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Wochenbettdepression: Traurigkeit im Wochenbett

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Wochenbettdepression  

Traurigkeit im Wochenbett

26.07.2010, 10:34 Uhr | dapd

Eigentlich sollte die Geburt des eigenen Kindes die schönste Zeit im Leben einer Frau sein. Doch weitaus mehr Frauen als gemeinhin angenommen stürzen nach der Entbindung in eine seelische Krise. Rund 100.000 Frauen trifft es nach Angaben des von betroffenen Frauen gegründeten Vereins Schatten & Licht e.V. jährlich in Deutschland.

"Nahezu jede zehnte Mutter erkrankt im Wochenbett an einer Depression", sagt Uta Pietsch, Oberärztin an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Jena. Sehr selten kann auch eine Wochenbettpsychose oder eine Angststörung auftreten. All diesen Frauen bietet die Jenaer Klinik neuerdings eine stationäre Behandlung an, bei der die Babys mit aufgenommen werden.

Gemeinsame Betreuung von Müttern und Babys

Es sieht aus wie in einem normalen Zimmer einer Geburtsstation oder Kinderklinik: Vor sonnengelben Wänden steht neben dem großen Bett ein fröhlich dekoriertes Kinderbettchen. Nebenan im Kinderzimmer laden Spielsachen sowie kleine Tische und Stühle zum Verweilen ein. In zwei Zimmern können Mütter gemeinsam mit ihren Kleinkindern während ihres sechs- bis achtwöchigen Klinikaufenthaltes betreut werden.

Positive Erfahrungen

Das neue Angebot ist trotz des großen Bedarfs bislang nur in wenigen deutschen psychiatrischen Kliniken zu finden. "Auch wir haben lange gezögert, Kinder in der Psychiatrie mit aufzunehmen", sagt Oberärztin Pietsch. Doch die Erfahrungen seien durchweg positiv. "Wir sind überrascht, wie gut allen die ungewohnte Anwesenheit von Babys auf einer psychiatrischen Station tut", erklärt die Psychiaterin.

Wochenbettdepression ist eine Krankheit

Im Unterschied zu den häufig vorkommenden und schnell vergehenden "Heultagen" nach der Entbindung ist die Wochenbettdepression eine schwere Erkrankung. Sie baut sich über Wochen und Monate langsam auf und hält länger an. Die Symptome sind unter anderem Antriebslosigkeit, Reizbarkeit, Versagensängste, Angstattacken oder Schlafstörungen. Häufig ziehen sich die Frauen zurück, versuchen ihren Zustand zu verbergen und trotz tiefster Verzweiflung die Fassade der glücklichen und perfekten Mutter zu bewahren. Oft geraten sie in starke Selbstzweifel und Schuldgefühle, da sie plötzlich ihren Alltag nicht mehr bewältigen und keine Beziehung zu ihrem Kind aufbauen können.

Väter werden einbezogen

"Von der Depression der Mutter ist die ganze Familie betroffen", sagt Pietsch. Die gestörte Beziehung zum Kind kann sich nachteilig auf dessen Entwicklung auswirken. Auch der Vater leidet mit. Er wird deshalb zum Abschluss in die Therapie mit einbezogen. Seit der Eröffnung im vorigen Sommer sind die zwei Zimmer auf der Depressionsstation der Jenaer Psychiatrie durchgehend mit jungen Müttern aus Thüringen, Hessen und Sachsen belegt. "Der Bedarf ist da, zumal bisher nur wenige Kliniken ein solches Angebot machen", berichtet die Ärztin.

Mütter versorgen ihre Kinder selbst

Nach Erfahrungen aus Großbritannien, das diese Mutter-Kind-Betreuung als weltweit erstes Land bereits in den 50er Jahren anbot, werden für ein flächendeckendes Angebot neun bis zehn Plätze für eine Million Einwohner gebraucht. Davon ist Deutschland noch weit entfernt. Während des Klinikaufenthaltes versorgen die Mütter ihr Kind selbst. Damit die Frauen ungestört am Therapieprogramm teilnehmen können, werden die Kleinen stundenweise von Tagesmüttern in der Klinik betreut.

Sechs bis acht Wochen in der Klinik

Finanziert wird die Kinderbetreuung vom Förderverein des Klinikums. Im Schnitt bleiben die Frauen sechs bis acht Wochen in der Klinik. "Da sie häufig noch stillen, arbeiten wir nur zum Teil mit Medikamenten und verstärkt mit Psychotherapie", sagt die Oberärztin. Das nehme zwar etwas mehr Zeit in Anspruch, aber der Erfolg sei dafür auch dauerhaft. Unter den Patientinnen, die in Jena bislang behandelt wurden, waren viele Frauen mit psychischen Vorerkrankungen. Es kamen aber auch solche, die völlig unerwartet eine behandlungsbedürftige psychische Störung nach der Geburt ihres Kindes entwickelt haben. Die meisten Frauen finden auf Vermittlung ihrer Hebamme den Weg auf die Station. "Eine Hebamme sieht am ehesten, wann Hilfe notwendig ist", meint die Medizinerin Pietsch. Die Klinik bemüht sich, die Plätze kurzfristig und ohne lange Wartezeiten zu vergeben.

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