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Kinderwunsch: Perfektionszwang verhindert Geburten

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Perfektionszwang verhindert Geburten

24.11.2010, 14:10 Uhr | dapd, dpa

Kinderwunsch: Perfektionszwang verhindert Geburten. Nachdenkliche Frau: Perfektionszwang junger Frauen verhindert häufig das Kinderkriegen. (Bild: imago)

Perfektionszwang junger Frauen verhindert häufig das Kinderkriegen. (Bild: imago)

Frauen fühlen sich oft verpflichtet, neben ihrer Mutterrolle auch perfekt im Beruf und in der Partnerschaft zu sein. Den größten Druck machen sich die Frauen dabei selbst. Um dieser Spirale zu entkommen, müssten sie die eigene Erwartungshaltung schrittweise reduzieren. "Frauen sollten sich eine Baustelle vornehmen und schauen, was passiert, wenn sie nur 80 statt 100 Prozent geben", erklärt Psychologin Felicitas Heyne aus Herxheim in Rheinland-Pfalz. Wer zum Beispiel Freunde zum Essen einlade, bereite nur die Vor- und Hauptspeise selbst zu, der Nachtisch wird gekauft. Oder die Kinder bekommen einmal nicht biologische Kost vorgesetzt. "Oft stellen sie dann fest: 80 Prozent sind mehr als ausreichend", sagt Heyne.

"Die deutsche Angst vorm Kinderkriegen"

Wie die aktuelle Studie "Die deutsche Angst vorm Kinderkriegen" des Kölner Marktforschungsinstituts Rheingold unter 1000 Frauen zeigt, fühlen sich 56 Prozent der Frauen überfordert, wenn es darum geht, Kinderkriegen, Partnerschaft und Job zu vereinbaren. Kinderkriegen bedeutet für viele Frauen Unfreiheit, sowie Auflösung und Verlust des eigenen Ichs. Viele haben Angst, nach der Geburt von ihrem Partner nur noch als Mutter und nicht mehr als Frau wahrgenommen zu werden. Aufs Muttersein verzichten wollen die meisten aber dennoch nicht: 76 Prozent der Befragten empfinden Kinder zu bekommen als "bereichernd".

Für viele Frauen gehe Muttersein mit einer Art Identitätsverlust einher, sagt die Psychologin Ines Imdahl von Rheingold: Einerseits wollten sie voll und ganz Mutter sein, ihr Kind optimal fördern und für es da sein, andererseits wollten sie nach außen keine Veränderung zeigen, die attraktive Lebenspartnerin und beruflich erfolgreiche Frau bleiben. Zwischen diesen Rollen fühlten sie sich innerlich zerrissen.

Die richtigen Motive

Laut der Studie wünschen sich viele Frauen, dass die Mutterrolle auch Unperfektes zulässt. "Kinderkriegen ist für viele zum Projekt geworden, das geplant werden muss. Babys sind heute ein Statussymbol", sagt auch Heyne. Vor der Familienplanung lohne es sich zu fragen: "Warum will ich ein Kind?". Die Psychologin ergänzt: "Wenn damit Bedürfnisse nach Erfolg oder Anschluss erfüllt werden sollen, sollte man sich noch einmal überlegen, warum man dafür ein Kind braucht." Oft schlichen sich auch die "Stimmen" von Mutter oder Oma in die eigenen Vorstellungen ein.

Wird das Wirrwarr schließlich zu groß, sollten Frauen sich nicht scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. "Reden sie mit einem Außenstehenden, etwa einem Coach. Der kann es schaffen, relativ schnell Struktur in das Chaos zu bringen", rät Heyne.

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