der Vater kann zum Beispiel mithilfe der Hebamme ertasten, wie sein Kind liegt. Wenn das Thema auf diese Weise im wahrsten Sinne des Wortes 'greifbar' gemacht wird, dann kommen die positiven Gefühle von ganz alleine.“ Die beiden Hebammen erleben zunehmend, dass sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer mehr Väter für die Schwangerschaft ihrer Frauen interessieren und diese auch aktiv miterleben wollen.

Jeder Kreißsaal hat auch Türen

Und das gilt auch für die Geburt. Heutzutage ist es gang und gäbe, dass Männer ihre Frauen in den Kreißsaal begleiten. „Allerdings bestehen hier im Vorfeld oft völlig irreale Ängste“, so die Erfahrung der Hebammen. „Es gibt viele werdende Väter, die sich die schlimmsten Dinge ausdenken, die weit von der Realität entfernt sind“, sagt Sarah Horras. „Fast alle Männer fühlen sich hilf- und machtlos. Das sind sie aber nicht, ganz im Gegenteil. Sie sind äußerst wichtig für die Frau. Als vertraute Person vermitteln sie das Gefühl, auf die Frau aufzupassen, damit sie locker lassen kann. Und das ist ja für eine Geburt ganz wichtig.“ „Das Gefühl, dass jemand da ist, der sich darum kümmert, dass nichts passiert, was die Frau nicht möchte, jemand, der dafür sorgt, dass sie genügend trinkt, der sie lobt und ihr gut zuredet, gibt der Gebärenden Sicherheit“, ergänzt ihre Kollegin. Beide betonen, dass es wichtig ist, zu wissen, dass man grundsätzlich auch Nein sagen kann, wenn man etwas nicht will. Zum Beispiel wird kein Mann genötigt, das kommende Köpfchen zu betrachten oder die Nabelschnur durchzuschneiden. Dazu Sarah Horras: „Jeder Kreißsaal hat auch Türen, die benutzt werden dürfen. Kein Mann wird gezwungen zu bleiben, wenn er das selbst nicht will und es gibt immer die Möglichkeit, auch nur mal für ein paar Minuten rauszugehen und durchzuschnaufen.“ Manchmal ist es auch so, dass die Frau ihren Mann im Moment gar nicht in der Nähe haben will. „Das kommt durchaus vor. Dann sollte ein Mann aber niemals beleidigt reagieren. Es ist nicht persönlich gemeint.“

Das gemeinsame Geburtserlebnis verbindet

Wenn sich allerdings bereits im Vorfeld abzeichnet, dass der Vater des Kindes keine große Hilfe sein wird, dann sollte die Schwangere darüber nachdenken, eine andere vertraute Person mit in den Kreißsaal zu nehmen. Das ist aus Hebammensicht ganz wichtig, da es durchaus vorkommen kann, dass die Frau für ein paar Minuten alleine gelassen werden muss und sie dann in dieser Person die notwendige Unterstützung finden kann. Doch Angst vor der Geburt muss kein Mann haben. „Eine solche Situation schweißt zusammen“, bestätigt die Hebamme. „Der Mann gewinnt in der Regel eine ziemliche Hochachtung vor der Leistung seiner Frau. Dass er weiß, was sie geleistet hat und ihr das auch anrechnet, bringt die Partner oft noch enger zusammen.“

Entbindungsorte - Teil 1 Geburtshaus
Schwangerschaftsmythen Wenn Mama schlemmt, wird's ein Junge

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.

Kommentare

(0)
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Anzeige

Shopping
tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal