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Geburt: So erleben Väter die Entbindung

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Sieben Väter erzählen  

So haben wir die Geburt unserer Kinder erlebt

09.10.2014, 10:39 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Geburt: So erleben Väter die Entbindung. Wie erleben Väter eine Entbindung?  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Wie erleben Väter eine Entbindung? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Vorstellung, die man noch in den 70-er Jahren von einem werdenden Vater hatte, unterscheidet sich enorm von der heutigen. Während früher der Mann, meist kettenrauchend, stundenlang den Krankenhausflur auf und ab tigerte, ist so eine Geburt heutzutage nahezu eine gesellschaftliche Pflichtveranstaltung für den Herrn Papa. Was so manchem vor allem im Vorfeld einiges an Kopfzerbrechen bereitet. Eltern.t-online.de hat mit sieben Vätern gesprochen. So erlebten sie die Geburt ihrer Kinder.

Doch vor der Geburt steht erst einmal die Schwangerschaft. Nicht nur für die Frau ein Auf und Ab der Gefühle. "Mit diesen Hormonschüben musst du erst mal klarkommen. Das kann einen schon fertig machen, wenn du nach Hause kommst und deine Frau heult Rotz und Wasser. Und zwar nicht, weil etwas mit dem Kind ist, was du natürlich sofort befürchtest, sondern weil sie gerade die Merci-Werbung gesehen hat!" Will ist Anfang 30, Landschaftsgärtner von Beruf und seine Frau ist im Begriff, das erste Kind zu bekommen. Was sich bei ihm aber wenigstens noch nicht auf der Waage bemerkbar macht. Das ging Dierk, Prozessmanager bei einer Direktbank, beim ersten Mal ganz anders. "Meine Frau hat fünfzehn Kilo zugenommen in der ersten Schwangerschaft, ich gleich mal zwanzig."

Gemeinsames Hecheln ist nicht jedermanns Sache

Und wenn sich der heute 43-Jährige an die drei Geburtsvorbereitungskurse erinnert, die er auch, wie er sagt, nur seiner Frau zuliebe besucht hat, dann graust es ihn heute noch. Genau wie den 40-jährigen Uwe, der als Hausmann seine zwei Kinder betreut und nebenbei studiert. "Bei Luna war ich damals ein paar Mal dabei, beim Marlon schon nicht mehr. Ich fand das total peinlich, diese Atmerei und dann der Anblick, wie die Männer hechelnd auf den Matten knieten, das war echt nicht mein Ding." Stefan sieht das etwas anders. "Ist doch eine interessante Erfahrung, mir hat es allein schon Spaß gemacht, die anderen zu beobachten." Aber trotzdem ist der Chemie-Ingenieur davon überzeugt, dass er durch den Kurs nicht auf die Geburt an sich vorbereitet wurde. "Die Situation während der Geburt ist einfach doch eine andere als bei all diesen Trockenübungen. Man wendet das Gelernte letztendlich gar nicht an."

Respekt vor dem Geburtserlebnis ist völlig normal

Für die meisten der Männer war und ist es selbstverständlich, ihre Frauen zur Geburt zu begleiten, diese Erfahrung wollten sie sich dann doch nicht nehmen lassen. "Die Überlegung, nicht mit zu den Geburten zu gehen, die gab es für mich nicht. Aber einen Riesenrespekt hatte ich schon“, meint Stefan. "Ja, einen Riesenrespekt und auch Angst vor dem Kontrollverlust“, bestätigt Dierk. "Ich muss zugeben, ich habe mir auch im Vorfeld schon so manches Mal Gedanken darüber gemacht, wie das mit der erotischen Ausstrahlung später so sein würde und ob ich da wirklich mit reingehen soll - das fängt ja schon mal damit an, dass ich kein Blut sehen kann!“ Dass ihm seine Frau die Entscheidung überlassen hat, fand Uwe gut und letztendlich war es ihm einfach wichtig, sie nicht alleine zu lassen. "Aber ich war der Hebamme schon dankbar, als sie mich immer wieder hinter Tanja dirigierte und ich nie gezwungen war, wirklich hinzusehen.“ Stefan, bei dessen drei Kindern letztendlich ein Kaiserschnitt notwendig war, kann diese Bedenken nachvollziehen. "Ich glaube, wäre es zu einer normalen Geburt gekommen, dann hätte ich auch lieber einen solchen Platz gehabt. Alles andere hat irgendwie etwas Voyeuristisches für mich. Obwohl: Wenn ich gemerkt hätte, dass das Kind jetzt kommt - also diesen Moment hätte ich dann wahrscheinlich schon voll erleben und damit auch sehen wollen.“

