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Auslandsadoption: WDR-Doku zeigt das Kind als Ware

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Adoptions-Industrie oder das Beste für das Kind?

02.01.2013, 15:21 Uhr | mmh, t-online.de

Auslandsadoption: WDR-Doku zeigt das Kind als Ware. Adoption: Kindern in der Heimat eine Perspektive bieten, ist besser als eine Auslandsadoption.  (Quelle: WDR)

Kindern in der Heimat eine Perspektive bieten, ist besser als eine Auslandsadoption. (Quelle: WDR)

Viele kinderlose Paare wollen in bester Absicht ein Kind aus einem armen Land adoptieren. Doch ist die Adoption wirklich für das Kind das Beste? Die WDR-Reportage "Suche Kind, zahle bar - Die Adoptionslobby" zeigte ein erschreckendes Bild der "Kinderbeschaffungsindustrie". Im schlimmsten Fall wird das Kind wird zur Ware, die Adoptionsfreigabe zum politischen Druckmittel.

Politikum Auslandsadoption

Es ist wohl naiv zu glauben, dass Auslandsadoption nur Gutes bezweckt. Adoption wird - vor allem aus den USA - als politisches Druckmittel benutzt. Verantwortliche lassen sich bestechen, Kinder werden gegen den Willen der leiblichen Eltern zur Adoption frei gegeben.

Schock für die Mutter: Das Kind ist einfach weg

Die WDR-Reportage aus der Reihe "Die Story" erzählte die Geschichte von Marineta Ciofu. Sie hat jede Spur ihres Kindes verloren. Vor fast zehn Jahren musste die Rumänin aus ärmlichen Verhältnissen ihre uneheliche Tochter in einem Babyheim zurücklassen – mit der festen Absicht, sie zurückzuholen, sobald es ihr selbst wieder besser ginge. Doch plötzlich war ihre Tochter verschwunden. Fast zehn Jahre später erfährt die Mutter die Wahrheit: Ihr Kind war ohne ihre Einwilligung von einer amerikanischen Familie adoptiert worden.

Zehntausende Kinder aus Rumänien zur Adoption freigegeben

Der eiserne Vorhang fällt, erschreckende Bilder von verwahrlosten Kindern gehen um die Welt. Hier beginnt die Geschichte der Auslands-Lobby. Rumänien 1989: Bilder aus Kinderheimen, die Folterkammern glichen. Halbverhungerte, psychisch gestörte Kinder. Die ganze westliche Welt wollte helfen - egal wie. Zehntausende rumänische Kinder wurden zur Adoption ins Ausland vermittelt. Es hieß, diese Kinder seien "Niemandskinder", die in ihrer Heimat keiner haben wollte.

Adoptionsindustrie entsteht

Dies war der Beginn der "Adoptionsindustrie" reicher westlicher Länder und für Fälle, wie dem von Marineta Ciofu, deren Kind ohne Ihre Einwilligung verschwand, so beschreibt der WDR die Situation. Die Mutter hat nicht mal das Recht zu erfahren wohin ihr Kind verschwand. Andere Kinder werden aus Pflegefamilien gerissen, einfach abgeholt, andere verschwinden aus Heimen, obwohl sie schon für rumänische Familien "gebucht" sind. Auslandsadoption ist ein System, in dem Geld fließt, das politischen Druck auf arme Länder ausüben kann, damit adoptionswillige Eltern in reichen Ländern Kinder bekommen, egal woher. Das System handelt mit der Ware Kind.

Missbrauch nicht auszuschließen

Die EU stoppte die Adoption aus Rumänien, die USA beschwerten sich massiv darüber, Eltern in den USA, deren Adoption schon bewilligt war, die auf "ihre gebuchten" Kinder warteten, fühlen sich betrogen. Den USA wird - so die WDR-Reportage - vorgeworfen, politischen Druck auszuüben: NATO-Beitritt nur gegen Adoptions-Kinder. Das Problem ist, dass mit der Zahl der aus dem Ausland adoptierten Kinder zum einen die Gefahr wächst, dass die Kinder zur Ware werden, dass die Zahl der unseriösen Vermittler steigt und dass sich nicht nur verantwortungsvolle potentielle Eltern bemühen, sondern auch Menschen mit Missbrauchs-Absichten.

Geltende Regelungen

Geltende EU-Richtlinie ist, Auslandsadoption als letztes Mittel einzusetzen: Kinder sollen nicht aus ihrem Kulturkreis gerissen werden. Eine klare Richtung zeigt beispielsweise Terre des Hommes, die Organisation hatte sich früher selbst für Auslandsadoptionen eingesetzt. Auf der Homepage der Organisation heißt es: "Für unsere Adoptionsarbeit galt immer schon der Grundsatz: Die Vermittlung eines Kindes zur Adoption ins Ausland ist der letzte Schritt. Vorher müssen alle Maßnahmen und Möglichkeiten geprüft werden, das Kind wieder in seine Ursprungsfamilie zu integrieren. Ist das nicht möglich, wird zunächst nach geeigneten Pflege- oder Adoptivfamilien im Heimatland des Kindes gesucht. Erst wenn diese Maßnahmen nicht erfolgreich sind, ist eine Vermittlung ins Ausland gerechtfertigt. Mit der UN-Kinderrechtskonvention vom 20. November 1989 sowie dem am 23. Mai 1993 verabschiedeten Haager Übereinkommen über den Schutz von Kindern und die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der grenzüberschreitenden Adoption erhielt diese Maxime Rückhalt im internationalen Recht."

Nicht alles dubios

Natürlich gibt es auch seriöse Agenturen im Bereich Auslandsadoption. Doch um Verfahren zu beschleunigen, um kriminelle Absichten zu verschleiern, werden Agenturen gegründet oder Privatleute beauftragt, die nicht selten offizielle Stellen übergehen. Auftraggeber sind - wissentlich oder unwissentlich - Eltern, die am unerfüllten Kinderwunsch verzweifeln oder zu alt für eine reguläre Adoption sind. Waren diese Agenturen früher in Vietnam, Äthiopien oder Lateinamerika unterwegs, setzte sich dieser "Wanderzirkus der Adoptionsagenturen" immer wieder in Bewegung und ist jetzt in Rumänien gelandet, so beschreibt es Roelie Post, EU-Beamtin, die sich stark macht für die Rechte der rumänischen Kinder.

Reguläres Verfahren

In Deutschland wurden im Jahr 2005 4762 Kinder adoptiert, so die Zahl des Statistischen Bundesamtes, 1453 Kinder hatten nicht die deutsche Staatsangehörigkeit, 560 der adoptierten Kinder und Jugendlichen wurden extra aus dem Ausland zur Adoption nach Deutschland geholt, Tendenz steigend. Staatliche Stellen prüfen im Regelfall erst, ob die Kinder in ihrem Heimatland wirklich keine Perspektive mehr haben. Erweist sich die Auslandsadoption wirklich als beste Möglichkeit, das Wohl des Kindes zu garantieren, werden die entsprechenden Papiere fertiggestellt, sowohl auf deutscher als auch auf Seiten des Heimatlandes des Kindes. Das ist oft ein mühsamer, nervenaufreibender Prozess.

Weitere Infos

Erste Antworten im Zusammenhang mit einer Auslandsadoption und gesetzliche Bestimmungen finden sich auf den Webseiten der Bundeszentralstelle für Auslandsadoption, weitere Orientierungshilfen für Adoptionsinteressenten bietet auch die Auslandsvermittlungsstelle von Terre des Hommes.


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