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Schmetterlingskinder  

Schmetterlingskinder: Zeit für Trauer

03.06.2011, 17:45 Uhr | Robert Scholz, t-online.de

Schmetterlingskinder: Zeit für Trauer. Wenn Eltern ein Kind verlieren, sind Abschied und Trauer wichtig.

Wenn Eltern ein Kind verlieren, sind Abschied und Trauer wichtig. (Bild: Archiv)

Nur ein Hauch. Flüchtig und schön. Kaum da, schon fliegen sie wieder davon. Vielleicht nennt man sie deswegen Schmetterlingskinder. Wohin sie fliegen, davon macht sich jede Mutter, jeder Vater seine eigenen Vorstellungen. Eltern, die durch eine Fehl- oder Totgeburt, durch einen medizinisch indizierten Abbruch, eine Frühgeburt, Krankheit, oder durch Tod des Kindes während der Geburt oder plötzlichen Säuglingstod ihr Kind verloren haben - diese Eltern nennen ihre Kinder oft Schmetterlingskinder. Auch Engelskinder oder Sternenkinder sind Bezeichnungen, die etwas umschreiben sollen, was unfassbar scheint. Wie aber können Eltern mit dem Verlust umgehen, wie ihn verarbeiten?

Der Verlust eines Kindes

Die moderne Frühdiagnostik führt manchmal zu schrecklichen Verirrungen. Monika Liebner traf einen Entschluss zu einem Zeitpunkt, von dem sie Jahre später sagt: "…leider viel zu schnell…“. Die Trauer um ihr ungeborenes Kind hat sie veranlasst die Internetseite www.schmetterlingskinder.de zu schalten. Hier stellt sie ein Forum zur Verfügung, in dem Austausch zwischen Eltern stattfinden kann, die ein gemeinsames Schicksal teilen müssen: Den Verlust eines Kindes, das noch gar nicht so richtig im Leben angekommen war.

Zeit für Trauer und Zeit für den Tod

Sie plädiert für Zeit. Sich Zeit nehmen in der Trauer und, was vielleicht noch wichtiger ist, sich Zeit nehmen für den Abschied von dem Kind. Für sie selbst war alles leider viel zu schnell. Anderen Betroffenen empfiehlt sie, den Tod bewusst zu durchleben. Die Schmerzen bewusst zuzulassen, sich offenen Auges den Tatsachen zu stellen. Dies alles benötigt Zeit. "Betroffene Eltern…“, so schreibt sie, sollten sich vor Augen führen, "…dass alles, was sie (…) an Eindrücken ihres Kindes sammeln können, nicht nur für die kommende Trauerarbeit reichen muss, sondern auch als Erinnerung für ein ganzes Leben.“ Gerade das bewusste Herangehen an den Schmerz sei die Voraussetzung für die spätere Verarbeitung des Verlustes. Psychologen und Therapeuten geben ihr in dieser Einschätzung Recht.

Der Rat Betroffener

In den Foren geben „Schmetterlingseltern“ Ratschläge, wie sie ihre Trauer bewältigen konnten und Beispiele einer offensiven Trauerarbeit, die einem Nichtbetroffenen manchmal etwas zu weitgehend erscheinen. Aber Außenstehende können ohnehin nicht nachvollziehen - und somit auch nicht entscheiden -, was in dieser Situation angemessen ist. So rät eine Mutter, um letzte Ultraschallbilder zu bitten, um die letzten Lebensminuten des Kindes aktiv erleben zu können. Eine andere Mutter mit einer Fehlgeburt, rät, dem Kind unbedingt einen Namen zu geben, weil es unwürdig sei im Nachhinein immer von „der Fehlgeburt“ sprechen zu müssen. Eine Familie, die eine Totgeburt zu verarbeiten hatte, rät, das tote Kind anzufassen, es zu streicheln: "Alle fehl- und totgeborenen Kinder duften wunderbar nach Baby. Prägen sie sich den Duft ein.“ Abdrücke von Füssen und Händen, Haarlocken, Namensbändchen und vom Krankenhaus ausgestellte Urkunden sollen Erinnerung möglich machen, aber auch ein Zeichen des Daseins auf dieser Welt sein. "Ich war hier, auch wenn ich früh gegangen bin – aber ich war hier!": Das soll dokumentiert werden und der Trauer auch ein Stück Selbstbehauptung abtrotzen.

