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Frühchen: Anforderungen an Krankenhäuser für Frühgeborene steigen

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Frühgeburten  

Anforderungen an Kliniken für Frühgeborene steigen

20.04.2009, 10:55 Uhr | rev; ots

Frühchen: Anforderungen an Krankenhäuser für Frühgeborene steigen. Kleines Baby wird gehalten.

Intensivstationen für Frühgeburten sollen ausreichend Erfahrung vorweisen können. (Bild: Imago)

Zu früh geborene Babys unter 1250 Gramm Geburtsgewicht dürfen jetzt nur noch in Kliniken behandelt werden, die wenigstens ein solches Frühchen im Monat behandeln. Nicht immer ist damit eine wohnortnahe Betreuung möglich. Doch die Konzentration macht Sinn, ist der leitende Arzt der Abteilung für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin Dr. med. Norbert Teig von der Universitätskinderklinik Bochum überzeugt.

Immer mehr Frühgeburten in Deutschland

Es werden immer mehr Frühchen geboren: Von 700.000 Babys pro Jahr in Deutschland kommen 50.000 zu früh. Der Grund dafür ist vor allem im steigenden Durchschnittsalter der Schwangeren zu sehen, mit welchem auch die Zahl der Frühgeburten zunimmt - und zwar seit Anfang der 90er Jahre um mehr als 20 Prozent. Rund 8500 Babys im Jahr erreichen heute nur ein Geburtsgewicht bis 1500 Gramm, mit Händen und Füßen oft so winzig wie ein Zeh der Mutter. Die Lungen sind noch nicht ausgereift, das Abwehrsystem unterentwickelt - Risiken: Atempausen, Infektionen, Blutungen in Hirnhohlräumen.

Routine dringend erforderlich

Seit Jahren streiten Kassen, Ärzte und Kliniken über eine Verminderung der Risiken. Doch Experten für Qualität im Gesundheitswesen konnten die zentrale Frage mangels ausreichender Daten nicht beantworten: Wie viele Frühgeborene muss ein Krankenhaus mindestens behandeln, damit Ärzte und Hebammen genug Erfahrung sammeln können? Klar ist nur, dass die Chancen für die kleinen Babys mit der Routine steigen.

Höhere Anforderungen an Kliniken

Bisher gaben Kliniken die meist planbaren Frühgeburten ungern ab, weil sie jeweils einige 10.000 bis 150.000 Euro brachten. Nachdem schon im Februar 2009 beschlossen wurde, dass die Kliniken die Sterblichkeitsrate und Komplikationshäufigkeit im Internet veröffentlichen müssen, wurde nun festgesetzt, dass ab April 2009 höhere Anforderungen an Intensivstationen für Frühgeborene gelten: Frühgeborene Babys unter 1250 Gramm sollen nur noch in Kliniken behandelt werden, die mindestens ein solches Frühchen im Monat behandeln. "In Kliniken, die mindestens 50 Frühchen im Jahr betreuen, ist die Sterberate im Schnitt 50 Prozent niedriger als in kleinen Häusern", erklärt Dr. Teig im Apothekenmagazin "Baby und Familie". Entscheidend sei die Erfahrung von Ärzten und Schwestern. "Jede Woche ein Frühgeborenes - da kommt man nicht aus der Übung", weiß der Experte.

Weitere Wege durch Spezialisierung

Verbraucherschützer zeigten sich zuvor zurückhaltend und warnten: Je stärker sich Kliniken spezialisieren - desto weiter sind auch die Wege für die Schwangeren. Doch Teig beruhigt Frauen, die fürchten, zu weit ab von einer erfahrenen Klinik eine Frühgeburt zu haben: Nur in zwei Prozent aller Fälle könne eine Frau nicht rechtzeitig in die entsprechende Klinik verlegt werden. Für diese Fälle sei aber vorgesorgt: "Ein Team von Neonatologen kommt dann in die Klinik vor Ort und versorgt das Kind."

Sterberate deutlich gesunken

Schon in den vergangenen Jahren hat es bei der Intensivpflege von Frühgeborenen gewaltige Fortschritte gegeben. Die Sterberate sank in 15 Jahren von acht auf fünf pro 1000. So haben heute bereits Kinder eine reelle Überlebenschance, die nach der vollendeten 24. Schwangerschaftswoche und mit einem Geburtsgewicht von nur 500 Gramm das Licht der Welt erblicken. Hauptproblem ist die noch nicht ausgereifte Lunge. Ein knappes Drittel der sehr klein geborenen Frühgeborenen zeigt später Entwicklungsstörungen.

Mehr Nachuntersuchungen gefordert

Experten fordern angesichts steigender Frühchen-Zahlen aber noch weitere Verbesserungen, etwa mehr Forschung. "Wir brauchen dringend längere Nachuntersuchungen", sagt Wolfgang Göpel, der am Lübecker Universitätsklinikum seit 1. Januar 2009 einen Forschungsverbund dazu leitet. "Der Fokus verschiebt sich vom reinen Überleben hin zur Qualität des Lebens." So müsse die geistige Entwicklung der Frühgeborenen bis zum sechsten Lebensjahr geprüft werden. "Die normalen Vorsorgeuntersuchungen sind hier nicht differenziert genug." Über eine Förderung des Bundes zeigt er sich zufrieden. Und er warnt davor, Eltern zu verängstigen: Frühchen seien meist stabiler als ihr Image. "Wenn sie nach Hause kommen, geht es ihnen heute meistens gut."

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