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Spätabtreibung: Gibt es wirklich keine Perspektiven?

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Schwangerschaftsabbruch  

Spätabtreibung: Wirklich keine Perspektiven?

11.05.2009, 11:48 Uhr | mmh, t-online.de, dpa, AFP

Spätabtreibung: Gibt es wirklich keine Perspektiven?. Neue Gesetzesgrundlage soll rechtlichen Rahmen für Spätabtreibungen schaffen.

Neue Gesetzesgrundlage soll rechtlichen Rahmen für Spätabtreibungen schaffen. (Bild: Imago)

Innere Zerrissenheit, Entscheidungsdruck, Panik, das spüren die Eltern, die mit der Entscheidung über eine "Spätabtreibung" konfrontiert sind. Auch die Politiker sind gespalten. Das Thema ist hochemotional, ein moralisches und ethisches Dilemma. Rund 230 Kinder werden jährlich nach der 22. Schwangerschaftswoche abgetrieben, weil das Kind extrem stark behindert und kaum lebensfähig sei oder die seelische und körperliche Belastung für die Mutter ausgesprochen heftig sein würde.

Entscheidung in Panik

Eben noch Vorfreude auf das Baby, dann eine Nachricht, die alles verändert: "Da stimmt etwas nicht“. Ein Schatten auf dem Ultraschallbild, die Art der Bewegung des Ungeborenen - für Laien nicht erkennbar, aber für Ärzte interpretierbar. Beispielsweise eine schwere Herzfehlbildung oder eine fehlende Niere. Feststellungen, die Prognosen nach sich ziehen können von lebenslanger Krankheit, von zahlreichen schweren Operationen und kurzer Lebenserwartung. Viele werden mit der Situation nicht fertig. Die Entscheidung für eine Abtreibung erfolgt oft überstürzt, panikartig, unter Schock, unzureichend aufgeklärt. Sie wird nicht selten bereut. Massive Schuldgefühle plagen die Frauen noch jahrelang nach dem Eingriff.

Folgen der modernen Diagnostik

Je weiter die Medizintechnik fortschreitet, je moderner die Diagnose-Geräte der gynäkologischen Praxen sind, desto häufiger werden derartige Komplikationen und Fehlbildungen in diesem Stadium festgestellt. Manchmal reagiert der Körper mit einer Fehlgeburt, manchmal nimmt die Schwangerschaft ihren äußerlich "normalen“ Lauf.  Und plötzlich müssen die Eltern über Leben und Tod entscheiden, oft in Panik. In einer Phase, in der das Baby schon als "richtiger Mensch“ wahrgenommen wird. Und keiner kann den Eltern diese Entscheidung abnehmen.

Was ist eine Spätabtreibung?

Wird eine Schwangerschaft nach der 22. Woche abgebrochen, spricht man von einer "Spätabtreibung“. Zu diesem Zeitpunkt könnte ein Frühgeborenes schon außerhalb des Mutterleibs bei optimaler medizinischer Versorgung überleben. Abtreibungen sind hierzulande innerhalb der ersten zwölf Schwangerschaftswochen nach vorhergehender Beratung straflos. Aufgrund einer medizinischen Indikation sind Abbrüche aber auch zu einem späteren Zeitpunkt möglich, wenn die körperliche oder seelische Gesundheit der Schwangeren gefährdet ist. Die diagnostizierte Behinderung eines Ungeborenen rechtfertigt für sich genommen keine Abtreibung - kann aber bei angenommener Gesundheitsgefahr für die Mutter indirekt ebenfalls zu einer Indikation führen. Von insgesamt rund 115.000 gemeldeten Schwangerschaftsabbrüchen im Jahr 2008 erfolgten laut Statistischem Bundesamt knapp 3000 aufgrund einer medizinischen Indikation. 231 Fälle davon waren Spätabtreibungen.

Die Arten der Spätabtreibung

Bei einer Spätabtreibung wird die Geburt mit wehenfördenden Mitteln eingeleitet, die das Kind meist nicht überlebt. Überlebt es doch, sind die Ärzte verpflichtet, alles zu tun, um das Leben zu erhalten, das sie soeben noch auslöschen wollten. Doch Hebammen berichten immer wieder von Fällen, in denen Kinder einfach "ignoriert“ werden, bis sie sterben. 1997 allerdings überlebte ein Kind mit Down-Syndrom seine Abtreibung in der 25. Woche. Der Junge wurde erst Stunden nach der Geburt medizinisch versorgt, das führte zu weiteren Behinderungen. Die Eltern verklagten den Arzt, der die "fehlgeschlagene“ Abtreibung durchgeführt hatte. Er wurde bestraft, nicht für die fehlgeschlagene Abtreibung, sondern wegen der versäumten medizinischen Versorgung. Der Fall schlug hohe Wellen. Oft werden seitdem bei Spätabtreibungen die Kinder schon im Mutterleib mit einer Kaliumchlorid-Spritze getötet, um solche Fälle zu vermeiden. Manche Kliniken und Hebammen finden angemessene Formen, den Eltern einen würdigen Abschied von ihrem totgeborenen Kind zu ermöglichen.

Ethische Debatte

Im Vergleich zu den rund 130.000 Abbrüchen bis zur zwölften Woche aus anderen, vor allem sozialen Gründen erscheint die Zahl von 230 Spätabtreibungen verschwindend gering. 3000 Kinder wurden 2007 wegen "medizinischer Indikationen“ wie offener Rücken, schwerem Herzfehler oder eines Wasserkopfes abgetrieben, meist vor der 22. Woche. Doch gerade die Spätaborte berühren besonders, denn es sind oft Wunschkinder. Die Debatte, die dem zu erwartenden Bundestags-Entscheid vorausgeht, dreht sich um das Recht auf Leben bei zu erwartender schwerer Krankheit oder erkennbarer Behinderung. Kritiker der bisherigen Praxis sagen, es werde zu wenig auf die positiven Seiten eines Lebens mit einem behinderten Kind hingewiesen, es fehlten positive Perspektiven. Selbst bei der Diagnose "Down-Syndrom“ würden 90 von 100 Eltern mit Abreibung reagieren, obwohl die Kinder als "sonnig“ und fröhlich gelten. Ärzte stellten bisher oft nur zwei Wege dar: Abtreibung oder langer Leidensweg.

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