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Teenagerschwangerschaft  

Bristol Palin warnt Teenies vor zu früher Schwangerschaft

08.04.2010, 11:03 Uhr | afp; rev; Simone Blaß, t-online.de, AFP

Bristol Palin warnt Teenies vor zu früher Schwangerschaft . Bristol Palin mit ihrem Sohn Tripp im Rahmen einer Kampagne gegen Teenagerschwangerschaften.

Bristol Palin setzt sich in einer Kampagne gegen Teenagerschwangerschaften ein. (Bild: WENN)

Nachdem sie im US-Präsidentschaftswahlkampf wegen ihrer frühen Schwangerschaft ins Gerede gekommen war, hat sich die Tochter der Vize-Präsidentschaftskandidatin der Republikaner, Bristol Palin, zu einem Engagement gegen Teenager-Schwangerschaften entschlossen. "Was wäre, wenn ich nicht aus einer berühmten Familie stammen würde?", heißt es in einem TV-Spot, in dem die 19-Jährige mit ihrem 16 Monate alten Sohn Tripp auftritt. "Was wäre, wenn ich diese ganze Unterstützung nicht hätte? - Glaubt mir, das wäre nicht so toll!" Der Spot soll im Mai in einer Kampagne gegen Teenager-Schwangerschaften eingesetzt werden. Jährlich werden in den USA rund 750.000 Kinder von Frauen unter 20 Jahren geboren.

"Es ist sehr schwer"

Die frühe Schwangerschaft Bristol Palins wurde im Wahlkampf 2008 zum Thema, in dem der republikanische Gegenkandidat von Barack Obama, John McCain, die damalige Gouverneurin von Alaska, Sarah Palin, zu seiner Vize-Präsidentschaftskandidatin erwählte. Bristol Palin gebar ihren Sohn mit 18 Jahren. Damals vertrat sie die Ansicht, junge Leute könnten nicht vom Sex abgehalten werden. Der TV-Spot wurde von der Candie's Foundation organisiert, die sich gegen Teenager-Schwangerschaften engagiert. Bristol Palin lebt inzwischen getrennt vom Vater ihres Sohnes. "Es hat jeden Teilaspekt meines Lebens verändert, dass ich eine alleinerziehende Teenager-Mutter bin", sagt sie in dem Spot. "Ich muss die ganze Zeit Lösungen finden, es ist sehr schwer."

Wenn den Teenagern die richtige Unterstützung fehlt

Das sind Schwierigkeiten, mit denen auch in Deutschland zahlreiche junge Mütter zu kämpfen haben. Zwar leben, laut UNICEF, die meisten Teenagermütter in den USA, doch auch hierzulande sind bei durchschnittlich 13 von 1000 Geburten die Mütter in einem Alter zwischen 15 und 19 Jahren. Geburten von jüngeren Mädchen sind hier nicht berücksichtigt. Besonders schwer ist es für Mädchen, denen die Unterstützung vom sozialen Umfeld fehlt: Die Beziehungen, in diesem Alter von Natur aus eher kurzlebig, halten die Tatsache einer Schwangerschaft oft nicht aus, manche sind bereits bis zum Bekanntwerden derselben schon in die Brüche gegangen. Die Eltern der Schwangeren sind häufig entsetzt und ihre erste Reaktion ist manchmal verletzend. Oft aus der Sorge um das eigene Kind heraus. Aber auch aufgrund einer gewissen Verzweiflung. Jetzt, wo man gerade selbst seine Kinder aus dem Gröbsten heraus hat, steht man mit der Verantwortung für ein Enkelkind da. Schließlich sind Eltern von Teenagermüttern gesetzlich dazu verpflichtet, ihrem Kind jede notwendige Unterstützung zukommen zu lassen. Drohungen, wie das „Hinauswerfen“, sind in diesem Fall sogar strafbar.

