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Starker Juckreiz in der Schwangerschaft weist auf Lebererkrankung hin

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Schwangerschaftscholestase  

Starker Juckreiz weist auf Lebererkrankung hin

27.01.2010, 12:50 Uhr | Simone Blaß

Starker Juckreiz in der Schwangerschaft weist auf Lebererkrankung hin. Schwangere Frau umfasst ihren Bauch.

Die Schwangerschaftscholestase ist eine seltene Lebererkrankung. (Bild: Archiv)

Wenn es im letzten Schwangerschaftsdrittel plötzlich anfängt, überall massiv zu jucken, obwohl auf der Haut keinerlei Veränderungen sichtbar werden, dann sollte man an eine sogenannte "intrahepatische Schwangerschaftscholestase" denken. Es handelt sich hierbei um eine bei uns in Deutschland eher seltene Erkrankung, die das Risiko für eine Frühgeburt erhöht und im schlimmsten Fall tödlich für das Baby ausgehen kann.

Nur wenige deutsche Schwangere sind betroffen

Interessanterweise ist die Schwangerschaftscholestase eine Erkrankung, die weltweit betrachtet unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Während in Chile bis zu 15 Prozent der Frauen erkranken, trifft es in Europa - mit Ausnahme von Skandinavien, wo die Zahlen etwas höher liegen - nicht einmal ein Prozent der Schwangeren. Professor Jürg Reichen, Chefarzt der Hepatologie am Universitätsspital in Bern erklärt: „Wahrscheinlich braucht es mindestens zwei Faktoren: vererbte 'Schwächen' in gewissen Transportproteinen in den Gallewegen und vererbte, zum Teil auch erworbene, 'Schwächen' in der Verstoffwechslung von weiblichen Geschlechtshormonen. Die Häufung in Chile ist vor allem auf die Gene zurückzuführen, wahrscheinlich kommen aber auch Umweltfaktoren dazu.“ Doch auch bei uns in Europa sollte bei starkem Juckreiz in der Schwangerschaft immer diese Lebererkrankung in Betracht gezogen werden, denn erstens leiden die Frauen sehr darunter und zweitens besteht bei Nichtbehandlung eine Gefahr für das ungeborene Kind.

Lebererkrankungen in der Schwangerschaft ernst nehmen

„Es gibt sicher gelegentlich Fälle, in denen die Schwangerschaftscholestase gar nicht diagnostiziert wird. Dabei gibt es 'Das Schwangerschaftsjucken' überhaupt nicht! Wenn eine Schwangere unter ihrem Juckreiz leidet, muss diese Erkrankung formell ausgeschlossen werden, was durch die Bestimmung von Serumgallensäuren und Leberwerten geschieht.“, so Jürg Reichen. „Lebererkrankungen in der Schwangerschaft werden immer sehr ernst genommen - allerdings muss man sie erkennen.“ Sein Kollege Professor Axel Holstege, ärztlicher Direktor am Klinikum Landshut und Facharzt für Innere Medizin, betont, dass Erkrankungen, die unterschiedliche Fachdisziplinen betreffen, durchaus einer so genannten Schnittstellenproblematik unterliegen können. „Die Frauenärzte allerdings kennen die Problematik erhöhter Leberwerte in der Schwangerschaft und ziehen praktisch immer entsprechende hepatologische Kompetenz hinzu.“ Und wenn nicht, dann sollte man als Patientin bei anhaltendem und auffallend starkem Juckreiz auf einer entsprechenden Blutuntersuchung bestehen und diese eventuell sogar noch einmal wiederholen lassen, da der Juckreiz manchmal bereits vor der signifikanten Erhöhung der Werte auftritt. Weitere Alarmzeichen, die auftreten können, aber nicht müssen, sind Übelkeit, eine Gelbfärbung von Haut und Augen sowie ein weißlicher Stuhl.

