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Fehlgeburt  

Schicksalsschlag per Online-Therapie bewältigen

18.02.2010, 17:10 Uhr | dpa

Frau sitzt am Computer und telefoniert.Therapie nach Fehlgeburt online und per Telefon. (Bild: Imago)Etwa 15 Prozent aller Schwangerschaften enden mit einer Tod- oder Fehlgeburt - für die Frauen aber auch die Männer eine traumatische Erfahrung, über die viele nur schwerlich hinwegkommen. Ein neues Hilfsangebot bieten Psychotherapeuten der Universitätskliniken Münster und Leipzig an. Anstatt betroffene Eltern in die Praxis zum Gespräch zu laden, können diese den Schicksalsschlag zu Hause von ihrem Computer aus verarbeiten. Eine Online-Therapie soll dabei helfen.

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Auf der Suche nach einer Therapie

Eigentlich wirkt Martina Plum wie eine Frau, die fest im Leben steht. Unkompliziert, dynamisch, und lebensfroh tritt die 49-Jährige mit den rotbraunen, kurzen Haaren auf. Wenn sie aber über ihren Sohn Max spricht, legt sich ein grauer Schleier über ihr Gesicht. Vor fünf Jahren hat sie den Jungen verloren - eine Totgeburt, im neunten Monat ihrer Schwangerschaft. Zwei Kinder hatte sie da bereits. "Ich wollte mich einfach nicht ein- oder zweimal die Woche auf eine Couch legen und einem wildfremden Menschen irgendetwas erzählen", sagt die Dortmunderin in ihrem Büro. "Eigentlich bin ich auch jemand, der die Dinge gerne mit sich selbst ausmacht."

Schuldfrage immer dabei

Mit 44 Jahren hätte Martina Plum ihr Kind bekommen sollen - eine relativ späte Schwangerschaft, die oft mit Risiken verbunden ist. Die Frage, ob sie am Tod mit schuld ist, ließ sie auch vier Jahre danach nicht los. Deswegen entschied sich die Pressesprecherin eines gemeinnützigen Vereins letztlich für die Online-Therapie der Münsteraner Psychotherapeuten ( www.internettherapie-trauernde-eltern.de). "Mir liegt das Schreiben. Außerdem gefällt mir die Anonymität bei der Sache." Ihre Psychotherapeutin Anette Kersting hat sie nie zu Gesicht bekommen.

Strukturiertes Konzept

Am Anfang stand nur ein Telefonat, der Rest wurde per E-Mail geklärt. Anders als bei persönlichen Gesprächen bietet die Online-Therapie ein strukturiertes Konzept: Sie besteht aus zehn Schreibaufgaben über einen Zeitraum von fünf Wochen. Zunächst beschäftige sich die Klientin mit dem Verlust, erläutert Therapeutin Kersting, die das Projekt 2007 ins Leben rief. In einer zweiten Phase schreibt sie einen unterstützenden Brief an eine fiktive Freundin, die das Gleiche erlebt hat. So entsteht eine neue Perspektive zu dem Verlust. In der dritten Phase gehe es darum, den Prozess mit Hilfe eines Abschiedsbriefs an eine selbst gewählte Person möglichst abzuschließen.

Einfach drauflos schreiben

Martina Plum schrieb meist morgens zu Hause. "Ich habe einfach nur in die Tasten gehauen und drauf los getippt, ohne Rücksicht auf Rechtschreibfehler oder sonst etwas", erinnert sie sich. Das Konzept, sich das Leid von der Seele in den Computer zu schreiben, findet Zuspruch. Rund 100 Patienten hat das Team von Anette Kersting schon betreut, auch Anfragen aus Südamerika und den USA erreichten die Münsteraner. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Patientinnen eine sehr intensive Beziehung zu uns eingehen, die der in einem persönlichen Gespräch nicht nachsteht", stellte Kersting fest. Förderlich sei wohl dabei, dass sich die Teilnehmer am Computer eher das Bild ihres "Idealtherapeuten" ausmalen könnten, als dies bei einer üblichen Therapie möglich sei.

Mit dem Verlust umgehen

Martina Plum hat durch die Therapie gelernt, besser mit dem Verlust ihres Kindes umzugehen. Ihren Mann und sie haben die Ereignisse zusammengeschweißt - nach den Worten der Therapeutin ein Glücksfall: "Bei der Trauerarbeit stürzen sich viele Männer in Arbeit, während Frauen eher das Gespräch suchen. Beziehungsprobleme können die Folge sein", sagt Kersting. Martina Plum blickt auf das Fensterbrett, wo ein Bild von Tochter und Sohn steht. Kurzzeitig hat sie Tränen in den Augen. "Ich habe so viel Glück, so tolle Kinder zu haben, die mich unterstützen", erzählt sie. "Aber komplett mit dem Thema abschließen kann man nie." www.internettherapie-trauernde-eltern.de

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