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Wassergeburt: Sanfte Entbindung mit weniger Stress

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Geburtshilfe  

Im Wasser sanft entbinden

23.10.2014, 09:26 Uhr | Simone Blaß, t-online.de

Wassergeburt: Sanfte Entbindung mit weniger Stress. Wassergeburt: Die Badewanne wird zum Geburtsort. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Wassergeburt: Die Badewanne wird zum Geburtsort. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Eine Geburt im warmen Wasser bedeutet für den Säugling einen sanften Übergang aus der Fruchthöhle hinein in die Welt. Das Licht und die Akustik gleichen sich, die Mutter hat weniger Geburtsschmerzen und das Kind deutlich weniger Stress. Eine Wassergeburt durchzuführen ist auch heute noch nicht alltäglich, außergewöhnlich aber ist es auch nicht mehr und es finden sich zahlreiche Hebammen sowie Geburtskliniken beziehungsweise -häuser, die es möglich machen, im Wasser zu entbinden.

Sein Baby im Wasser zu gebären ist an sich nichts Neues und wird bereits seit Jahrtausenden praktiziert. Die Geburt im Wasser gilt als eine der sanftesten und natürlichsten Möglichkeiten. Wassergeburt bedeutet, dass die Gebärende von der Eröffnungs- bis zur Austreibungsphase - also tatsächlich vom Beginn der Geburt an bis zu dem Moment, in dem das Baby auf der Welt ist - im Wasser ist. Das heißt, die komplette Geburt findet im beziehungsweise unter Wasser statt. Doch es gibt natürlich auch die Möglichkeit, das Wasser nur in den einzelnen Phasen der Geburt zu nutzen. Nicht jede Frau empfindet gleich und sehr häufig verbringen Frauen zur Schmerzlinderung lediglich einen Teil der Eröffnungsphase im Geburtsbecken.

Das Wasser hat einen krampflösenden Effekt

Warmes Wasser gilt seit jeher als krampflösend, nicht umsonst nehmen viele Frauen bei Menstruationsschmerzen ein Bad. Diese krampflösende Eigenschaft wirkt sich natürlich auch bei einer Geburt positiv aus. Die Beckenmuskulatur entspannt sich, der Geburtsvorgang wird dadurch erleichtert und normalerweise auch beschleunigt. Ein Dammschnitt kann bei einer Wassergeburt fast ausgeschlossen werden und Studien haben gezeigt, dass auch Schmerzmittel deutlich seltener zum Einsatz kommen.

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Es gelingt den Frauen bei einer Wassergeburt oft leichter, der Natur ihren Lauf zu lassen und sich komplett dem Rhythmus der Wehen hinzugeben. Dabei bietet das runde, geräumige Geburtsbecken, das in der Regel über zahlreiche Haltegriffe und Stützmöglichkeiten verfügt, die optimale Umgebung, um auch während starker Wehen problemlos die Position zu wechseln und sich entsprechend im Wasser zu bewegen. Dadurch verstärkt sich das Gefühl der Eigenständigkeit.

Wassergeburt: Frauen gebären selbstbestimmter

Dass die Geburten im Wasser im Durchschnitt einfacher und schmerzfreier verlaufen als die an Land könnte man auch darauf zurückführen, dass sich die Frauen als selbstbestimmter erleben, mehr Unterstützung durch ihre Hebammen erfahren. Dem allerdings widerspricht die in Wassergeburten erfahrene Cornelia Enning von der gleichnamigen Hebammenpraxis im Enzkreis. "Wassergeburtsfrauen entbinden oft ohne Hebamme. Schmerzfreiheit und kommunikative Interaktion bei verzögerter Austreibungsphase sind das Geheimnis.“ Die Autorin zahlreicher Ratgeber zum Thema Wassergeburt ist seit Jahrzehnten von der Methode überzeugt. "Die vielen klinik-ausgelösten Risiken sind bei der ungestörten Wassergeburt nicht zu befürchten!“

Der Säugling arbeitet aktiv mit

Einen besonderen Vorteil sieht sie darin, dass das Baby aktiv an der Geburtsarbeit teilnimmt, was wiederum für die Mutter durch das Wasser deutlicher zu spüren ist. Die Schwerelosigkeit im Wasser ermöglicht es dem Kind, seine Drehbewegung aus dem Geburtskanal heraus selbstständig und aktiv auszuüben. Sobald der Kopf des Kindes auf der Welt ist, versucht das Baby Blickkontakt mit der Mutter aufzunehmen und zu ihr zu kommen. Dieser besonders innige Moment ist für viele Frauen ein wichtiges Argument für die Wassergeburt. "Die Schmerzen sind reduziert und das Wasser befähigt das Kind, seine biologischen Geburtsaktivitäten selbst auszuüben. Eingriffe und Übergriffe sind unnötig. Die Trigger werden vom Kind gesetzt und die Frau reagiert darauf. Die Interaktion wird nicht gestört. Das nennt man in der Fachpresse undisturbed birth.“ So erklärt Cornelia Enning die ungestörte, selbstbestimmte Wassergeburt, sie ist sich sicher: "Die Weisheit in der Geburtshilfe liegt in der Untätigkeit.“

