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Tunesien: Gynäkologe hat Zweifel an Schwangerschaft mit Zwölflingen

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Mehrlingsgeburten  

Gynäkologe zweifelt an Berichten über Zwölflinge

19.08.2009, 17:48 Uhr | iri, dpa

Babyglück im Großpack. Mehrlinge sind meistens Frühgeburten. (Bild: Imago)Babyglück im Großpack. Mehrlinge sind meistens Frühgeburten. (Bild: Imago)Das tunesische Gesundheits- ministerium hat am Mittwoch, den 19. August Berichte über die Zwölflings-Schwangerschaft einer Tunesierin als "große Farce" zurückgewiesen. Die 34-jährige Frau sei nie im Krankenhaus von Gafsa gewesen, sagte der Ministerialdirektor Mongi Hamrouni in Tunis. Man könne eine eingebildete Schwangerschaft nicht ausschließen.

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Zustand der zwölf Föten angeblich "sehr gut"

Tunesische Zeitungen hatten berichtet, die Frau erwarte sechs Jungen und sechs Mädchen. Krankenhausärzte von Gafsa hätten den Zustand der Frau und der zwölf Föten als "sehr gut" bezeichnet. Ihr Mann Marwen Aladab wurde mit den Worten zitiert, seine Frau habe keine Hormone genommen, sondern sei auf natürliche Weise schwanger geworden. Die Frau soll nach Presseberichten seit Jahren arbeitslos sein und seit 2007 zwei Fehlgeburten gehabt haben.

Frau verweigert Behandlung

"Gestern haben wir einen mit modernsten Mitteln ausgestatteten Krankenwagen und Mediziner zum Haus der Frau in Gafsa geschickt", sagte Hamrouni. "Doch sie hat alle Untersuchungen strikt verweigert." Gafsa liegt 400 Kilometer südwestlich von Tunis. "Wir konnten sie nicht mit Gewalt zu einer Diagnose zwingen, denn das ist ethisch und gesetzlich verboten", sagte Hamrouni. "Diese Frau wurde niemals ins Regionalkrankenhaus Gafsa aufgenommen und keiner unserer Ärzte hat vorgegeben, dass eine Tunesierin mit zwölf Föten schwanger sei."

Kontaktverbot mit der Frau

Marwen Aladab, ein Arabischlehrer, verweigerte den Medien jeden Kontakt zu seiner Frau. Seine Frau sei nicht zu Hause. Seine Schwester Lamia Aladab erklärte, dass die Medien sich an ihren Rechtsanwalt Lotfi Smatt wenden sollten.

Deutscher Gynäkologe zweifelt an Schwangerschaft

Auch der Kieler Gynäkologe Professor Alexander Strauss hat Berichte über die angebliche Zwölflingsschwangerschaft in Tunesien stark angezweifelt. Laut lokaler Medienberichte soll die Frau mit zwölf Babys im Bauch bereits im neunten Monat schwanger sein. "Das ist völlig unmöglich", erläuterte Strauss. "Es ist Humbug zu behaupten, dass so jemand im Entferntesten in das letzte Drittel der Schwangerschaft kommen könnte."

Keine 40-Wochen-Schwangerschaft und natürliche Geburt möglich

Eine normale Schwangerschaft dauert 40 Wochen. Drillinge erreichten im Schnitt die 33. Woche, Vierlinge die 31. und Fünflinge die 29. Woche. Darüber hinaus gebe es keine Zahlen, erläuterte Strauss. "Aber Sie können sich in etwa ausrechnen, wo Sie bei Zwölflingen landen würden." Dem Gynäkologen zufolge kann die Frau auch nicht wie behauptet, die angeblichen Zwölflinge auf natürlichem Wege zur Welt bringen. "Das ist Quatsch. Eine natürliche Geburt wäre in so einem Fall nicht möglich, und das würde auch niemand, der halbwegs vernünftige Geburtshilfe betreibt, riskieren."

Befruchtung auf unnatürlichem Wege

Ebenso könne die Schwangerschaft auch nicht wie berichtet auf rein natürlichem Weg zustande gekommen sein. "Das ist in der menschlichen Natur nicht vorgesehen und kommt auch nicht vor", sagte der stellvertretende Direktor der Kieler Universitätsklinik für Gynäkologie und Geburtshilfe. "Natürlich ließe sich sicher eine theoretische Wahrscheinlichkeit dafür berechnen, aber die dürfte etwa so klein sein wie in allen europäischen Ländern gleichzeitig im Lotto zu gewinnen."

Missbrauch der Fortpflanzungsmedizin

Seines Wissens sei keine natürliche Zwölflingsschwangerschaft irgendwo auf der Welt dokumentiert, betonte Strauss. "Es gibt Berichte über natürliche Fünflinge, Sechslinge und sogar Siebenlinge - dafür müssen Sie aber zum Teil über 100 Jahre zurückblicken." Üblicherweise kämen solche hochgradigen Mehrlingsschwangerschaften heute durch einen ethisch fragwürdigen Missbrauch der Fortpflanzungsmedizin zustande. "Dabei wird versucht, die Frau zunächst mit möglichst vielen Embryonen schwanger zu machen, um die 'überzähligen' dann wieder abzutöten. Das ist aus gutem Grund in Deutschland verboten."

Bereits bei Fünflingen 50-prozentiges Risiko für Krankheit und Tod

"Schon jeder Drilling hat ein Risiko von 30 Prozent, schwer krank zu sein oder zu sterben", sagte Strauss. "Bei Fünflingen steigt das Risiko auf 50 Prozent." Darüber hinaus gebe es zu wenig Fälle, um statistische Aussagen zu machen. "Aber mehr als die Hälfte aller Familien mit Drillingen oder höhergradigeren Mehrlingen kann nicht mit ausschließlich gesunden Kindern rechnen."


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