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Geburt: Sanfter Kaiserschnitt

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Geburt  

"Sanfter" Kaiserschnitt stärkt Mutterbindung

27.04.2009, 15:22 Uhr | iri, Pressetext, t-online.de, dpa

Geburt: Sanfter Kaiserschnitt. Das Kind kommt direkt nach der Geburt zur Mutter.

Das Kind kommt direkt nach der Geburt zur Mutter. (Bild: Imago)

Das Wohlbefinden von Mutter und Kind kann bei einer Kaiserschnittgeburt durch schonendes Vorgehen erheblich gesteigert werden. Das betonen Ärzte und Geburtshelfer des Wiener Krankenhauses Rudolfinerhaus, das bei geplanten Kaiserschnitten neue Erkenntnisse aus dem natürlichen Geburtsvorgang integriert. Wichtigstes Prinzip ist dabei die als "Bonding" bezeichnete Praxis, den direkten Kontakt zwischen Mutter und Kind direkt nach der Geburt zu ermöglichen. Dabei werden auch auf medizinische Maßnahmen verzichtet, die nicht unmittelbar notwendig sind. "Man versucht, Kind und Mutter so zu versorgen, dass der Kaiserschnitt der Vaginalgeburt ähnlicher wird", erklärt der Gynäkologe Bernhard Bartosch. Liege keine Notwendigkeit für den Kaiserschnitt vor, sei eine natürliche Geburt jedoch grundsätzlich vorzuziehen, so der Frauenmediziner.

Geburt bewusster miterleben

Eine der Änderungen bei der "sanften" Vorgangsweise ist das Abkommen von Totalanästhesien zugunsten regionaler Betäubungen per Kreuzstich. "Die Mutter kann die Geburt somit bewusster miterleben und auch selbst mitarbeiten. Stunden vor einem geplanten Eingriff wird meist ein wehenförderndes Mittel verabreicht, und auch während der Operation drückt die Hebamme auf die Gebärmutter, wodurch die Wehe nachgeahmt wird", erklärt die Anästhesistin Elisabeth Spinka. Durch das Abdrehen der OP-Lampe erblickt das Kind die normale Raumbeleuchtung als erstes Licht der Welt, was den Geburtsstress reduziert. Die Hebamme wickelt das Neugeborene in ein warmes Tuch und saugt das Fruchtwasser nur dann ab, falls dies medizinisch notwendig erscheint. Dass eine steril gekleidete Hebamme überhaupt am OP-Tisch anwesend ist und die Mutter begleitet, war bisher bei Kaiserschnitten eher nicht der Fall.

Kind kommt direkt nach Geburt zur Mutter

Sobald das Kind geboren ist, überprüft ein Kinderarzt dessen Nabelschnurblut, Muskeltonus, Farbe, Atmung und Bewegung. "Gibt es keine Probleme, kann die Nabelschnur abgeklemmt werden und auspulsieren. Gleich danach kommt das Kind bereits zur Mutter", so Bartosch. Diese zeitlich unmittelbare Nähe zwischen Mutter und Kind sei wichtig, erklärt Claudia Kopriva, Hebamme am Rudolfinerhaus. "Der erste körperliche Kontakt mit seiner Mutter ist ein entscheidender Moment für die Entwicklung des Kindes. Und auch bei der Mutter fördert er die Milchbildung und die Ausschüttung von Endorphinen, die wichtig für Schmerzlinderung und Erholung sind." Anders als bisher könne auch der Vater bei der Operation anwesend sein.

Wunde verheilt schneller

Beim "sanften" Kaiserschnitt wird zudem das Schneiden des Muskelgewebes stark reduziert. Stattdessen werden Bauchdecke und Gebärmutter durch Reißen und Dehnen des Gewebes so weit geöffnet, dass der Säugling entnommen werden kann. Bei dieser Vorgehensweise ist die Heilung der Operationswunde mit weniger Komplikationen verbunden und verläuft wesentlich schneller als nach einem Kaiserschnitt nach herkömmlicher Methode.

Entschluss zu Kaiserschnitt nicht leichtfertig treffen

"Grundsätzlich ist eine natürliche Geburt über die Vagina jedoch anzustreben", betont der Neugeborenmediziner Michael Hayde. Bestimmte Vorteile der natürlichen Geburt könne der Kaiserschnitt auch bei sanfter Durchführung nicht erreichen. "Alle Vorgänge, die während der durchschnittlich acht Stunden Wehen geschehen, fehlen dem Kind beim Kaiserschnitt. Dazu zählt etwa das Auspressen des Fruchtwassers aus der Lunge, das bei der natürlichen Geburt der Druck der Mutter erledigt." Weitere Prozesse, die das Kind während der Wehen im Uterus auf die Zeit nach der Geburt vorbereiten, seien die Ausschüttung verschiedener Hormone wie Cortison und Adrenalin. Für die Mutter solle die Entscheidung zum Kaiserschnitt auch aus eigenen gesundheitlichen Gründen nicht leichtfertig getroffen werden, wenn mit keinen Komplikationen bei einer natürlichen Geburt zu rechnen ist. "Jeder Kaiserschnitt ist eine schwere Körperverletzung, die nur aufgrund des höheren Werts des Lebens des Säuglings ungeahndet bleibt", so Hayde.

Prägung kann gestört werden

Auch kann die sensible Phase der ersten Prägung nach der Geburt durch Kaiserschnitt, Spritzen und Medikamente gestört sein. Forscher nennen die sensible Phase der allerersten frühkindlichen Prägung "Bonding". Das sind die wichtigen ersten beiden Stunden direkt nach der Geburt. Wickeln, Wiegen, Waschen sind zweitrangig. Das nackte Baby soll sofort Hautkontakt mit der Mutter spüren. Hebammen sagen, dass dann die wichtigen Mutterinstinkte geweckt werden, auch enthalte die erste Muttermilch wichtige Botenstoffe. Diese Prägung wird durch die bei der Geburt frei gesetzten Hormone unterstützt. Wird diese erste Phase gestört, können Traumata entstehen. Psychologen, Pädagogen und Hebammen führen viele spätere Verhaltensstörungen, Ängste und Verletzlichkeiten auf dieses Trauma zurück.

Ärzte lehnen Spontangeburten bei Risiken immer öfter ab

27 Prozent der Geburten werden in Österreich derzeit per Kaiserschnitt durchgeführt, großteils aus medizinischen Gründen. "Ärzte sind immer weniger bereit, bei Risiken eine Spontangeburt durchzuführen", erklärt Bartosch. Erst jede zwanzigste Kaiserschnitt-Gebärende verlangt laut offiziellen Daten den Eingriff ohne medizinische Indikation, doch dieser Anteil steigt. Ein Grund dafür sei seine geänderte Akzeptanz der Geburtsmethode in der Gesellschaft. "Früher wurden von den Ärzten medizinische Gründe oft frei erfunden, um einen Wunschkaiserschnitt zu rechtfertigen. Wenigstens wird nun mit offenen Karten gespielt", so Hayde. Bartosch sieht diese Entwicklung als Preis der fortschreitenden Entwicklung. "Die Mütter- und Kindersterblichkeit bei komplizierten Fällen konnte durch die Verbesserungen der Medizintechnik entscheidend gesenkt werden. Wenn heute ein Kaiserschnitt durchgeführt wird, so soll dieser jedoch nicht auf Kosten des Kindes geschehen. Daher sind sanfte Methoden zu bevorzugen", so der Wiener Frauenmediziner.

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