Einen Namen geben

„Verbringen sie ausreichend Zeit mit ihrem Kind (…). Jetzt ist die Zeit, ihm noch alles zu sagen, was sie ihm mit auf seinen Weg geben möchten“, rät eine „Schmetterlingsmutter“. Auch wenn es leider zu einer Plattitüde geworden ist, so ist es dennoch richtig: Leben Sie ihr Gefühl. Haben Sie keine Scham und keine Angst. Bringen Sie ihren Schmerz nach außen. Behalten Sie Erinnerungsstücke: Ein Tuch, den Strampler, ein Kuscheltier. Überlegen Sie, ob sie einer Obduktion zustimmen wollen, und geben Sie vor Zeugen ihren Wunsch zu Protokoll. Jedes Kind, unabhängig von Alter und Gewicht, kann bestattet werden. Manchmal gibt es Widerstände gegen eine Bestattung und Krankenhäuser meinen, das Kind behalten zu dürfen: Setzen Sie sich zur Wehr! Es ist ihr Kind, und kein Krankenhaus darf es einfach behalten. Totgeborene Kinder können seit etwas mehr als zehn Jahren auch beim Standesamt mit ihrem Vor- und Zunamen in das Geburtenbuch eingetragen werden. Schaffen Sie sich eine Erinnerungskultur mit Jahrestagen, Fotos, Andenken und falls Sie zu schwach sind in dieser frühen Phase, dann fragen Sie nach Hilfe, wenn Sie sie benötigen.

Hilfe von Außen

Was können wir tun? Einfach nur da sein: Damit wäre dieser Abschnitt eigentlich erledigt. Aber es ist komplizierter. Anteilnahme ist eine schwierige Übung im menschlichen Drama. Zumeist neigen wir dazu, über Worte die Trauer bewältigen zu wollen und vergessen das Herz. Das Unfassbare will beschrieben werden, um es irgendwie verstehbar zu machen. Viele betroffene Frauen zitieren die Sätze, die wir alle kennen, wenn wir einen Trauerfall in der Familie haben und uns Trost zuteil wird. Es sind die "Wer-fällt-muss-aufstehen“-Parolen, die wir alle kennen und selbst benutzen, da wir scheinbar keine andere Art der Anteilnahme gelernt haben. Aber bei den "Schmetterlingen“, kann gerade diese Form der Auseinandersetzung mit dem Tod, sehr verletzend sein.

Worte allein reichen nicht aus

"Du bist ja noch jung, du wirst andere Kinder haben. Und außerdem: Du bist stark, du schaffst das schon…das geht vorbei. Sei froh, dass es noch nicht gelebt hat." Monika Liebner hat sie alle gehört. Und sie haben sie alle verletzt. Nicht weil es an gutem Willen mangelte, sondern weil es Sätze sind, die andeuten, dass diese Trauer etwas Beiläufiges ist. "Hören Sie einfach nur zu“, rät sie. Trauer kann nur unzureichend über Worte bewältigt werden. Da sein, Fragen stellen, die Trauernde und ihre Stimmungen wirken lassen. Irgendwann kommt die Zeit für Worte. Und, pflegen Sie ihr Familienmitglied dem dieses Schicksal widerfahren ist so, als ob das Kind noch leben würde. Lassen Sie ihr all die Zuwendung zukommen, die Sie ihr mit dem Kind im Arm auch hätten zu kommen lassen. Viele Frauen berichten, gerade bei Tot- oder Fehlgeburten, von einer Ablehnung gegen den eigenen Körper. Auch der Körper braucht somit eine Pause, ein stilles Verständnis und Ruhe, um sich neu zu finden.

Trauernde Väter

Eine ganze Menge an Widersprüchen und Unsagbarem, Unausgesprochenem. Dabei geraten die Väter sehr oft in den Hintergrund. Sie drohen von den unterschiedlichen Anforderungen und Erwartungen, die an sie gestellt werden, zerrissen zu werden: Sie müssen ihrer Frau beistehen, müssen für sie und eventuell die anderen Kinder der Familie stark sein, den Alltag weitgehend allein bewältigen und gleichzeitig ihre eigenen Gefühle irgendwie unter Kontrolle bringen - zumindest denken dies die meisten. Es sind alte Rollenklischees, die dabei sicherlich ein entscheidender Faktor sind, und die sicherlich auch in heutiger Zeit abklingen. Er soll seine Frau nicht auch noch mit seiner Trauer belasten. Er leidet aber noch mehr, weil sie leidet. Viele fühlen sich schuldig. Diese nach außen getragene Stärke wird dann vielleicht auch noch als Gefühlskälte missverstanden. Männer trauern anders als Frauen, aber sie müssen dies auch, weil sie anderen Erwartungen gegenüber sehen. Doch mancher Mann ist aus einem solchen Schicksal auch gestärkt hervorgegangen. Er hat seine eingefahrenen Gefühlswelten verlassen müssen und musste lernen, seinen Gefühlen auch in anderen Lebensbereichen mehr Raum zu geben. Paare haben sich, gerade durch das Leid, neu entdecken können, weil jeder das Verborgene nach außen tragen musste, um das Unfassbare zu verarbeiten.

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