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Schwangerschaft: Gibt es ein ideales Alter?

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Schwanger über 60: "Egoistisch und verantwortungslos"

23.03.2011, 12:08 Uhr | mmh,iri,rw, t-online.de

Schwangerschaft: Gibt es ein ideales Alter? . Schwangerschaft: Gibt es das ideale Alter? (Foto: imago)

Schwangerschaft: Gibt es das ideale Alter? (Foto: imago)

Was ist das ideale Alter für Schwangerschaften? 20, 30, 40 - oder sogar 50-plus? Was bestimmt den Zeitpunkt, zu dem sich Frauen für eine Schwangerschaft entscheiden? Oder soll es einfach "passieren"? Doch was, wenn gar nichts passiert? Ist es egoistisch oder verantwortungslos, den Kinderwunsch in einem Alter zu erfüllen, in dem andere Oma werden? Wir haben Meinungen zusammengetragen und finden, jedes Alter zwischen 20 und 50 bietet Vor- und Nachteile.

"Egoistisch, verantwortungslos", das war die Tendenz der meisten Kommentare als wir meldeten, eine 63-jährige Niederländerin habe ein Baby zur Welt gebracht. Viele Leser haben Mitleid mit ihrer Tochter Meagan. Hier diskutieren wir nicht mehr über die Spanne, die gemeinhin als gebärfähiges Alter gilt, sondern über das Alter, in dem andere Oma werden. In unserem Voting war der Trend klar: Mehr als 93 Prozent sprachen sich dagegen aus, dass Frauen um die 60 noch Kinder bekommen sollten, dafür nur 4,8 Prozent der rund 10.000 User.

Das meinen unsere Leser

Die User-Kommentare sind eindeutig. Userin "Mühlenfee" beispielsweise schreibt: "Wenn es eine natürliche Empfängnis gewesen wäre, könnte man dafür noch Verständnis aufbringen. Aber die Natur hat sich schon etwas dabei gedacht, dass Frau ab einem gewissen Alter nicht mehr schwanger werden kann. Von dem Vater (Ehemann oder Lebensgefährte) steht nichts geschrieben, also scheint sie eine alleinerziehende Frau zu sein. Ich wünsche dem Baby, dass es noch lange etwas von seiner Mutter hat."

"Abartig und verantwortungslos"

Mitleid hat "Daniii" mit dem Kind: "Kinderwunsch hin oder her, aber die kleine Meagan kann einem nur Leid tun. Das Mädchen muss in 6/7 Jahren eine Menge Selbstbewusstsein entwickelt haben, um zu verstehen dass sie von einer 70-Jährigen zur Schule gebracht wird!"

Einen schärferen Ton schlägt "Nicki" an: "Das ist verantwortungs- und rücksichtlos dem Kind gegenüber. Wenn das Kind zehn Jahre ist, dann ist die Mutter, wenn sie dann noch lebt, 73. Was soll ein Kind mit einer so alten Frau anfangen. Sie pflegen? Wann wird diesem Unfug endlich ein Riegel vorgeschoben. Der Arzt gehört bestraft." Ähnlich sieht es Leserin "Linare": "Wie übertrieben egomanisch muss man veranlagt sein, um seinem Kind so etwas anzutun? Abartig und unverantwortlich." Extrem kritisch sieht es auch "dieterb". Er schrieb uns: "Solche Menschen lieben keine Kinder, sie benutzen sie nur für ihre eigenen Eitelkeiten. Da sollte man sich nicht als Mutter üben, sondern eine Therapie anstreben, weil die Psyche offenbar angeknackst ist."

Armes Kind?

Und warum eigentlich entschied sich diese Frau so spät, ihren Kinderwunsch zu verwirklichen, fragt sich "Mami 34": "Wenn es schon ihr Kindheitstraum gewesen ist, verstehe ich nicht warum sie so lange damit gewartet hat! Ich finde es einfach unverantwortlich in diesem Alter unbedingt ein Kind in die Welt setzen zu wollen und es dann auch tatsächlich zu tun. In meinen Augen müsste dem Arzt, der die Befruchtung durchgeführt hat, die Arbeitserlaubnis überdacht werden...ich bin fassungslos...das arme Kind!"

Doch wie sieht es eigentlich mit den älteren Vätern aus? Darüber hat sich Marie Gedanken gemacht: "Wenn Männer mit 50, 60 und noch älter Kinder zeugen, regt sich auch keiner auf! Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mann sich nicht um sein Kind kümmert, sehr viel höher als das bei einer Frau der Fall ist."

Was ist denn das ideale Alter?

Aber nicht nur "alte Mütter" müssen sich häufig harter Kritik stellen: "Du bist zu jung, fast selbst noch ein Kind" und "Mach erst mal deine Ausbildung fertig!" Diese Sätze kriegen Frauen, die mit Anfang 20 Mutter werden möchten, oft zu hören. Denjenigen, die erst mit 40 oder älter schwanger werden, wird hingegen oft vorgeworfen, dass sie zu egoistisch und zu alt wären, da sie ja praktisch schon fast Großeltern sein könnten. Demnach müsste das perfekte Alter zum Kinderkriegen 30 sein und tatsächlich haben mehr als die Hälfte aller Kinder, die heute geboren werden, Mütter, die Anfang bis Mitte 30 sind. Aber ist das wirklich das richtige Alter zum schwanger werden? Welche Vor- und Nachteile hat das jeweilige Alter? Unsere Show zeigt die Pros und Contras für jedes Alter.