Die Gefahr des Ertrinkens besteht nicht

Wird das Baby geboren, so verhindert der sogenannte "Diving-Reflex", dass es unter Wasser einatmet. Es wird dann an die Oberfläche gehoben und die Nabelschnur noch in der Wanne durchtrennt. Treten allerdings Komplikationen auf, dann muss die Gebärende die Wanne verlassen und auf das bereitstehende Geburtsbett umziehen, auch darf die Frau im Wasser nicht allein gelassen werden. In manchen Geburtswannen, die es übrigens auch transportabel und aufblasbar gibt, ist sogar Platz für den werdenden Vater.

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Schwangerschaft sollte problemlos verlaufen sein

Um eine Wassergeburt durchzuführen, sollte die Schwangerschaft, da sind sich die meisten Ärzte einig, risikofrei verlaufen sein. Die Frau muss sich mindestens in der 37. Schwangerschaftswoche befinden, sollte nicht unter Infektionen leiden und keine Mehrlinge erwarten. Bei hohem Blutdruck, starkem Übergewicht oder schlechten Herztönen des Kindes wird ebenfalls allgemein von einer Wassergeburt abgeraten. Auch bei besonders großen Kindern ist man skeptisch. Dabei würden wahrscheinlich gerade diese von der entspannten Beckenmuskulatur besonders profitieren.

Infektionsgefahr ist im Wasser nicht höher als "an Land"

Gegner der Methode befürchten immer wieder Kreislaufprobleme bei der Mutter und sehen den nicht genau bestimmbaren Blutverlust als Gefahr an. Auch die Tatsache, dass das Wasser durch Blut, Ausscheidungen und Fruchtwasser verunreinigt sein könnte, wird immer wieder als Kritikpunkt angebracht. Dabei hat man inzwischen festgestellt, dass bei einer Wassergeburt bei einer gesunden Frau unter Einhaltung aller Hygienestandards keine höhere Infektionsgefahr für das Neugeborene besteht als es "an Land" der Fall wäre. Und was noch vor einigen Jahren teils als "unsinnige" Modeerscheinung abgetan wurde, setzt sich inzwischen immer mehr durch. Schließlich ist sogar die im Kreißsaal übliche Überwachung des Babys jederzeit auch bei einer Wassergeburt durchführbar.

Gute Vorbereitung ist von Vorteil

Wer sich für eine Wassergeburt entscheidet, sollte sich bereits während der Schwangerschaft ausführlich darüber informieren, im optimalen Fall auch einen entsprechenden, vorbereitenden Kurs besuchen. Und man sollte sich darüber im Klaren sein, dass, hat man es sich auch noch so schön ausgemalt, während einer Geburt alles anders kommen kann und sich die Schwangere vielleicht im Wasser in diesem Moment gar nicht wohlfühlt. Erfahrung im Gebären muss man aber für eine Wassergeburt nicht mitbringen. Im Gegenteil: "Diese Geburtsmethode eignet sich besonders gut für Erstgebärende, da diese den größten Vorteil bei der hormonellen Steuerung und Schmerzlinderung erzielen“, erklärt Cornelia Enning. "Die weiteren Geburten finden dann sowieso im Wasser statt. Die Ersterfahrung ist die prägende Erfahrung und ermöglicht der Frau eine Autonomie, die sie in der Wahrnehmung ihrer biologisch vorgegebenen Ressourcen unterstützt.“

Gute Prognosen für im Wasser geborene Kinder

Die Hebamme, die Wassergeburten auch bei den Frauen zuhause durchführt,  hat im Lauf der Jahre beobachtet, dass Babys, die auf diese Weise auf die Welt gekommen sind, im späteren Leben stabiler und gelassener auftreten und sie sieht hier einen direkten Zusammenhang zur stressfreien Geburt. Auch Kinderärzte stellen immer wieder erstaunt fest, dass Wasserbabys nach der Geburt nicht an Gewicht verlieren, in den ersten Monaten schneller wachsen und sich außergewöhnlich gut entwickeln.

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