Startseite
Sie sind hier: Home > Eltern > Schwangerschaft >

Totgeburten: Trauer und Bewältigung

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Trauer  

Totgeburten: Wie Eltern das Schicksal bewältigen

07.08.2012, 11:30 Uhr | AFP, dpa

Totgeburten: Trauer und Bewältigung. Die "Initiative Regenbogen" hilft Frauen, die ihr Kind bei einer Fehl- oder Totgeburt verloren haben.

Die "Initiative Regenbogen" hilft Frauen, die ihr Kind bei einer Fehl- oder Totgeburt verloren haben. (Bild: Imago)

Der Abdruck von kleinen Babyfüßen auf gelbem Papier, hinter Glas gerahmt - für Ingrid Dunkel ist es eine kostbare Erinnerung. Die getrocknete Rosenblüte in der Mitte erinnert an den Kranz bei der Beerdigung des kleinen Patrick. Bei der Routineuntersuchung drei Wochen vor der Geburt des Kindes waren plötzlich keine Herztöne mehr zu hören, wie sich die heute 48 Jahre alte Frau erinnert. "Mit einem Kaiserschnitt kurz vorher hätte Patrick gelebt, aber es gab keine Anzeichen für Probleme." Am 24. Mai 1996 brachte sie ihren Sohn tot zur Welt. Was blieb, waren die Erinnerungen, die Angst vor der nächsten Schwangerschaft - und die Frage "Warum?".

Hilfe für betroffene Eltern

Heute hat Ingrid Dunkel einen zehnjährigen Sohn, und es fällt ihr leichter, ihre Geschichte in Worte zu fassen. Mit ihren Erfahrungen hilft sie Eltern, die ihr Kind bei einer Fehl-, Früh- oder Totgeburt verloren haben, Eltern, die ihr Kind nie kennenlernen durften. Seit mehr als zehn Jahren ist sie Ansprechpartnerin für die Selbsthilfegruppe "Pusteblume" in Nürnberg, die unter dem Dachverband "Initiative Regenbogen - Glücklose Schwangerschaft e.V." steht.

Auf der Suche nach Gleichgesinnten

Mütter und manchmal auch Paare treffen sich jeden dritten Mittwoch im Monat im Kulturzentrum Röthenbach. Am Anfang suchen die Mütter Gleichgesinnte und Ansprechpartner, am Ende haben sie oft Freunde gefunden, sagt Dunkel: "Viele werden gleichzeitig wieder schwanger."

Oft bleibt nur die Erinnerung

Nach dem ersten Schock ist die Erinnerung meist das Einzige, was Eltern von ihrem tot geborenen Kind bleibt. Deswegen werden im Nürnberger Klinikum inzwischen Abdrücke von den Füßchen und Händen gemacht. Auch Fotos der Kinder sollen bei der Aufarbeitung helfen. "Falls die Eltern das Foto nicht mitnehmen wollen, heben wir es auf", sagt Klinikseelsorger Richard Schuster. "Wir helfen, gemeinsam hinzuschauen und Abschied zu nehmen." Wenn das verstorbene Kind unter 500 Gramm wiegt, können die Eltern entscheiden, ob sie ihr Kind selbst bestatten möchten, wie Schuster erklärt.

Orte der Trauer

Ein Blumenbeet, eine Wiese und ein Stein, ein Spruch oder Symbole stehen auf den Gräberfeldern für "stillgeborenes Leben". "Ich geh' euch nur voraus, nur einen winzigen Schritt zurück in das Licht, das mich entsandt", steht auf dem großen weißen Stein auf dem Nürnberger Südfriedhof. Seit September 2008 gibt es auch in Fürth ein Gräberfeld, auf dem Mond und Sterne auf langen Metallstangen stehen. "Dieser Platz ist wichtig für die Trauerbewältigung. Früher wurden die Föten oft mit dem Klinikmüll entsorgt", sagt der Leiter der städtischen Friedhöfe Fürth, Norbert Wagner.

Die Medizin kann nicht immer helfen

Nach Angaben des Oberarztes am Klinikum Nürnberg, Jens Köhler, ist die Zahl der Tot- und Fehlgeburten relativ konstant. "Bei Totgeburten ist die Geburt eine Möglichkeit, das Geschehen zu verarbeiten. Nur weil das Kind verstorben ist, kann man die Schwangerschaft nicht ungeschehen machen", sagt Köhler. "Nicht immer kann die Medizin helfen, denn bei knapp einem Drittel der Totgeburten können wir keine Ursache finden."

Das Kind hat existiert

Patrick wurde in einem Kindergrab beigesetzt. Auf einem weißen Herz aus Stein steht sein Name. "Die Beisetzung ist ein letzter Liebesdienst und hilft loszulassen", sagt Ingrid Dunkel. Am Anfang war sie jeden Tag drei Stunden auf dem Friedhof. Das gesellschaftliche Umfeld kann die Trauer oft nur schwer nachvollziehen. Worte wie "Du kanntest es ja nicht, du wirst schon noch mal schwanger" seien kein Trost, denn für die Mutter hat das Kind existiert, sagt die Psychologin Sylvia Tettenborn. Egal wie lange die Eltern trauern und egal wie sie an ihr Kind denken, es sollte einen Platz in der Familie haben. Denn gerade durch das Glück eines lebenden Kindes wird greifbar, was die Eltern verloren haben.

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Brutale Methode 
Was dieser Arzt gleich macht ist einfach unglaublich

Diese Behandlung ist garantiert nichts für zartbesaitete Menschen. Video

Anzeige

Shopping
tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal