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Schweinegrippe  

Experten fürchten Impfrisiko für Schwangere

07.08.2009, 10:14 Uhr | Spiegel Online; Heike Le Ker, Spiegel Online


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Schweinegrippe-Impfung in der Schwangerschaft: ja oder nein?Schweinegrippe-Impfung in der Schwangerschaft: ja oder nein? (Bild: Imago)Für Schwangere kann die Schweinegrippe besonders gefährlich werden, das belegen einige Todesfälle. Doch Experten wissen nicht, ob der Impfstoff gegen die Seuche sicher genug für werdende Mütter ist. Es fehlt an Daten - ein Ausweg aus dem Dilemma ist nicht in Sicht.
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Keine Panik

Angst und Schrecken verbreitet die Schweinegrippe derzeit in Deutschland wohl kaum. Obwohl die Weltgesundheitsorganisation WHO schon vor zwei Monaten die höchste Pandemie-Stufe sechs ausgerufen hat, bleiben die Menschen auch in vielen anderen Teilen der Welt ruhig. Fast 8000 Infektionen mit dem neuen Influenza-Stamm H1N1 hat es laut Robert-Koch-Institut (RKI) bislang in Deutschland gegeben - die meisten verliefen weitgehend harmlos.

Risikogruppe Schwangere

Doch es gibt Risikogruppen, bei denen eine Erkrankung mit der Schweinegrippe lebensgefährlich werden kann: Dazu zählen Schwangere, Neugeborene und Menschen mit chronischen Krankheiten und geschwächtem Immunsystem. Wie eine Auswertung von Infektionen in den USA vom April und Juni 2009 in der Fachzeitschrift "Lancet" zeigt, starben in diesem Zeitraum sechs schwangere Frauen an der Schweinegrippe. Sie hatten eine Lungenentzündung bekommen und waren zu schwach, um die Infektion abzuwehren. Auch während der Asiatischen Grippewelle 1957 waren demnach in Minnesota 50 Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter, die an der Grippe starben, schwanger.

Noch keine genauen Daten

Die Frage nach Schutz, Vorbeugung und Therapie ist für diese Gruppe daher von zentraler Bedeutung. Das Problem dabei: Kaum ein Experte weiß genau, ob die derzeit geplante und noch im Test befindliche Massenimpfung gegen H1N1 sicher für Schwangere ist. "Es liegen derzeit noch keine Ergebnisse über Wirksamkeit und Sicherheit der verschiedenen Impfstoffe vor", sagt Ulrich Heininger, stellvertretender Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (Stiko) am RKI. "Dementsprechend haben wir auch keine Daten zu Schwangeren."

Klinische Studien mit Schwangeren werden selten genehmigt

Und die werden auch nicht so schnell auftauchen, denn klinische Tests mit schwangeren Frauen werden von Ethikkommissionen besonders kritisch hinterfragt und selten genehmigt. "Das ist quasi ein No-Go", sagt Frank von Sonnenburg, der die kürzlich in Deutschland begonnene Untersuchung eines Impfstoffs gegen das neue H1N1-Virus am Klinikum der Universität München koordiniert. Auch an seiner Studie dürfen keine Schwangeren teilnehmen. Ausdrücklich steht in den Teilnahmebedingungen, eine Frau im gebärfähigen Alter könne nur dann Probandin werden, wenn sie "im Zeitraum der Studie eine ausreichende Verhütungsmethode" praktiziere.

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"Eine wirklich sehr schwierige Situation"

"Wir befinden uns hier wirklich in einer sehr schwierigen Situation", meint Infektionsmediziner von Sonnenburg. "Einerseits bräuchten Schwangere eine Impfung am nötigsten, andererseits haben wir hier aber am wenigsten Daten." Das liegt zum einen daran, dass Schwangere in Deutschland auch gegen die saisonale Grippe kaum geimpft werden, obwohl auch diese häufig schwer und mitunter sogar tödlich verläuft. Doch die Stiko empfiehlt die Impfung im Gegensatz zu den USA nicht ausdrücklich. Im Gegenteil: Vor allem in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft warnt die Stiko sogar vor einer Immunisierung, für spätere Zeitpunkte sei die Datenlage noch zu unklar: "Bei einer Impfung gegen Grippe jenseits des ersten Trimenons sind keine negativen Auswirkungen für das Ungeborene und keine Komplikationen für die Schwangere zu erwarten, Daten hierzu aus größeren tierexperimentellen oder klinischen Studien fehlen jedoch", schreibt das RKI auf seiner Internetseite.