Die wichtige Entscheidung für oder gegen das Kind

Vielfach stehen die jungen Mädchen trotzdem seelisch ganz alleine da. Und müssen eine schwere Entscheidung treffen: für oder gegen das Kind. Das ist schon für eine erwachsene Frau eine unglaubliche Belastung, für eine Schwangere, die selbst noch ein Kind ist, ist die Entscheidung deutlich schwieriger. Eine minderjährige Schwangere kann sich aber - auch gegen den Willen der Eltern - selbstständig entscheiden. Die Nötigung zu einem Schwangerschaftsabbruch zum Beispiel durch die Eltern oder den Vater des Kindes wird sogar mit Freiheitsstrafe belegt. Wenn das Mädchen sich entschließt, das Kind abtreiben zu lassen, so muss es sich seine sogenannte „Einwilligungsfähigkeit“ attestieren lassen. Das bedeutet, die junge Frau muss in der Lage sein, ihre Situation und die Konsequenzen ihres Handelns zu überschauen. Weigern sich die Eltern, diese Reife anzuerkennen, so kann dies auch ein Arzt übernehmen. Der Gesetzgeber gibt, aufgrund der unterschiedlichen Entwicklung während der Pubertät, lediglich Anhaltspunkte. Letztendlich aber zählt der Einzelfall. Allerdings ist eine Abtreibung nicht die einzige Lösung für eine junge Frau, die ihr Kind nicht aufziehen möchte. Es gibt die Möglichkeit der Adoption, aber auch die einer Pflegschaft. Das bedeutet, das Kind lebt zwar in einer Pflegefamilie, kann aber die Mutter regelmäßig sehen und eine Beziehung zu ihr aufbauen. Wenn die Frau in der Lage ist, ihr Kind selbst wieder zu versorgen, so steht ihr diese Möglichkeit offen.

Aufklärung ist nicht gleich Aufklärung

Die Frage, die man sich in diesem Zusammenhang zwangsläufig stellt, ist die, wie es in einem so aufgeklärten Zeitalter sein kann, dass es überhaupt zu einer ungewollten Schwangerschaft kommt. Die Zeiten, in denen das Wort Sex nur verschämt hinter der Schlafzimmertür umschrieben wurde, sind doch längst vorbei. Denkt man. Doch allein die Tatsache, dass man überall nackte Körper bewundern kann, in der Schule ein Fach namens Sexualkunde Einzug gehalten hat und sexuelle Erfahrungen immer früher gemacht werden, macht noch keine Aufklärung aus. Und selbst, wenn man aufgeklärt ist, so bedeutet das nicht, dass man die Wichtigkeit von Verhütung auch erkannt hat beziehungsweise überhaupt in der Lage ist, diese korrekt durchzuführen oder beim Geschlechtspartner durchzusetzen. Und vielleicht ist es gerade dann schwierig, nachzufragen, wenn man das Gefühl hat, alle anderen sind über die Maßen informiert. Und man könnte sich lächerlich machen. In diesem Zusammenhang ist es besonders wichtig, zuhause ein offenes Klima zu schaffen, in dem Kinder und Jugendliche sich nicht scheuen, Fragen zu stellen und in dem sie zu einem verantwortungsvollen Sexualleben erzogen werden.

Auf einmal erwachsen

In so jungen Jahren ein Kind zu bekommen, bedeutet, mit einem Schlag erwachsen zu werden und Verantwortung zu übernehmen. Nicht nur für sich selbst, sondern auch für das Kind. Viele, die vorher eher romantische Vorstellungen vom Mutterdasein hatten, sind mit der Situation komplett überfordert. Schule und Berufsausbildung sind mit der Kindererziehung schwer zu vereinbaren und scheinen erstmal unwichtig. Das allerdings macht es später schwerer, einen qualifizierten Beruf auszuüben und allein in der Lage zu sein, für sich und das Kind zu sorgen. Die Folge ist ein erhöhtes Armutsrisiko.

An wen können sich Betroffene wenden?

Es gibt zahlreiche Stellen, die unterstützend zur Seite stehen. Die beraten, aber nicht werten. Für eine erste Information bietet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung eine Internetseite an, die sich allein dem Thema „schwanger unter 20“ widmet (http://www.schwanger-unter-20.de). Hier findet man unter anderem die Kontaktdaten zahlreicher Beratungsstellen in Postleitzahlennähe. Auch ans Jugendamt kann man sich wenden. Die Mitarbeiter sind an eine Schweigepflicht gebunden und bieten unter Umständen Unterstützung in Form von finanziellen und wirtschaftlichen Hilfen an. Wenn beide Eltern minderjährig sind und sich nicht für einen anderen Vormund entscheiden, so übernimmt das Jugendamt auch die Rolle als gesetzlicher Amtsvormund, wobei es sich hier unter anderem für die Klärung von Unterhaltsansprüchen einsetzt oder im Fall des Falles um die Vaterschaftsanerkennung bemüht.

Buchtipp: Sylvia Schneider: Schwanger?! Der Ratgeber für Jugendliche. Aus der Reihe "talk about" des Ueberreuter Verlags.

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