Die Atmosphäre hat sich in den letzten Jahrzehnten gewaltig geändert

Dabei sein und sehen, was passiert, das wollte auch der 65-jährige Jürgen, damals vor 40 Jahren. "Ich hatte gelesen, dass man bei der Geburt dabei sein dürfte, das war damals etwas ganz Neues und ich wollte das auch unbedingt machen. Aber der Arzt hat mich nicht gelassen und wieder weggeschickt. Vielleicht war er nicht innovativ genug, vielleicht lag es aber auch an meiner Frau, die sehr stolz ist und diese Sache mit der Geburt mit sich alleine ausmachen wollte. Liane hatte schreckliche Angst, sie könnte nicht mehr attraktiv für mich sein, wenn ich 'so etwas‘ miterlebe. Ich meine, man muss ja auch sehen, wie jung sie war, gerade mal 18." Sein Freund Benno, ebenfalls Industriemeister, hatte nie das Bedürfnis, bei der Geburt dabei zu sein. "Ich glaube, ich wäre in Ohnmacht gefallen! Das war einfach eine andere Zeit, wir Väter waren nicht im Geringsten auf das vorbereitet, was auf uns zukam. Ich meine, es ist ein fürchterliches Gefühl, auf einem Gang zu stehen zwischen lauter nervösen Vätern und nicht zu wissen, was mit der eigenen Frau passiert."

"Die ist so hässlich, die kann nicht von mir sein!"

Und er erinnert sich: "Irgendwann kam dann einer und sagt dir, du hättest ein Kind. Das du dann erst Stunden später zu Gesicht bekamst. Ich bin erst mal total erschrocken, so rot und verhutzelt. Ich dachte, die ist so hässlich, die kann nicht von mir sein!“ "Ich glaube, da ist man heute schon deutlich besser vorbereitet“, so Will. "Ich bin bei allen Ultraschalluntersuchungen dabei, erlebe also, wie das Kind wächst und sich verändert - sozusagen vom Gummibärchen zum Mensch. Und die Hebamme in unserem Geburtsvorbereitungskurs hat uns bereits genügend Geburtsbilder gezeigt - ein bisschen zerknautscht kann mich nicht mehr abschrecken.“ "Und du nimmst das ja auch gar nicht wirklich wahr nach diesem Geburtserlebnis“, erklärt Dierk. "Das alles kommt nur wie durch eine Luftblase bei dir an, denn dieser Moment ist so ergreifend, da kommen dem Stärksten die Tränen."

Männer ziehen oft die Sicherheit der Klinik vor

Bei seiner ältesten Tochter gab es bei der Geburt Probleme und er ist heilfroh, dass er immer das Krankenhaus als Geburtsort durchgesetzt hat.  "Mone wäre damals lieber in ein Hebammenhaus gegangen. Und sie ist sich auch heute noch sicher, dass es dort gar nicht zu einem Geburtsstillstand gekommen wäre. Ich sehe das anders. Für mich waren die ärztliche Betreuung und die Nähe zur Kinderklinik eine enorme Beruhigung." Auch Uwe und Stefan sind froh, dass ihre Frauen von selbst die Klinik als Geburtsort wählten. "Letztendlich, finde ich, ist es die Entscheidung der Frau. Durchgesetzt hätte ich mich nicht, ich hätte mich schon Bettinas Wunsch gefügt. Aber gewollt hätte ich es auch nicht und selbst grundsätzlich die sichere Variante gewählt."

Vertrauen in die Technik ist hoch

Der 38-jährige Andreas ist der einzige der Männer, der je eine Geburt im Hebammenhaus erlebt hat. "Klar, das war eindeutig Sandras Entscheidung. Sie hatte nach der ersten Geburt riesige Angst vor der Klinik. Das konnte ich gut verstehen, das ist damals bei unserer großen Tochter wirklich mies gelaufen, diese Geburt hat uns überrollt und wir haben uns total ausgeliefert gefühlt. Fremdbestimmt. Ich weiß gar nicht, wie viele Hebammen sich während der Geburt die Klinke in die Hand gegeben haben. Aber was das Hebammenhaus anging, war ich schon skeptisch, vor allem auch, weil meine Frau so weit über dem Termin war. In meinem Kopf war immer der Gedanke: Was ist, wenn etwas Schlimmes passiert?" Dass sie zwei Tage vor der Geburt noch einmal in der Klinik waren, hat den Logopäden dann doch beruhigt. "Es ist einfach so: Diesbezüglich vertraue ich eher der Technik als den Händen einer Hebamme. Aber trotzdem: Wenn wir noch ein Kind bekämen, würde ich mich auf alle Fälle für das Hebammenhaus entscheiden!", da ist er sich sicher.