Sonderfall Deutschland?

Zum anderen sind Ergebnisse aus dem Ausland, bei denen laut von Sonnenburg keine gravierenden Nebenwirkungen bei Schwangeren auftraten, nicht eins zu eins auf Deutschland übertragbar. Zwar werden in den USA deutlich mehr Schwangere gegen die saisonale Influenza geimpft, doch die verwendeten Substanzen sind stets frei von sogenannten Adjuvantien - Substanzen, die dem Impfstoff zugesetzt werden, um die Immunantwort zu erhöhen. In Deutschland ist das anders: Die Immunverstärker waren bereits in zahlreichen Impfstoffen vorhanden. In der Bevölkerung haben sie laut von Sonnenburg keine signifikanten Nachteile gebracht. Ob das aber auch auf Schwangere zutrifft, weiß niemand. Denn Adjuvantien stimulieren das Immunsystem und können beispielsweise die Anzahl von spezifischen Antikörpern erhöhen. Während einer Schwangerschaft ist die Abwehr jedoch meist eingeschränkt - wie eine Manipulation sich hier auswirken könnte, ist unklar.

Es fehlt an klinischer Erfahrung

Doch Adjuvantien haben laut von Sonnenburg zwei wichtige Vorteile: "Man braucht weniger abgetötete Virussubstanz, um mehr Impfdosen herzustellen, und eine mit Adjuvantien versehene Substanz scheint einen breiteren Schutz zu liefern, auch wenn sich die Viren genetisch verändern." Es gebe aber auch wissenschaftliche Hinweise darauf, dass die Zusatzstoffe Autoimmunkrankheiten auslösen könnten. Die WHO schrieb deshalb Anfang Juni 2009: "Die Wirkung bei sehr jungen Kindern und in der frühen Schwangerschaft muss noch studiert werden. Es gibt keine klinische Erfahrung, Risiko und Nutzen von adjuvantierten und nichtadjuvantierten H1N1-Impfstoffen abzuwägen."

Tendenz geht zur Impfung

Ob in Deutschland ein Medikament gegen die Schweinegrippe mit Adjuvantien zugelassen wird, ist noch nicht entschieden - gut möglich ist es. Auch bei der Testphase in München untersuchen die Ärzte unterschiedliche Zusammensetzungen: Herkömmliche, in Eiern ausgebrütete oder auf Zellkulturen hergestellte Impfstoffe, unterschiedliche Dosierungen und eben auch verschiedene Zusammensetzungen mit und ohne Adjuvans. "Wäre meine Frau jetzt schwanger, würde ich trotz aller Unsicherheiten momentan dazu tendieren, ihr zu einer Impfung gegen die Schweinegrippe zu raten", sagt von Sonnenburg.

Experte sagt: Impfung sinnvoll

Auch Heininger von der Stiko meint: "Nach meiner persönlichen Einschätzung halte ich es für sinnvoll, wenn sich Schwangere impfen lassen, denn die Verläufe der Erkrankungen sind durchaus besorgniserregend." Dass ein Impfstoff möglicherweise mit einem Adjuvans versehen ist oder auf Zellkulturen hergestellt wird, hält der Experte nicht unbedingt für ein Hindernis bei der Empfehlung für Schwangere: "Es handelt sich bei allen Substanzen um Totimpfstoffe, und die gelten grundsätzlich als unbedenklich."

Tamiflu wohl für Schwangere sicher

Etwas sicherer scheint die Datenlage hingegen bei der Therapie zu sein: Ein japanisches Forscherteam berichtete kürzlich im "Canadian Medical Association Journal", dass die Arzneien Tamiflu (mit dem Wirkstoff Oseltamivir) und Relenza (Zanamivir) auch für Schwangere relativ sicher seien. Es habe weder Hinweise auf eine Gefährdung der werdenden Mütter noch der ungeborenen Kinder gegeben. Die Forscher schreiben: "Für die Behandlung und Vorbeugung während der Pandemie scheint Oseltamivir das Medikament der Wahl zu sein, weil es mehr Daten zur Sicherheit in der Schwangerschaft gibt."

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