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Tumore und Nierenschäden durch Ersatzmilch?

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"Öko-Test"  

Tumore und Nierenschäden durch Ersatzmilch?

16.03.2009, 11:04 Uhr | sca

Öko-Test untersuchte 23 Muttermilchersatz-Produkte.Öko-Test untersuchte 23 Muttermilchersatz-Produkte. (Bild: Imago)Industriell hergestellte Säuglingsnahrung gilt als erste Wahl für nicht gestillte Kinder. Bisher schnitten die Produkte fast immer mit "sehr gut" beim "Öko-Test" ab. Die aktuelle "Öko Test"-Studie warnt allerdings vor 3-MCPD-Fettsäureester, die zu Veränderung der Nieren und in hohen Dosen zur Bildung gutartiger Tumore führen können. Viele Produkte schnitten aus diesem Grund mit "mangelhaft" ab, darunter auch alle getesteten Bio-Produkte. Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist aber darauf hin, dass man nicht wisse, ob die im Tierversuch beobachteten Effekte auch bei Menschen auftreten. Von akuten Gesundheitsgefahren sei nicht auszugehen. Außerdem seien die Ester auch in der Muttermilch vorhanden, so Professor Jan Velisek, der diese Substanz zuerst nachgewiesen hat.#

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Der Muttermilch nachempfunden

Mütter, die ihre Kinder nicht stillen wollen oder können, entscheiden sich in der Regel für Mutterersatzmilch, also industriell hergestellte Säuglingsmilch. Sie gilt als erste Wahl, zunächst für Neugeborene in Form sogenannter "Pre"-Produkte, dann für ältere Babys als "Muttermilchersatz 1". Die Produkte sind der Muttermilch nachempfunden und enthalten alle Nährstoffe, Mineralien und Spurenelemente die Babys brauchen.

Tolerierbare Aufnahmemenge überschritten

In der "Öko-Test"-Studie sei nun ein neues Problem aufgetaucht, von dem man bislang nichts gewusst habe. Viele Produkte enthalten sogenannte 3-MCPD-Fettsäureester, die bei der Raffination von pflanzlichen Fetten und Ölen entstehen. Sie können laut "Öko-Test" zu schwerwiegenden Folgen wie einer Veränderung der Nieren und der Bildung gutartiger Tumore führen. Ein hoher Gehalt an diesen 3-MCPD-Fettsäureester führte dazu, dass 13 von 23 Muttermilchersatz-Produkten mit "mangelhaft" bewertet wurden. Einige Produkte überschritten die tolerierbare Aufnahmemenge um bis zum 35-fachen, gemessen an einem 3,5 Kilo schweren Säugling in der zweiten Woche. Ein strenger Maßstab zwar, räumt "Öko-Test" ein, aber 14 Prozent der Babys werden bereits nach dem Entlassen aus dem Krankenhaus nicht mehr gestillt.

"Mangelhaft" getestete Produkte

Zu dem schlechten Ergebnis "mangelhaft" kamen die "Pre"-Produkte von Aptamil, Milumil und Nestle sowie die beiden getesteten Bio-Produkte von Hipp und Töpfer. Auch die drei getesteten "Muttermilchersatz 1" Bio-Produkte von Hipp und Töpfer schnitten mit "mangelhaft" ab, darüber hinaus die Produkte von Babydream, Hipp, Lasana, Milasan und Milumil. Die Produkte überschritten den Gehalt an 3-MCPD-Fettsäureestern pro empfohlener Tagesdrinkmenge um mehr als das Zehnfache.

Bestes Ergebnis "befriedigend"

Fast alle Produkte schnitten in den vergangenen Tests mit "sehr gut" ab. Das beste Ergebnis in der vorliegenden Studie war dagegen "befriedigend". Dieses Urteil wurde für vier Muttermilchersatz "Pre"-Produkte gegeben. Sechs "Muttermilchersatz 1"-Produkte erhielten die Beurteilung "befriedigend", darunter kein einziges Bio-Produkt.