Die Geburt gemeinsam genießen

"Sandra hat den Frauen dort komplett vertraut, das hat man richtig gespürt - vor allem, wenn man den Vergleich zur Klinik hatte. Es war unglaublich, wie schnell, einfach und wunderschön die zweite Geburt war. Ich bin ganz fest davon überzeugt, dass dieses sich-fallen-lassen-können eine wichtige Voraussetzung dafür war und ein guter Start ins Leben für die Kleine.“ Nach der Geburt wurde erst einmal gemütlich gemeinsam gefrühstückt und das Paar hatte viel Zeit, die ersten Stunden mit Säugling in Ruhe zu verbringen. "Ich muss echt sagen, diese Geburt, bei der so richtig alles stimmte, die konnten wir unglaublich genießen."

Hat der Mann eine Statistenrolle bei der Geburt seines Kindes?

"Aber genossen habe ich unsere Geburten auch. Die Gefühle, die man da hat, die sind schon sehr intensiv, fast schon grenzwertig. Allein, wenn ich an den Moment denke, als ich die Nabelschnur durchschneiden durfte. Nicht nur, weil es sehr ergreifend war, sondern auch, weil ich mich wohl lebenslang an dieses entsetzliche Geräusch erinnern werde“, schmunzelt Uwe. "Aber im Ernst: Ich habe mich in der Klinik immer gut aufgehoben gefühlt und war sicher, die haben alles unter Kontrolle. Ich war total aufgeregt, hilflos gefühlt habe ich mich aber eigentlich nicht.“ "Ich schon!“, widerspricht Dierk. "Deine Frau ist in ihrem Schmerz gefangen und du kannst ihr nicht wirklich helfen. Klar, man ist da, man versucht sie zu unterstützen, aber letztendlich, machen wir uns doch nichts vor, muss sie da alleine durch. Und auch, wenn sie mir im Nachhinein versichert hat, es wäre ihr seelisch eine große Hilfe gewesen, ich kam mir eher vor wie ein Statist und war froh, wenn ich irgendeine Aufgabe zugewiesen bekam.“

Manchmal geht es schneller, wenn der Partner nicht da ist

Beobachtungen von Ärzten und Hebammen zeigen, dass eine Geburt oft schneller vorangeht, wenn der werdende Vater gerade mal nicht anwesend ist. "Naja, auf der einen Seite ist es sicher ein Vorteil, dabei zu sein, weil man seine Frau unterstützen kann“, überlegt Stefan. "Auf der anderen Seite ist sie vielleicht doch unbewusst gehemmter, wenn der eigene Mann in der Nähe ist. Schließlich werden ja bei einer solchen Geburt schon einige Grenzen überschritten.“ Die Tatsache, dass seine Kinder per Kaiserschnitt zur Welt kamen, empfindet er nicht als Verlust. "Ich hatte eher den Gedanken, dass 100 Jahre früher wohl sowohl meine Frau als auch meine Kinder die Geburten nicht überlebt beziehungsweise erlebt hätten.“ Er gewinnt dem Kaiserschnitt das Kalkulierbare, Bequeme ab, ist aber doch froh, dass die erste Geburt bis zu einem gewissen Punkt normal verlief.

"Um ehrlich zu sein, hätte ich schon ein Problem damit, wenn ich sagen müsste, ich hätte so etwas nie miterlebt. Aber letztendlich, egal, auf welchem Weg dein Kind auf die Welt kommt, es ist immer unvorstellbar überwältigend. Aber eben auf der anderen Seite auch ein bisschen komisch, weil man als Mann letztendlich das Ganze doch eher als Beobachter wahrnimmt. Du weißt, es ist dein Kind, aber trotzdem ist es noch jemand Fremdes. Es ist ja nicht in deinem Bauch gewachsen. Das Gefühl zu dem Kind aufzubauen, das habe ich schon eher als einen Prozess empfunden.“ Der einzige Punkt, in dem sich alle Väter einig sind.

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