Das perfekte Alter: Was sagen die t-online.de-Leser

Wir wollten von unseren Lesern wissen, was ihrer Ansicht nach für Frauen das perfekte Alter zum Kinderkriegen ist. Insgesamt haben 22.569 Nutzer an der Umfrage teilgenommen. So haben sie abgestimmt:

Unter 20 Jahre

1,3 Prozent

20 bis 25 Jahre

22,8 Prozent

25 bis 30 Jahre

47,3 Prozent

30 bis 35 Jahre

16,2 Prozent

35 bis 40 Jahre

3,3 Prozent

Über 40 Jahre

1,0 Prozent

Das Alter ist egal, solange das Kind geliebt wird

8,1 Prozent


Wie alt sind Frauen bei der Geburt ihrer Kinder?

Die meisten der Leser halten also den Zeitraum zwischen dem 25. und 30. Lebensjahr für das ideale Alter, um als Frau der erste Kind zu bekommen. Das entspricht dem tatsächlichen Durchschnittsalter, in dem Frauen in Deutschland laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2009 zum ersten Mal Mutter wurden. Die folgende Tabelle zeigt das Durchschnittsalter von Frauen bei der Geburt ihres ersten, zweiten, dritten und vierten beziehungsweise jedes weiteren Kindes:

1. Kind

2. Kind

3. Kind

4. und weiteres Kind

Deutschland

28,8

31,3

32,8

34,2

Westdeutschland

29,1

31,5

32,9

34,3

Ostdeutschland

27,2

30,5

32,4

33,8


Die persönliche Reife ist ausschlaggebend

Wichtig für die Frage, wann man sich für ein Baby entscheiden sollte, ist nicht nur das Alter - was auch viele Kommentare der t-online.de-Leser bestätigen. Mindestens ebenso entscheidend ist, wie ausgeprägt der Kinderwunsch ist. Bei allen Problemen ist eine reifere Mutter voller Liebe für ein Kind sicher besser, als eine zwar besonders fruchtbare, aber noch ziemlich unreife 20-Jährige, die für ein nicht geplantes Kind ihre Ausbildung abbricht und dem Nachwuchs unterbewusst dafür ein Leben lang Vorwürfe macht. Neben dem Alter spielen also noch viele andere Faktoren ein Rolle, wenn es darum geht, den richtigen Zeitpunkt für eine Schwangerschaft abzupassen. Die persönliche Reife ist hier sicher ebenso zu nennen wie die Festigkeit der Beziehung zum Partner und vieles weitere mehr. Ob sie persönlich schon bereit sind für ein Baby, können Sie mit unserem Quiz testen - egal, wie alt Sie sind.

Mit 20 ist die Frau am fruchtbarsten

Biologisch betrachtet, ist 20 bis 29 das beste Alter zum Schwangerwerden. Die Fruchtbarkeit ist jetzt am höchsten. Das Bindegewebe ist sehr elastisch und der Körper ist meist relativ schnell nach der Geburt wieder in Form. Die Gefahr einer Fehlbildung des Babys ist in dieser Zeit am niedrigsten. Junge Mütter sind oft unbeschwerter und integrieren die Kinder oft flexibler in den Alltag.

Allerdings haben viele Frauen mit Anfang 20 noch nicht den passenden Partner gefunden, beziehungsweise die Partnerschaften sind oft noch nicht so stabil und lösen sich häufig. Meist ist es den Anfang 20-Jährigen wichtig, zunächst ihre Ausbildung zu beenden und ein paar Jahre zu arbeiten, bevor sie sich für Kinder entscheiden, schlechte Betreuungsangebote und negative Bedingungen beziehungsweise wenig Verständnis in der Arbeitswelt erschweren die Entscheidung noch zusätzlich.

Mit 30 charakterlich gefestigt

Mit Anfang/Mitte 30 ist die Berufsfindung meist abgeschlossen, die Frauen sind relaxter und selbstbewusster. Sie wissen in der Regel genau, was sie wollen und auch die Partnerschaft ist überwiegend gefestigt. Die Phase der Selbsterfahrung und des Ausprobierens ist abgeschlossen. Es fällt leichter, auf bestimmte Dinge wie zum Beispiel Ausgehen und große Urlaube zu verzichten.

Bei den über 30-Jährigen sinkt allerdings schon die Fruchtbarkeit, mit 35 liegt sie nur noch bei 25 Prozent. Das Risiko für Fehlbildungen beim ungeborenen Kind steigt, etwa jedes 250. Kind weist Missbildungen auf. Das Bindegewebe wird schwächer, Krampfadern, Bluthochdruck, Schwangerschaftsdiabetes und -vergiftungen treten häufiger auf.

Mit 40: Kinderwunsch aus allertiefstem Herzen

Frauen, die mit 40 oder älter schwanger werden, sind gelassener und entspannter, sie haben viel Lebens- und Berufserfahrung und konzentrieren sich mehr auf ihr Kind. Das Gefühl, etwas zu verpassen beziehungsweise auf etwas verzichten müssen, stellt sich bei den "späten" Müttern seltener ein. Sie entscheiden sich in den meisten Fällen aus Überzeugung für ein Kind und sind oft dankbarer für das Kinderglück als junge Mütter. Die finanzielle Situation sowie die Partnerschaft ist gesichert. Über 40-Jährige achten oft mehr auf gesunde Ernährung und körperliche Fitness, sie leben bewusster.

Allerdings liegt die Wahrscheinlichkeit einer natürlichen Schwangerschaft in dieser Altersgruppe unter 20 Prozent. Die Risiken für Fehlbildungen sind sehr hoch, ab 45 weist jedes 30. Kind eine Missbildung auf. Das Risiko einer Fehlgeburt ist mit 40 Jahren fast doppelt so hoch wie mit 30. Auch Schwangerschaftsdiabetes und -vergiftung treten wesentlich häufiger auf als bei 30-Jährigen. Insgesamt sind "späte" Mütter empfindlicher, sie stecken zum Beispiel schlaflose Nächte schlechter weg als 20-Jährige.

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