Schlüsse aus Messungen fraglich

Nicht deutlich wird aus dieser Studie, dass die gesundheitlichen Folgen bisher nur in Versuchen mit Mäusen nachgewiesen

wurden, bei Kindern sei bisher kein Fall bekannt. Seit 2007 können 3-MCPD-Ester in zahlreichen Lebensmitteln, so auch in Produkten für Babys nachgewiesen werden. Trotzdem sieht das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) keinen Anlass, Ernährungsgewohnheiten zu ändern, denn eine Gesundheitsgefahr für den Menschen kann aus den vorliegenden Daten nicht abgeleitet werden. Auch für Babys bestehe keine akute Gefahr durch das Füttern mit Ersatzmilch. Allerdings sieht die Behörde Handlungsbedarf dahingehend, die Gehalte bei der Öl- und Fettreinigung durch technologische Maßnahmen zu reduzieren. Derzeit werde geforscht, inwieweit sich die Gehalte durch technologische Verfahren senken lassen. Kurzfristig ist hier jedoch nicht mit Lösungen zu rechnen, so der Bundesverband der Hersteller von Lebensmitteln für besondere Ernährungszwecke e.V.

Wie gewohnt weiterfüttern

Auch wenn raffinierte Fette in Säuglingsnahrung in der Kritik stehen, rät das Bundesinstitut für Risikobewertung Eltern, ihre Säuglinge weiter wie gewohnt zu füttern. Kann eine Mutter nicht stillen, gebe es keine Alternative zur angebotenen Säuglingsanfangs- und folgenahrung, teilt das BfR in Berlin mit. "Mütter sollten auch nicht auf Kuhmilch, Ziegen- oder Pferdemilch ausweichen, da ihnen wichtige Nährstoffe fehlen, die der Säugling braucht."


Auch in Muttermilch vorhanden

3-MCPD-Ester können in allen raffinierten Fetten und Ölen nachgewiesen werden. Damit gelangen sie in eine Vielzahl von Lebensmittel, die Fette und Öle als Zutat enthalten, unter anderem auch in Babynahrung. "Öko-Test" hat im April 2008 einen Test zu Margarinen, Ölen und Fetten veröffentlicht. Von 62 getesteten Produkten sind danach nur vier vollkommen frei von 3-MCPD-Estern. Professor Jan Velisek, der diese Substanzen zuerst nachgewiesen hat, konnte zeigen, dass 3-MCPD-Ester allgegenwärtig sind - so auch in Kuhmilch, Ziegenmilch und Muttermilch. Auch die Hersteller weisen darauf hin, dass Muttermilch die von "Öko-Test" definierte zulässige Tagesdosis mehrfach überschritten hätte, wenn "Öko-Test" die verwendete Methode auf Muttermilch angewandt hätte. Da 3-MCPD-Ester in allen raffinierten Fetten und Ölen nachgewiesen werden können, gelangen sie in eine Vielzahl von Lebensmittel, die Fette und Öle als Zutat enthalten, und damit auch in die Muttermilch.

3-MCPD-Ester: Parallelen zur Acrylamid-Problematik

Experten erinnern an die Acrylamid-Problematik bei Chips und Spekulatius. Da ein Rest an Unsicherheit über die Langzeitfolgen besteht, ist es notwendig, den Gehalt extrem zu minimieren. Bei Acrylamid ist dieser Gehalt in den letzten fünf Jahren seit der Entdeckung deutlich gesunken. Da die Industrie aber ihre Verfahren umstellen muss, kann dies nicht sofort geschehen. In diesem Fall betrifft dies das seit Jahrzehnten angewandte Verfahren der Raffination von Speisefetten und Speiseölen. Säuglingsnahrung ist in der Lebensmittelwirtschaft ein besonders sensibler Bereich. Die Industrie hat das Problem erkannt und arbeitet an einer Verbesserung.


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