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Alkohol in der Schwangerschaft: "Vollrausch entscheidet über Gymnasium oder Hauptschule"

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Alkoholkonsum  

"Vollrausch entscheidet über Gymnasium oder Hauptschule"

08.04.2010, 14:45 Uhr | apn; ots; rev; Jenni Zwick, t-online.de, ots, dapd

Alkohol in der Schwangerschaft: "Vollrausch entscheidet über Gymnasium oder Hauptschule". Frau trinkt ein Glas Weißwein.

Schon geringe Mengen Alkohol in der Schwangerschaft können dem Kind erheblich schaden. (Bild: imago)

Jedes Jahr kommen in Deutschland 3000 behinderte Kinder zur Welt, weil jede zweite Schwangere Alkohol trinkt. Mit der Medienkampagne "Mein Kind will keinen Alkohol" und unter Einsatz von Prominenten will die Charité jetzt auf diese alarmierenden Fakten aufmerksam machen. "Es gibt keinen Zweifel, dass ein Vollrausch über Gymnasium oder Hauptschulabschluss entscheiden kann", erklärt Joachim Dudenhausen, Leiter der Geburtskliniken der Charité. "Doch auch ein Gläschen kann schädlich sein, für immer." Es gebe noch einen "Riesenbedarf an Forschung". Da noch nicht bekannt sei, welche Alkoholmenge an welchem Tag wie schädlich sei, müsse in der Schwangerschaft die Null-Promille-Grenze gelten. Alkohol kann die Zellteilung beeinflussen. Deshalb kann jedes Organ des Fötus' in Mitleidenschaft gezogen werden. Das "Fetale Alkohol Syndrom" hat gravierende Folgen wie Minderwuchs, Schlitz- oder Schielaugen, Herzfehler und Verhaltensstörungen wie Hyperaktivität.

"Kein Gläschen in Ehren"

Die Kampagne wird von Prominenten wie der FDP-Europa-Politikerin Silvana Koch-Mehrin, Schauspielerin Liz Baffoe, Moderatorin Silvia Incardona und Bettina Wulff, der Frau des Bundespräsidenten, unterstützt. Wulff bemängelte, dass es "immer normaler wird, dass schwangere Frauen hier und da ein Glas trinken." Dabei sei Gesundheit das wichtigste Gut, das man Kindern mitgeben könne: "In der Schwangerschaft gilt: Kein Gläschen in Ehren. Das Leben und die Gesundheit des Kindes müssen im Vordergrund stehen. Dafür machen wir uns stark und setzen unser Netzwerk ein - damit 3000 Babies mehr jedes Jahr einen gesunden Start ins Leben haben."

Spirituosenhersteller warnt vor Alkoholmissbrauch

Ausgerechnet einer der international führenden Spirituosenhersteller, Pernod Ricard, unterstützt die Kampagne. Schließlich habe man als Produzent die Verantwortung, vor dem Missbrauch von Alkohol zu warnen, sagte Alain Dufossé, Vorsitzender der Geschäftsführung von Pernod Ricard Deutschland. Deshalb drucke das Unternehmen europaweit auf die Flaschen den Warnhinweis auf "Kein Alkohol in der Schwangerschaft". Dufossé appellierte an die Mitbewerber, die Bier- und Weinindustrie, sich ebenfalls an der Kampagne zu beteiligen: "Gegen Alkohol in der Schwangerschaft sollten Wissenschaft, Politik, Gesellschaft - und auch Spirituosenunternehmen gemeinsam an einem Strang ziehen. Denn als Spirituosenunternehmen liegt es auch in unserer Verantwortung, aufzuklären und das Bewusstsein für Schädigungen durch Alkohol zu schärfen. Wir rufen all unsere Mitbewerber, die Bier- und Weinindustrie sowie die Medien auf, sich an der Kampagne zu beteiligen!"

Wie Alkohol in der Schwangerschaft schaden kann

Wichtig ist, dass Frauen verstehen, dass schon eine kleine Menge Alkohol in der Schwangerschaft schädlich sein kann. Davor warnen Kinderärzte und Hebammen ausdrücklich. Einen Schwellenwert für Alkoholkonsum gibt es nicht. Trotzdem gilt: Je mehr eine Schwangere auf einmal trinkt, desto schwerwiegender sind die Folgen. Das Problem: Alkohol und seine Abbauprodukte hemmen die Zellteilung, so dass die natürliche Organentwicklung und vor allem die Entwicklung des Gehirns gestört werden kann. Chronischer Alkoholmissbrauch der Mutter kann eine schon vorgeburtliche Wachstumsverzögerung, Hirnschäden und Fehlbildungen beim ungeborenen Kind verursachen. Die betroffenen Kinder haben ein niedriges Geburtsgewicht, wenig Unterhautfettgewebe sowie prä- und postnatale Wachstumsstörungen. Außerdem leiden sie oft unter Gesichtsfehlbildungen, Gaumenspalten und Fehlbildungen innerer Organe, Herzfehlern, Auffälligkeiten der Genitalien und Harnwege sowie Störungen der geistigen, psychischen und psychomotorischen Entwicklung. Wenn weniger schwere Folgeschäden vorliegen, sprechen Ärzte von Fetalen Alkoholeffekten (FAE). Diese zeigen sich durch intellektuelle Leistungsschwächen im logischen Denken und beim Lösen komplizierter Probleme. Die Kinder können Informationen nicht schnell verarbeiten und haben Merkschwächen. Auch sind ihre fein- und grobmotorischen Fähigkeiten oft gestört, Verhaltensauffälligkeiten wie Hyperaktivität kommen ebenfalls vor. Außerdem ist das Risiko für eine Fehlgeburt insbesondere in den ersten zehn Wochen der Schwangerschaft erhöht.

