Startseite
Sie sind hier: Home > Eltern > Schwangerschaft >

Nabelschnurblut: Heilung aus den Wunderzellen

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Nabelschnurblut  

Kleine Wunderzellen aus der Nabelschnur

15.04.2009, 17:17 Uhr | mmh, dpa

Nabelschnurblut: Heilung aus den Wunderzellen. Die Wunderzellen aus der Nabelschnur werden gleich nach der Geburt eingelagert.

Die Wunderzellen aus der Nabelschnur werden gleich nach der Geburt eingelagert. (Bild: Imago)

Fast 2000 Babys werden jeden Tag in Deutschland geboren. Die Nabelschnur landet in den meisten Fällen im klinischen Abfall. Dabei stecken in ihr wertvolle Zellen, die anderen Menschen oder auch dem Kind selbst im Krankheitsfall das Leben retten können. Knapp 50 Zentimeter misst die Nabelschnur, die den Blutkreislauf des Kindes mit dem der Mutter verbindet. Direkt nach der Geburt entfernt, kann aus der Nabelschnur kindliches Blut gewonnen werden, das reich an Stammzellen ist.

Stammzellen übernehmen Heilfunktionen

"Diese Zellen sind in der Lage, Heilfunktionen im Körper zu übernehmen", erklärt Professor Arne Jensen von der Universitätsfrauenklinik in Bochum. "Im Nabelschnurblut ist die Anzahl mononuklearer Stammzellen, die besonders vielseitig wirken, 200 bis 300 Mal höher als im normalen Blut."  Eltern haben zwei Möglichkeiten, das Nabelschnurblut des frisch geborenen Kindes zu konservieren: entweder gegen Gebühr oder als kostenlose Spende. Bei letzterem werden die Stammzellen in einer Datenbank erfasst und der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt. "Menschen, die zum Beispiel an Leukämie, schwerer Blutarmut oder einer Immunschwäche leiden, kann mit einer Transplantation des passenden Nabelschnurblutes geholfen werden", sagt Jensen.

Besonders gute Verträglichkeit

Vorteil des Nabelschnurblutes ist die im Allgemeinen besonders gute Verträglichkeit beim Empfänger - und die sofortige Verfügbarkeit, ergänzt Marlena Robin-Winn, Gründerin und Leiterin des Norddeutschen Knochenmark- und Stammzellspender-Registers (NKR) in Hannover. "Das kindliche Blut wird in Stickstoff eingefroren und ist nach derzeitigem Kenntnisstand über Jahrzehnte haltbar."

Hilfe schon für 8000 Menschen

Seit der ersten Transplantation 1988 konnte bisher mehr als 8000 Menschen mit Nabelschnurblut geholfen werden. Doch in Deutschland bieten noch längst nicht alle Kliniken diese Möglichkeit an. "Eltern müssen sich vorab informieren, ob ihr Krankenhaus vor Ort die Nabelschnurblutspende ermöglicht", sagt Robin-Winn. Als Spende für die Allgemeinheit - und dessen müssen Eltern sich bewusst sein - verfällt der eigene Anspruch auf das Nabelschnurblut: "Sollte irgendwann der Fall eintreten, dass das Kind sein eigenes Nabelschnurblut benötigt, kann es bereits von einem anderen Empfänger aufgebraucht worden sein", sagt Professor Ursula Creutzig, wissenschaftliche Geschäftsführerin der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie in Frankfurt/Main. Doch dieses Risiko sei kein Grund, den Spendenweg zu umgehen. "Der Fall, dass eigenes Nabelschnurblut gebraucht wird, ist extrem selten." Auf 2,5 Millionen Spenden komme nur 30 Mal der direkte Rückgriff, sagt die Expertin.

Selten wird eigenes Blut benötigt

Doch es gibt diese Einzelfälle: "Wir haben erst vor Kurzem ein zweijähriges Kind, das durch einen Herzstillstand einen Hirnschaden erlitten hatte, mit seinem eigenen Nabelschnurblut behandelt", sagt Jensen. Tatsächlich ist das Kind mittlerweile auf dem Weg der Besserung. "Inwieweit das Nabelschnurblut zum Heilungsprozess beigetragen hat, muss natürlich noch in klinischen Studien bestätigt werden", räumt er ein. Aus Tierexperimenten sei aber bekannt, dass Nabelschnurblutzellen in geschädigte Hirnregionen einwandern und dort Hilfe zur Selbsthilfe leisten - kleine Wunderzellen, von denen selbst der Forscher noch nicht weiß, was sie in Zukunft alles bewirken können. Er ist aber sicher: Hätten die Eltern das Blut ihres Kind nicht eingelagert, hätte es diese positive Entwicklung nicht gegeben.

Einsatzmöglichkeiten werden rasch zunehmen

Auch Robin-Winn geht davon aus, dass die Einsatzmöglichkeiten der Stammzellen noch rasant wachsen werden. "Ob Diabetes, Alzheimer oder Parkinson: Niemand kann derzeit ausschließen, wofür Stammzellen tatsächlich noch hilfreich sein können." Jensen rät Eltern deshalb, zumindest über die private Einlagerung von Nabelschnurblut nachzudenken. "Man kann es als eine Art Risikolebensversicherung betrachten." Etwa 2300 Euro kostet die Konservierung.

Pro und Contra

Ursula Creutzig ist dagegen skeptisch: "Bis jetzt profitieren hauptsächlich die Firmen, die die private Einlagerung von Nabelschnurblut anbieten." Denn bis dato ist das eigene Nabelschnurblut nur für sehr seltene Erkrankungen, zum Beispiel ein Neuroblastom, eingesetzt worden. "Und für die Behandlung einer Leukämie eignet sich das eigene Blut auch eher nicht, weil Krebszellen dort schon angelegt sein können."

Keine ausreichende Menge

Bei älteren Kindern oder Erwachsenen ist die Menge des privat konservierten Blutes zudem oft nicht ausreichend. "In der Regel brauchen Erwachsene zwei bis drei Nabelschnurblutspenden für eine optimale Behandlung", sagt sie. Jensen bestätigt diesen Nachteil. Er gibt aber auch zu bedenken, dass die Forschung intensiv daran arbeite, die Stammzellen im Nabelschnurblut vermehren zu können.

Per Kombi-Modell Nabelschnurblut sicher lagern

Um sich nicht für ein Modell entscheiden zu müssen, können Eltern auch kombinieren. Das Nabelschnurblut wird dann privat und kostenpflichtig eingelagert, aber gleichzeitig in ein Spendenregister aufgenommen. Bei einer Spendenanfrage können Eltern dann entscheiden, ob sie das Blut abgeben und damit die vollen Kosten zurückerstattet bekommen oder ob sie es weiterhin behalten. "So geht man auf Nummer sicher und verliert den Anspruch auf das eigene Blut nicht", sagt Marlena Robin-Winn vom Norddeutschen Knochenmark- und Stammzellspender-Register in Hannover.

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.

Kommentare

(0)
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Gezielter Schlag 
Hit im Netz: Mit seinem Hund darf sich niemand anlegen

Känguru hält den Vierbeiner im Schwitzkasten, das Herrchen schreitet ein. Video

Anzeige

Shopping
Shopping
38 % sparen: Boxspringbett inkl. Topper für nur 499,- €

Traumhaft und erholsam schlafen auf 180x200 cm - jetzt zum reduzierten Preis bei ROLLER.de.

tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de

Anzeige
shopping-portal