Es besteht eine Gefahr für das Baby

Der durch eine Cholestase verursachte Juckreiz beginnt meist im letzten Drittel der Schwangerschaft, kann aber auch bereits früher auftreten. Zuerst sind in der Regel Handinnenflächen und Fußfohlen betroffen, oft breitet er sich auf den restlichen Körper aus, wird so unerträglich, dass die Frauen sich blutig kratzen und kaum mehr schlafen können. „Schuld daran sind Substanzen, die normalerweise in der Galle ausgeschieden werden, wahrscheinlich vor allem Gallensalze und weibliche Geschlechtshormone.“, weiß der Leberspezialist Reichen. Der Facharzt für Innere Medizin, Holstege, ergänzt: „Insbesondere Gallensäuren wurden als Auslöser verdächtigt. Bei einer Cholestase werden die Gallensäuren vermindert oder auch gar nicht mehr über die Gallenwege in den Darm ausgeschieden. Dies führt zu einer Anreicherung in Blut und Geweben. “ Und wird vermutlich über die Plazenta in den kindlichen Blutkreislauf transportiert. Doch: „Leider spricht nicht alles für die Rolle der Gallensäuren bei der Entstehung des Juckreizes.“  Auch, wenn man sich in der Wissenschaft noch nicht ganz einig ist, wie die Schwangerschaftscholestase entsteht, eines ist sicher: „Die Gefahren für das Baby sind vor allem Frühgeburt, verringerte Vitalität, was sich an den APGAR-Werten zeigt und ein Austritt von Mekonium, dem Stuhl des Ungeborenen, in das Fruchtwasser. Falls unerkannt und unbehandelt, kann dies im schlimmsten Fall zum Kindstod im Mutterleib führen“, so Reichen.

Eine Früh- oder Totgeburt medizinisch vermeiden

Cremes und Bäder helfen nicht gegen den Juckreiz, da dieser sozusagen unter der Haut stattfindet. Was aber helfen kann, ist leichte, luftige Baumwollkleidung, eine kühle Umgebung und eventuell das Vermeiden fetter Speisen, die die Leber zusätzlich belasten. Da das durch die Cholestase verursachte Jucken den Schwangeren oft den Nachtschlaf raubt, ist es wichtig, möglichst viel Ruhe und Schlaf abzubekommen, auch tagsüber. Die medizinische Therapie der ersten Wahl ist Ursodeoxycholsäure (UDCA). Mit diesem Medikament kann das Risiko für das Kind verringert und das Jucken ausgeschalten werden. Aber auch kortisonähnliche Substanzen wie Dexamethason kommen zum Einsatz. „Sie sind nicht nur hilfreich gegen den Juckreiz“, so Reichen, „sondern beschleunigen auch die Lungenreifung des Babys.“ Sobald die Lungen ausgereift sind, empfehlen Fachleute bei einer Schwangeschaftscholestase die Geburt früher einzuleiten, da die Gefahr für das Baby mit zunehmender Schwangerschaft steigt. Normalerweise wird spätestens in der 38. Woche eingeleitet, sollte es zusätzlich zu einer Gelbsucht kommen, sogar bereits in der 36. Schwangerschaftswoche.

Mit Spätfolgen ist nicht zu rechnen

Erfreulicherweise erledigt sich das Problem mit der Geburt. Die Werte normalisieren sich und der Juckreiz verschwindet in den ersten Wochen nach der Entbindung. Bei der Geburt selbst allerdings besteht für die Mutter ein erhöhtes Blutungsrisiko, das durch die Gabe von Vitamin K verringert werden kann. Und auch das Baby sollte unbedingt Vitamin K erhalten. Bei der abschließenden Wochenbettuntersuchung, sechs Wochen nach der Geburt, sollten die Blutwerte noch einmal vom Arzt kontrolliert werden, um sicherzugehen, dass erstens die Diagnose korrekt war und zweitens sich alles wieder normalisiert hat. Auch eine Unterschalluntersuchung auf Gallensteine sollte man in Betracht ziehen, denn man weiß inzwischen, dass das Risiko bei einer Schwangerschaftscholestase erhöht ist. Gallensteine können in der Schwangerschaft nämlich durchaus der Grund dafür sein, dass der Gallenfluss in den Darm blockiert ist. Wer bereits in sehr jungen Jahren unter Steinen litt, gehört definitiv zur Risikogruppe für Schwangerschaftscholestase. Auch, wenn in der Familie, zum Beispiel bei der Mutter oder der Schwester, bereits eine solche Erkrankung aufgetreten ist, muss man damit rechnen.

Verhütung anpassen

Ob die Cholestase bei späteren Schwangerschaften wiederkommen wird, kann man pauschal nicht sagen. Man geht davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit aber immerhin bei 45 bis 70 Prozent liegt. Hierzu Holstege: „Gelegentlich kommt es auch unter Einnahme von Kontrazeptiva, also empfängnisverhütenden Mitteln, zu einem Juckreiz bei diesen Patientinnen. Ich selbst hatte eine Patientin, bei der es sowohl während der Schwangerschaft zu einer Schwangerschaftscholestase kam, unter der Einnahme von Antikonzeptiva (Antibabypille) eine Cholestase und ein Juckreiz auftraten und sich das Gleiche noch einmal darstellte nach Einsetzen einer hormonfreisetzenden Spirale.“ Wenn man also verhüten möchte, dann sollte man seinen behandelnden Arzt unbedingt auf die überstandene Schwangerschaftscholestase hinweisen, um Alternativen zu hormonhaltigen Präparaten zu finden.

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