Jeder Schluck gelangt ungehindert zum Kind

Nimmt die Mutter Alkohol zu sich, rauscht dieser durch die Nabelschnur direkt ins Blut des Embryos. Somit hat das Kind schnell den gleichen Promillegehalt wie die Mutter, da die Plazentaschranke, die den Blutkreislauf der Mutter und der des Babys trennt, den Alkohol nicht herausfiltern kann. Doch baut die Mutter den Alkohol schneller ab als das Kind. Die Leber des ungeborenen Kindes ist noch nicht vollständig entwickelt, so dass, im Vergleich zur Mutter, der Alkoholspiegel beim Baby zehnmal langsamer sinkt. Wenn die Mutter den Alkohol in ihrem Blut bereits abgebaut hat und keine Wirkung mehr spürt, ist ihr Baby noch immer der schädigenden Wirkung des Alkohols ausgesetzt. Trinkt die Mutter jeden Tag ein Glas, ist das Kind womöglich durch die ganze Schwangerschaft betrunken.

FAS ist nicht heilbar

Vielen Ärzten fehlt das Wissen, um das Fetale Alkoholsyndrom zu diagnostizieren. Auch spezialisierte Diagnose-Zentren sind rar. So wird FAS häufig gar nicht oder erst nach Jahren festgestellt - für Erziehungsberechtigte und Kind bedeutet das ein Spießrutenlaufen. Viele sind überfordert von ihren „speziellen“ Kindern. Gerade wenn den Eltern, Erziehern und Ärzten nicht bewusst ist, welche Krankheit hinter dem meist auffälligen Verhalten des Kindes steckt, ist der Frust in der Familie groß. Das Kind wird schnell zum Problemkind, das sich nicht - auch nicht mithilfe der Eltern - aus seiner Lage befreien kann. Die Schäden durch FAS „verwachsen“ sich nicht, sie können auch nicht gänzlich therapiert werden. Therapien helfen aber, das Potential, das bei den Kindern vorhanden ist, wenigstens ausschöpfen zu können. Selbsthilfegruppen und Vereine empfehlen folgende Therapien: Frühförderung, Krankengymnastik, Ergotherapie, Sprach- und Schlucktherapie, Motopädie , Musiktherapie, Hippotherapie (therapeutisches Reiten), Bobath-Therapie , Osteopathie und Kinesiologie. Betroffene Eltern und Pflegeeltern finden beispielsweise auf www.fasworld.de und www.fasd-beratung.de Foren und Selbsthilfegruppen, in denen sie sich über ihre Situation und Probleme austauschen können.

Alkoholkonsum vor Feststellung der Schwangerschaft

Vielen Frauen ist die Tatsache, dass sie schwanger sind, nicht bewusst. Durch Alkoholkonsum schaden sie ihrem Kind, ohne dass sie es wissen. Wird die Schwangerschaft erst spät entdeckt, machen sich viele Frauen Sorgen - zu Recht. In diesen Fällen sollten die Frauen auf jeden Fall konsequent auf Alkohol verzichten, damit sich der kindliche Organismus in der restlichen Zeit normal entwickeln und bis zu einem gewissen Grad auch regenerieren kann. Ob es bereits zu Schäden gekommen ist oder nicht, lässt sich vorab nicht feststellen, denn gerade in der ersten Zeit der Schwangerschaft ist die Gefahr, dass es zu körperlichen Fehlbildungen kommt, groß. Als einzige Methode gilt die möglichst genaue Ultraschalluntersuchung (sogenannte Organultraschall). Diese Untersuchung kann ab der 18. bis 20. Woche durchgeführt werden. Sie erlaubt es, zumindest schwerere Fehlbildungen bei dem Fötus auszuschließen oder nachzuweisen. Frauen mit stärkerem Alkoholkonsum in der ersten Zeit der Schwangerschaft sollten dies unbedingt mit ihrem Frauenarzt besprechen, auch, wenn sie nach Feststellung der Schwangerschaft auf den Alkohol verzichten.  

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